43 Workshops für Schulsanitäter in Puchheim

300 neue Herzensretter im Einsatz

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Akute Bauchschmerzen, ein blutiges Knie, Alkohol- oder Drogenmissbrauch – der Alltag eines Schulsanitäters ist nicht langweilig. Schließlich kommt es bei einer Schule mit 800 bis 900 Schülern rund zwei bis drei Mal pro Woche vor, dass das Sanitätsteam ausrücken muss. Um ihr Erstes-Hilfe-Können zu vertiefen, trafen sich vergangenen Samstag 300 Schüler aus ganz Bayern in der Realschule Puchheim. Die jugendlichen Schulsanitäter hatten die Möglichkeit an 43 Workshops teilzunehmen.

Puchheim - Dabei lernten sie, Wunden fachgerecht zu versorgen, einen Knochenbruch zu stabilisieren oder einen Feuerlöscher zu bedienen. Sogar das Innenleben eines realen Krankenwagens konnten die Kinder erkunden. Im Fokus der Fortbildung stand das neue Programm „Von Herzens- und Lebensrettern“ der „Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe“, das jeden Teilnehmer befähigen soll, auch Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen. „Wir wollen Hemmschwellen abbauen“, erklärte Florian Rößle von der ARGE Schulsanitätsdienst in Bayern. „Viele Menschen und gerade Jugendliche haben im Ernstfall Angst etwas falsch zu machen, sich zu infizieren oder vielleicht sogar haftbar zu sein. Dabei kann man nur eines falsch machen, nämlich nichts tun.“ Er betonte auch, dass es keine Seltenheit sei, einmal in seinem Leben mit einer Reanimation konfrontiert zu werden. Jeden Tag müssten alleine in Deutschland 250 Menschen wegen eines Herz-Kreislaufstillstands reanimiert werden – meistens im familiären Umfeld. „Prüfen, rufen, drücken – dieser Ablauf kann so viele Leben retten“, erklärt Rößle.

Die drei Schritte zur Rettung

„Dabei geht es beim „Prüfen“ nicht nur um das Überprüfen der Vitalfunktionen des Patienten, sondern auch um das Drumherum: „Wenn eine Gefahrensituation vorherrscht, muss man sich und den Patienten erst einmal sichern“, erklärt Rössle. Im zweiten Schritt „Rufen“ ist das Wichtigste, lautstark um Hilfe zu rufen und den Unterstützer zu beauftragen, einen Notruf abzusetzen. Kann bei dem Patienten keine Atmung festgestellt werden, kommt Schritt drei zum Einsatz: „Drücken“, um mit einer schnellen Herzdruckmassage das Herz-Kreislaufsystem zu reanimieren, bis der Notarzt eintrifft.

Lied für den richtigen Takt einer Herzdruckmassage

Wie einfach die für das Überleben wichtigsten Basismaßnahmen sind, lernten die 300 Schulsanitäter an unzähligen Puppen in der Puchheimer Turnhalle. Ein extra „Heartbeat-Song“ mit 100 bis 120 bpm half den Jugendlichen, im richtigen Rhythmus zu bleiben. Bei der zweiminütigen Druck-Massage kamen die Kinder gehörig aus der Puste. „Bei uns an der Schule gab es sogar schon einmal einen Reanimationsfall und der Helikopter musste kommen“, erzählen Sylvia und Sarah aus Maisach. Dieses Erlebnis hat sie beflügelt, neben der Erste-Hilfe-Grundausbildung weitere Workshops zu besuchen und in Puchheim das „Herzensretter Bronze“-Abzeichen zu machen. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man anderen helfen kann.“ Ihre Prüfung für das Zertifikat „Herzensretter Gold“, das neben der Herzdruckmassage und der Beatmung auch das Bedienen eines externen automatischen Defibrillators beinhaltet, absolvierten Bettina und David. Souverän hielten sie sich an den Ablauf und ließen sich selbst durch den Stromstoß nicht aus der Ruhe bringen. Stolz nahmen sie ihr Gold-Abzeichen entgegen.

Kurs mit Hundestaffel am beliebtesten

Am beliebtesten war an dem Tag der Workshop „Mantrailing“, bei dem eine Hundestaffel bei der Suche nach einer vermissten Person begleitet werden durfte. „Für diesen Kurs hatten sich fast alle Schüler angemeldet“, lacht Florian Rößle. Und der Kurs „Erste Hilfe bei Drogen- und Alkoholmissbrauch“ kam aufgrund großer Nachfrage vier Mal zustande.

In Ohnmacht gefallen

Wie schnell ein Ernstfall eintreten kann, zeigte sich live vor Ort. Damit die Schulsanitäter lernen, eine Prellung von einem Knochenbruch zu unterscheiden, wurden in einem Workshop mit Hilfe von Theaterutensilien Wunden und Verletzungen geschminkt. Beim Anblick einer allzu realistisch nachempfundenen Fleischwunde fiel ein Mädchen kurz in Ohnmacht. War aber – wie könnte es anders sein – vor Ort in besten Händen und wurde liebevoll und fachgerecht umsorgt.

Nicola Becker

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