Schüler der Kleinfeldschule haben Angst auf ihrem Schulweg

Eine Schule im Ausnahmezustand

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Das Halteverbot vor der Schule wird von den Eltern ignoriert.

Eine Schule befindet sich im Ausnahmezustand: Jeden Morgen spielt sich ein ähnliches Szenario vor der Kleinfeldschule in Germering ab. Denn die sogenannten „Elterntaxis“ bringen ihre Kinder scharenweise zur Schule – direkt vor die Eingangstür. Das Problem: hier herrscht absolutes Halteverbot, wie auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dabei wäre eine Lösung so nahe, der 200 Meter entfernte Volksfestplatz bietet ausreichend Parkmöglichkeiten für die Eltern.

Germering - Die Osterferien sind gerade vorbei und schon bietet sich wieder ein zweifelhaftes Bild. Autos halten verbotener weise in der Parkbucht für den Schulbus oder stehen gar in zweiter Reihe oder auf dem Gehweg, es wird gehupt und gefährliche Wendemanöver werden mitten auf der Fahrbahn durchgeführt. Es ist eine brisante Situation, nicht nur für die Schulkinder, die jeden Morgen zu Fuß zur Schule gelangen, sondern auch für andere Fußgänger und Verkehrsteilnehmer, die durch die teils unübersichtliche Verkehrssituation behindert werden. „Wir haben vieles versucht“, erklärt Julia Vanneman, Pressewart der Kleinfeldschule, „aber wir wussten uns nicht mehr anders zu helfen als die Polizei und letztlich auch die Presse einzuschalten“. Was der Elternbeirat vor allem möchte, ist an die Vernunft der Eltern zu appellieren, sie wachrütteln. Die Germeringer Kleinfeldschule ist da kein Einzelfall. Vergleichbare Szenarien spielen sich auch an anderen Schulen ab – das nicht nur deutschland- sondern weltweit. 

Schwedische Studie zeigt wie Elterntaxis den Kindern schaden

Eine schwedische Studie ergab, dass die weitverbreiteten Elterntaxis nicht nur für den Verkehr und die Umwelt belastend sind, sondern auch den Kindern schaden können. Denn die Kinder kommen abgehetzt und noch müde in der Schule an – die Konzentration ist gleich zu Schulbeginn auf einem Tiefpunkt und die Aufnahmefähigkeit muss erst anlaufen. Ein frischer Start in den Tag – egal ob mit dem Roller, zu Fuß oder mit dem Fahrrad – fehlt vielen der Grundschüler heutzutage. Laut der Studie mangelt es den Schülern ohne die morgendliche Interaktion mit anderen Kindern auf dem Schulweg oder der Erkundung der Umgebung an Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit. Diesen Eindruck haben auch die beiden Vertreterinnen des Elternbeirats der Kleinfeldschule: „Oftmals ist es die Bequemlichkeit und das fehlende Vertrauen in die eigenen Kinder“, sagen Julia Vanneman und Lioba Schill. Natürlich werden nicht alle Schüler morgens zur Schule kutschiert, aber besonders bei schlechtem Wetter staut es sich vor der Schule. Die beiden stellen sich die Frage, wie die Kinder es lernen sollen, tadellos am Verkehr teilzunehmen, wenn die Eltern ihnen als schlechtes Vorbild dienen. So wird minutenlang der Motor laufen gelassen, bis die Kinder in die Klassenzimmer entlassen werden. All das vermeintlich zum Wohl der Kinder. Vielen Eltern sei die mitunter gefährliche Situation vor der Schule überhaupt nicht bewusst. Draußen vor der Schule warten müsste aber niemand, bereits seit einiger Zeit bietet die Kleinfeldschule den Kindern jeden Morgen ein Frühstück an – gemeinsam und gesund in den Tag starten ist das Ziel. Zu Beginn des neuen Schuljahres sollte ein Elternbrief darüber informieren sowie über das hohe Verkehrsaufkommen direkt vor und auch hinter der Schule, in der Frühlingstraße, wo sich zudem ein Zugang zum S-Bahnhof Germering-Unterpfaffenhofen befindet – eine Art Präventivmaßnahme, die wohl fehlgeschlagen scheint. 

Weitverbreitete Ellbogenmentalität

Aber nicht nur den Eltern, sonder auch vielen der Kinder stinkt die Situation vor der Schule gewaltig. Sie werden oftmals von den aggressiven Eltertaxis übersehen und atmen die übelriechenden Abgase bereits am frühen Morgen ein. „Es hat sich eine Ellbogenmentalität entwickelt, die das eigene Kind ganz oben platziert und dann kommt lange nichts“, so Schill. Auch zu einem Unfall vor der Schule sei es bereits gekommen. Eine Lösung ist für die beiden Frauen naheliegend: Eltern müssen Selbstständigkeit der Kinder einfordern und auch fördern. „Vertrauen ist das A und O“, so Vanneman. Die Kinder müssen lernen, dass man ihnen zutraue alleine zur Schule und mittags wieder nach Hause zu kommen. In der Anfangszeit kann man die Kinder noch begleiten, aber bereits nach kurzer Zeit wird man merken, dass die Kinder das gar nicht mehr wollen. Es sei wichtig Sammelpunkte zu vereinbaren, so dass sich die Schüler in kleinen Gruppen auf den Weg machen können – das stärke auch die Sozialstruktur und die Kinder seien am Nachmittag viel ausgeglichener. 

Claudia Becker

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