Schützenheim in der Olchinger Schul-Mehrzweckhalle? - Ein heißes Eisen in der Diskussion

Eine Annäherung hatte sich ernsthaft wohl niemand versprochen, als sich Gegner und Befürworter zur beabsichtigten Unterbringung des Schützenheims in der Schul-Mehrzweckhalle am vergangenen Mittwochabend zu einer Podiumsdiskussion trafen. Dazu waren auch die Standpunkte der beiden Parteien einfach zu konträr. Beide Lager nutzten aber die Gelegenheit, um ihre Einstellungen nochmals mit aller Deutlichkeit kund zu tun.

Der Einladung des Olchinger Schützenvereins Gemütlichkeit waren ca. 80 Bürgerinnen und Bürger ins Behelfspfarrheim im Schwaigfeld gefolgt. Nachdem in den vergangenen Wochen die öffentliche Diskussion um die geplante Unterbringung des Schützenheimes in der Mehrzweckhalle der Schule für den ersten Vorsitzenden des Vereins, Hermann Schoberer, unerträgliche Ausmaße angenommen hatte, weil sie seiner Meinung nach jede Sachlichkeit vermissen ließ und nur von Emotionen gelenkt wurde, entschloss sich der Schützenverein, zu der öffentlichen Veranstaltung. Bei der Veranstaltung erhielt der Verein Schützenhilfe durch die Geschäftsführerin des Bayerischen Sportschützenbundes (BSSB), Beate Marschall, der pädagogischen Referentin des BSSB, Liane Harant-Hahn sowie von Professor Josef Heigl, Präventionspädagoge vom Bayerischen Fußballverband und der mehrfachen erfolgreichen Olympiateilnehmerin und zur deutschen Elite bei den Sportschützen zählenden Petra Horneber. Die Politik war vertreten durch Bürgermeister Andreas Magg und Sportreferent Tomas Bauer. Der Direktor des Olchinger Gymnasiums, Ralf Kaulfuß, die Grünen-Fraktionssprecherin des Olchinger Gemeinderates, Ingrid Jaschke, sowie Manfred Lebmeier, einem interessierten Bürger, hatten auf der Gegenseite des Podiums als Kritiker Platz genommen. Im Laufe des Abends wurde schnell deutlich, dass die überwiegende Mehrheit der interessierten Bürgerinnen und Bürger aus dem Lager der Befürworter stammte. In der sehr kontroversen, aber überwiegend sachlich verlaufenden Diskussion, nicht zuletzt dank des neutralen Moderators Karlheinz Frey, prallten die Argumente von Für und Wider nach wie vor aufeinander. Unter Hinweis auf die Amokläufe an den Schulen in Erfurt und Winnenden lehnen die Gegner den Plan der Olchinger Gemeinde, dem Schützenverein eine Schießanlage im Keller der geplanten Mehrzweckhalle in unmittelbarer Nähe des Schulneubaus im Schwaigfeld einzurichten, nach wie vor strikt ab. Da konnten auch die Ausführungen der Vertreter vom Sportschützenverband bei den Gegnern letztlich wenig oder so gut wie gar nichts ausrichten. Weder durch eine Studie mit Kindern aus 15 verschiedenen Vereinen, die ergeben habe, dass bei den Jugendlichen Kommunikationsbereitschaft und kooperatives Verhalten besonders ausgeprägt sei oder die Aussage, dass es sich bei Luftdruckgewehren und –pistolen nicht um Waffen handle, sondern um Sportgeräte, und erst recht damit kein Mensch getötet werden könne, brachte die Parteien nicht näher. Die Fraktionssprecherin der Grünen, Ingrid Jaschke, erinnerte daran, dass ihre Partei als einzige geschlossen gegen die Schießanlage gestimmt habe, wie bereits vor zehn Jahren gegen das Schützenheim im Estinger Kinderhaus. Man erkenne die Jugendarbeit in den Schützenvereinen an, aber aus schulpolitischen Gründen sollten Schießstände nicht in Schulnähe etabliert werden. Waffen seien ursprünglich zum Töten hergestellt, deshalb denke man bei Waffen auch automatisch an Gewalt, so Jaschke. Schulen seien aber zur Erziehung zum friedvollen Miteinander da, das passe nicht zusammen. Unterstützung erhielt Jaschke vom Direktor des Olchinger Gymnasiums, Ralf Kaulfuß, der auf die Aussage seines Kultusministers verwies, der Angelegenheit mit höchster Sensibilität zu begegnen. An bestehenden Einrichtungen könne man seiner Meinung nach festhalten, aber bei einem Neubau ergebe sich die Chance, den Standort für einen Schießstand doch zu überdenken. Gerade nach den Amokvorfällen müsse das Vertrauen gestärkt werden, dass Schulen sicher seien, so Kaulfuß. Dazu führte Bürgermeister Andreas Magg aus, dass die Sicherheit der Schule garantiert sei durch einen separaten Zugang für die Schützen, die im Übrigen erst ab 19 Uhr auftauchen, wenn längst kein Schulbetrieb mehr laufe. Johann Reger, zweiter Vorsitzender des Schützenvereins, berichtete, dass alle Alternativlösungen bisher gescheitert seien. Sportreferent Tomas Bauer informierte, dass eine Vielzahl von Alternativen geprüft wurde, entweder aber aus technischen oder aus finanziellen Gründen nicht zum tragen kamen. Durch den Neubau ergebe sich die einmalige Möglichkeit, mit geringstmöglichem Aufwand eine Schießanlage zu errichten.

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