Schützenheim in Schulsporthalle

Die Frage, ob in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer neuen Schule das Schützenheim eines Sportschützenvereins gebaut werden soll oder nicht, sorgt derzeit für viel Aufregung in Olching. Sogar der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat sich in die Diskussion eingeschaltet. „Wir werden an ihrer Seite stehen, weil Eigenverantwortung bei ihnen gut aufgehoben ist“, bekannte sich Seehofer bei seiner Grußansprache vor wenigen Tagen anlässlich des 59. Schützentages in München zu den Schützenvereinen.

Der Landesvater bezog auch gegen die Unterschriftenaktion in Olching Stellung: Im Projekt „Sport nach 1“ habe der Schießsport zu Recht seinen festen Platz. Deshalb sei das Vorgehen gegen Schießstände in Schulkellern ein Widerspruch. Seehofer versprach, sich der Sache persönlich anzunehmen. Seitdem in Olching die Planung für die neue Schule im Schwaigfeld bekannt wurde, die den Bau einer Turnhalle mit einem Schützenheim unter einem Dach vorsieht, hat sich massiver Widerstand in der Bevölkerung gebildet. Die Anwohner im Schwaigfeld starteten bereits eine Unterschriftenaktion. Die Gegner des Vorhabens erinnern an die Amokläufe von Erfurt, Emsdetten und Winnenden, die Befürworter versuchen aufzuklären und fordern mehr Fairness in der Diskussion. Dabei fällt der Gemeinderat die Entscheidung über einen gemeinsamen Bau von Turnhalle und Schützenheim erst, wenn das Ergebnis des Architektenwettbewerbs vorliegt. Bürgermeister Andreas Magg bedauerte, dass das Vorhaben bereits im Vorfeld in der Öffentlichkeit für so viel Wirbel sorgt. Dass Schützenvereine durch die Amokläufe in Verruf geraten sind, ärgert insbesondere den ersten Schützenmeister Hermann Schoberer vom Olchinger Schützenverein Gemütlichkeit, der mit seinem Verein seit Jahrzehnten auf ein neues Schützenheim hofft. Das derzeitige Schützenheim spottet in der Tat jeder Beschreibung. Es ist erstaunlich, dass die Schützen, die unter unwürdigen Bedingungen trainieren, dennoch zu den Besten im Landkreis zählen. „Wenn ein 16-Jähriger sich die Waffe seines Vaters besorgt, liegt die Schuld bei den Eltern“, so Schoberer. „Mit dem Ausweis des Schützenvereins kann man keine meldepflichtigen scharfen Waffen erwerben, sondern nur Luftdruck-Waffen“, klärt Schoberer auf. Er habe sich eigens beim für waffenrechtliche Angelegenheiten zuständigen Beamten im Landratsamt erkundigt. Die Diskussion, die inzwischen eine Eigendynamik entwickelt habe, drohe aus dem Ruder zu laufen und lasse die Sportschützen in einem völlig verkehrten Licht erscheinen, so Schoberer. Der Verein hat ein Gremium gebildet und wird mit Vertretern der Gemeinde sowie Gau-Vertretern eine öffentliche Info-Veranstaltung mit neutralem Moderator im katholischen Pfarrsaal abhalten. Dazu will der Verein auch alle Gegner einladen. Zu den Gegnern zählt auch die Kreisvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Ingeborg Heining, die zugleich selbst Rektorin der Grundschule Alling ist und in Olching wohnt. Sie betrachtet die Einverleibung einer Schießanlage in einer Schulanlage sehr kritisch. Gleichwohl verkenne sie aber nicht, dass in den vielen Schützenvereinen engagierte Jugendarbeit geleistet werde. Gerade wegen der Vorfälle in Winnenden und Erfurt müsse man aber ein Zeichen für Gesellschaft und Jugend setzen und deshalb für ein neues Schützenheim einen anderen Standort außerhalb des Schulgeländes wählen, so die Pädagogin. Der gleichen Meinung seien im Übrigen auch ihre Kollegen, erklärt die BLLV-Kreisvorsitzende. Unterstützung erhält die Allinger Rektorin von der Olchinger Gemeinderätin Dr. Ingrid Jaschke (Grüne). Nicht jeder Schütze sei gleich ein potentieller Verrückter, so Jaschke, aber Schützen gehören nicht in eine Schule, sagt sie. Grünen-Jugendreferent Eric Fischer sieht einen Schießstand nahe einer Schule ebenfalls als problematisch an. Er plädiert aber für mehr Sachlichkeit in der Diskussion. Auch Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hat sich zu der Angelegenheit geäußert und von allen Beteiligten höchste Sensibilität gefordert. Auch die Bundes-Parteivorsitzende der Grünen, Claudia Roth, hat sich zu Wort gemeldet und erklärt: „Schusswaffen haben in Schulen nichts zu suchen.“ Die Fraktionen von CSU, SPD und FW im Olchinger Gemeinderat senden ein falsches Signal, wenn sie in einer Schulturnhalle einen Schießstand einrichten wollen. Andere Bundesländer führten die Debatte, bestehende Schießstände aus Schulen herauszunehmen, so Roth. Olchings Sport- und Vereinsreferent Dr. Tomas Bauer (CSU) verteidigt ebenso wie Bürgermeister Magg die Schützenanlage in der Schulturnhalle. Bei einer verantwortungsvollen Sportausübung durch die Sportschützen sehen sie keine Bedenken, wenn sich Schulturnhalle und Schießstand unter einem Dach befinden. Getrennte Eingänge zu den unterschiedlichen Sportstätten würden eine Begegnung zwischen Schülern und Schützen schon allein wegen der unterschiedlichen Benutzungszeiten so gut wie ausschließen. In einer Presseerklärung zeigte sich Bauer verwundert über den Protest der Allinger Rektorin. Nach Aussage der Olchinger Verwaltung waren die hiesige Schule und deren Leitung in die Planungen eingebunden, ohne dass ein Protest bekannt geworden wäre, so Bauer. Er halte es für falsch, Luftgewehr-Schützen wegen Amokläufen mit Feuerwaffen aus einer Sporthalle zu verbannen. Die Schützen seien Sportler und deshalb in einer Sporthalle bestens aufgehoben. Daher kann Bauer auch nicht der Forderung des BLLV-Kreisvorstandes folgen, Jugend und Schießen passe nicht zusammen und deshalb müsse ein anderer Standort für die zu bauende Vereinsanlage gesucht werden.

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