Projekt des Bundesministeriums

"Schwanger und auf der Flucht"  - Donum Vitae zieht Bilanz

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Sylvia Pohl, Leiterin von Donum Vitae in Fürstenfeldbruck (rechts), dankte Christina Siedl, Projektbeauftragte, mit einem Blumenstraus für ihren Einsatz der vergangenen zweieinhalb Jahre.

Was muss alles in die Wickeltasche? Wie kann ich mit Schwangerschaftsdiabetis umgehen? Was brauche ich für Papiere für mein Neugeborenes? Welche Arzt-Untersuchungen zahlt die Krankenkasse? Wie gewöhne ich mein Kind an Brei-Kost? All diese Fragen stellen sich Schwangere wohl im Laufe der neun Monate. Sind diese Frauen auf der Flucht, haben Schlimmes erlebt, leiden unter Traumata oder gar Genitalverstümmelung und Gewalt, macht es die Zeit der Schwangerschaft natürlich nicht einfacher. Um diese Frauen mit ihren Ängsten und ihrer Unsicherheit in einem für sie fremden Land aufzufangen, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Projekt „Schwangerschaft und Flucht“ gefördert, welches nun jedoch ausläuft. Christina Siedl, Projektbeauftragte im Donum Vitae Fürstenfeldbruck, zieht eine Bilanz.

Christina Siedl hat in den vergangenen zwei Jahren im Landkreis Fürstenfeldbruck Strukturen geschaffen, ein Netzwerk aufgebaut, Anschauungsmaterial für schwangere Flüchtlinge erstellt, Asylbewerberinnen in ihren Flüchtlingsunterkünften besucht, sie beraten und Gruppenkurse angeboten. Doch jetzt ist damit Schluss, denn das Modellprojekt läuft Ende April aus, Siedls Teilzeitstelle wird nicht weiter finanziert. 

340 Beratungen und 27 Gruppenangebote

Es ist nicht die einzige Stelle. 30 davon schuf das Ministerium in ausgewählten Donum Vitae Beratungsstellen sechs davon in Bayern. „171 Klientinnen im Schnitt zwischen 20 und 25 Jahre alt, 340 Beratungen, 27 Gruppenangebote“, zählt Siedl ihre Statistik für den Landkreis auf. 28 Prozent wären Erstgebährende, 20 Prozent Alleinerzeihende und 36 Prozent Paarberatungen gewesen. Zählt man die Beratungen weiterer Donum Vitae Mitarbeiter dazu, werden es weitaus mehr.

Fragen der Mütter gehen über die Schwangerschaft hinaus

Die Fragen der werdenden Mütter seien dabei immer über die Schwangerschaft hinaus gegangen: Muss ich einen Asylantrag für mein Kind stellen? Wie kann ich mein Kind in der Unterkunft vor Gewalt schützen? Wie finde ich eine Wohnung? Gerade bei diesen Fragestellungen kam Siedl an ihre Grenzen, was beweist: der Bedarf an Hilfe ist groß. „Es geht um Vertrauen und Empfehlungen, ich kannte die Frauen, sie kannten mich, ich kannte die Personen hinter weiteren Hilfsprojekten“, sagt Siedl und spricht sich dabei klar für die dezentrale Beratung in den Unterkünften aus. 

Appell weitere solcher Projekte anzuregen

Nur Flyer in die Hand zu drücken, helfe dagegen wenig. Immer öfter fehle auch die Asylsozialberatung vor Ort. „Bei jeder zweiten Beratung sitzt uns ein Mensch mit Migrationshintergrund gegenüber“, sagt Sylvia Pohl, Leiterin von Donum Vitae über das allgemeine Beratungsangebot. Pohl sowie Netzwerkpartner von Donum Vitae, wie die Familienstützpunkte im Landkreis, pro familia und die Caritas appellierten deshalb an Bezirksrätin Gabriele Off-Nesselhauf für weitere solcher Projekte zu sorgen.

14 Dolmetscherinnen aus elf Ländern

„Es kommen eine Menge Kosten auf unser Gesundheitssystem zu, wenn wir diese Frauen nicht schon während der Schwangerschaft auffangen“, verlieh Siedl ihrem Appell Nachdruck. Bis die Politik eine Lösung gefunden hat, will Donum Vitae mit Siedls Materialien und Wissen sowie dem aufgebauten Netzwerk aus 14 Dolmetscherinnen aus elf Ländern weiter arbeiten. Die dezentrale Beratung können die Mitarbeiter jedoch nicht stemmen. 

Kohr

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