»Obstgarage« in Messebau-Halle

Serie »Not macht erfinderisch« – diesmal: Ein Messebauer verkauft nun Bio-Obst und Gemüse

Wegen Corona packt der Fürstenfeldbrucker Maximilian Ziener jetzt Obst-Bestellungen in seiner Messebau-Halle – und ist glücklich damit.
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Wegen Corona packt der Fürstenfeldbrucker Maximilian Ziener jetzt Obst-Bestellungen in seiner Messebau-Halle – und ist glücklich damit.

Fürstenfeldbruck – Aufgrund der Corona-Pandemie und der einhergehenden Schutzmaßnahmen gerieten so einige Geschäftsleute im Landkreis in Not, da sie schlichtweg ihre Produkte oder Dienstleistung nicht mehr anbieten konnten. Fitnessstudios, Reisebüros, Veranstaltungsagenturen, Messebaufirmen, Gastronomen – für viele Branchen sind die Türen seit Pandemie-Beginn geschlossen. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. In einer Serie will der Kreisbote einige Geschäftsideen vorstellen, die es ohne das Virus so vielleicht nie gegeben hätte.

Maximilian Ziener ist eigentlich Geschäftsführer eines Messebauunternehmens in der Brucker Hasenheide. Doch aufgrund der Pandemie brachen ihm fast von heute auf morgen 2020 alle Aufträge weg. „Nach acht Monaten ohne Umsatz und weiterem Lockdown war klar, dass eine Perspektive nicht mehr gegeben war. Eine Alternative musste her“, erzählt der 32-Jährige.

So beweist er Mut für neue Wege. Denn als sein Onkel mit der Idee auf ihn zukam, Bio-Obst und -Gemüse zu verkaufen, musste er nicht lange überlegen. „Mein Onkel Theo Hartl hat aufgrund seiner Soßen und Senf-Manufaktur schon viele Kontakte zum Bio-Großhandel“, erklärt er. Nur wenige Wochen danach war die „Obstgarage“ in der Liebigstraße 15 geboren. Zugute kam Ziener zudem, dass sein Hallen-Vermieter ihm entgegen kam. „Meine 500 Quadratmeter große Halle konnte ich auf 100 Quadratmeter reduzieren.“

So konnte man nun, wo sonst Messestände gebaut und gelagert wurden, frisches Obst und Gemüse vom Ökoring aus Mammendorf erwerben. Seitdem hat sich jedoch wieder etwas getan. Aus dem Laden wurde ein Online-Handel. „Ich habe in meinem Lager keine Kühlung, weshalb die Lebensmittel jetzt bei den warmen Temperaturen schnell schlecht werden würden. Deshalb sind wir nun vom Verkauf vor Ort auf die Online-Bestellungen umgestiegen“, erläutert er.

Bis zu 60 Gemüse- und Obstsorten im Online-Shop erhältlich

Mit „wir“ meint er sich und seinen Freund Lorenz, der eigentlich als Maler und Lackierer im Familienbetrieb arbeitet. „Als Veganer hilft er mir gerne, die rund 50 Bestellungen pro Woche zu packen“, erzählt Ziener. Im Online-Shop der Obstgarage können Bio-Freunde mittlerweile aus bis zu 60 Gemüse- und Obstsorten wählen. Für Personen, welche die Qualität erst einmal austesten möchten, gibt es die Gemischten Bio- und Obstkisten für je 16 Euro. Bis zu einer Tonne Obst und Gemüse verkauft er wöchentlich. „Die Leute können bis Mittwoch bestellen, am Donnerstag packen wir die Bestellungen, die dann am Freitag und Samstag abgeholt werden können“, erklärt Ziener den Vorgang.

Sein Messebauunternehmen befindet sich seit dem 18. Februar 2020 nach wie vor im Lockdown. Doch auch wenn Messen irgendwann wieder einmal möglich sind, weiß der junge Unternehmer, dass er nicht mehr zu den 150 Projekten im Jahr zurückkehren möchte. „Ich habe teilweise bis zu 80 Stunden in der Woche gearbeitet, das möchte ich nicht mehr“, sagt er und meint: „Vielleicht mache ich noch so zehn Messe-Projekte im Jahr, weil Spaß macht es ja nach wie vor.“

So wird den Fürstenfeldbruckern die Obstgarage also auch nach der Pandemie erhalten bleiben. Bestellt werden kann online unter onwhats.app/obstgarage.

Miriam Kohr

Sie kennen jemanden, der aufgrund Corona seine Arbeit nicht nachgehen konnte und aus der Not heraus eine Geschäftsidee verwirklicht hat? Sind Sie vielleicht selbst so eine Person? Dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an redaktion-ffb@kreisbote.de.

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