»Eine gute Zeit mit Bier«

Serie »Not macht erfinderisch« – diesmal: Olchinger Braumanufaktur holt Kleininvestoren an Bord

Geschäftsführer Guido Amendt (links) mit Brauer- und Mälzergeselle Felix Leupelt, der im Juni seine Abschlussprüfung ablegen wird.
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Geschäftsführer Guido Amendt (links) mit Brauer- und Mälzergeselle Felix Leupelt, der im Juni seine Abschlussprüfung ablegen wird.

Olching – Aufgrund der Corona-Pandemie und der einhergehenden Schutzmaßnahmen gerieten so einige Geschäftsleute im Landkreis in Not, da sie schlichtweg ihre Produkte oder Dienstleistung nicht mehr anbieten konnten. Fitnessstudios, Reisebüros, Veranstaltungsagenturen, Messebaufirmen, Gastronomen – bei viele Branchen sind die Türen seit Pandemie-Beginn geschlossen. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. In einer Serie will der Kreisbote einige Ideen vorstellen, die es ohne das Virus so vielleicht nie gegeben hätte.

Zwei Freunde, eine Vision: modernste Braukunst und bayerische Tradition in hochwertigen handgebrauten Bieren zu vereinen, das ist der Anspruch, den Guido Amendt und Julius Langosch, die Gründer der Olchinger Braumanufaktur, an sich selbst haben.

Vor sieben Jahren – während eines Skiurlaubs – kam den beiden Freuden die Idee zur eigenen Brauerei. Auf einer „urigen“ Berghütte hatten sie Bier bestellt, doch dort gab es „kein gutes, regional gebrautes Bier“, so Amendt. Ein Problem, dass sie auch für Olching erkannten. Das wollten sie ändern und gründeten ihre Braumanufaktur.

„Was wir machen, ist nicht nur Bier“, erklärt Amendt, „wir bieten mehr als das, wir bieten eine gute Zeit mit Bier“. Darauf baut ihre Marketingkampagne auf, das macht sie aus.

Die ersten vier Jahre produzieren sie im Lohnbrauverfahren, bei welchem der Brauvorgang ausgelagert wird, 2020 zieht die Braumanufaktur im Gut Graßlfing in Olching ein. In diesem „bayerisch, stimmigen Gut“, wie Amendt es beschreibt und das unter Denkmalschutz steht, wollen sie historisches Ambiente und modernste Braukunst verbinden und dort von nun an ihr Bier selbst brauen. Höchst motiviert schaffen sie sich eine eigene Brauanlage an, die Zeit des Lohnbrauens ist vorbei.

Corona macht einen Strich durch die Rechnung

Doch dann macht ihnen Corona einen Strich durch die Rechnung. Nur eine Woche nach dem Kauf der Anlage beginnt der Lockdown. Das Olchinger Volksfest bricht weg, geplante Brauseminare fallen aus, zahllose weitere Live-Veranstaltungen, bei denen Olchinger Bier ausgeschenkt werden sollte, werden abgesagt. Und auch der Biergarten im Innenhof des Guts liegt pandemiebedingt verlassen da. „Zwar wachsen wir trotz Corona“, erklärt Amendt, „doch viel zu langsam“.

Immer wieder kommen Menschen auf sie zu und wollen wissen, wie man der Braumanufaktur helfen kann. „Wir können gar nicht so viel Bier trinken, wie man helfen will“, bekommen die beiden Freunde von ihren Kunden zu hören.

Und so entschließen sich Amendt und Langosch dazu, mittels eines sogenannten „Crowdfundings“ aus den Kunden Investoren zu machen. Für ihre Kampagne legen sie ihr Augenmerk besonders auf die digitale Werbung, doch zusätzlich machen sie analog mittels Bierdeckel, die sie an die Olchinger Haushalte verteilen, auf die Aktion aufmerksam. „Um auch die ältere Generation, die digital nicht so versiert ist, zu erreichen“, berichtet Amendt. Innerhalb von vier Wochen kommen so 160.000 Euro von über 200 Kleininvestoren zusammen. Genug, um für dieses Jahr gut über die Runden zu kommen.

Die gesammelten Beträge liegen zwischen 100 und 6.000 Euro. Als Gegenleistung erhalten die Investoren Rendite von sieben Prozent in Form von Genussscheinen. Das Kapital soll in zusätzliche Biertanks und Leergut investiert werden, darüber hinaus in die Ausstattung und Personal für den Biergarten.

Zudem gibt es bereits weitere Anfragen von möglichen Kleininvestoren, sodass man spätestens Anfang nächsten Jahres eine neue Crowdfunding-Aktion ins Leben rufen möchte.

Regionale Verwurzlung der Braumanufaktur

Den Kleininvestoren scheint dabei die regionale Verwurzlung der Braumanufaktur besonders am Herzen zu liegen. Immerhin wird das Wasser, das man als eine der Zutaten zum Bierbrauen benötigt, von den Olchinger Stadtwerken geliefert, zudem wird die Energieversorgung neben der Fernwärme durch die nahe Amper gewährleistet. Und auch die verwendete Gerste ist ein regionales Produkt. So wächst „Steffi“ auf den Feldern rund um das Gut Graßlfing.

Auch wenn die Lage wegen Corona von Unsicherheit geprägt ist, war Aufgeben laut Amendt nie eine Option: „Es ist eine spannende Zeit, aber manchmal würde man sich wünschen, sie wäre weniger spannend.“

Nun hofft er darauf, dass sich die Situation baldmöglichst bessert, sodass die Menschen wieder zusammen kommen können, um eine „gute Zeit mit Bier“ zu genießen. Immerhin sei bereits für den Sommer eine Open-Air-Veranstaltung der Olchinger Volksbühne im Biergarten der Braumanufaktur geplant – vorausgesetzt Corona spielt mit.

Maximilian Geiger

Sie kennen jemanden, der aufgrund Corona seine Arbeit nicht nachgehen konnte und aus der Not heraus eine Geschäftsidee verwirklicht hat? Sind Sie vielleicht selbst so eine Person? Dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an rredaktion-ffb@kreisbote.de.

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