Wenn Plan A nicht funktioniert, gibt es noch Plan B

Serie »Not macht erfinderisch« – diesmal: Virtuelle Messen

Michael Lex setzt vermehrt auf digitale Messen.
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Michael Lex setzt vermehrt auf digitale Messen.

Maisach – Aufgrund der Corona-Pandemie und der einhergehenden Schutzmaßnahmen gerieten so einige Geschäftsleute im Landkreis in Not, da sie schlichtweg ihre Produkte oder Dienstleistung nicht mehr anbieten konnten. Fitnessstudios, Reisebüros, Veranstaltungsagenturen, Messebaufirmen, Gastronomen – für viele Branchen sind die Türen seit Pandemie-Beginn geschlossen. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. In einer Serie will der Kreisbote einige Geschäftsideen vorstellen, die es ohne das Virus so vielleicht nie gegeben hätte.

ISPO, Bau, Electronica, expo real – auf den größten Messen war die Firma Rappenglitz Messebau aus Maisach bislang vertreten. Von der Konzeption und dem Design individueller Messestände, der Fertigung in den eigenen Werkstätten bis hin zur Logistik und der endgültigen Montage – die Kunden freuten sich über eine Fullservice-Leistung in dritter Generation.

Doch dann kam Corona. Von heute auf morgen waren Großveranstaltungen nicht mehr möglich. Die Telefone liefen heiß, Veranstaltungen weltweit wurden abgesagt und Aufträge zurückgezogen. „Uns hat die Pandemie eiskalt erwischt“, erinnert sich Michael Lex. „Wir waren gerade dabei, Stände auf der Internet World in München aufzubauen, da erreichten uns die ersten Meldungen. Nach einem Tag voller Verunsicherung war klar: statt weiter aufzubauen, können wir gleich wieder abbauen.“ Wie geht es weiter? Wann sind Messen wieder erlaubt? Wie wickeln wir bereits gebuchte Projekte ab? – Fragen über Fragen beschäftigten das Team. „Zum Glück herrschte von Anfang an in der gesamten Branche eine große Fairness. Für alle kam Corona überraschend, alle waren zum Gespräch bereit und willig, eine für alle gute Lösung zu finden.“

Abwarten und aussitzen kam für Firmenchef Michael Lex in dieser unsicheren Zeit nicht in Frage. Gemeinsam mit seinem Team suchte er eine Lösung – und fand nicht nur eine, sondern gleich drei gute Ideen. „Wir bekamen schnell mit, dass lokale Handwerksbetriebe plötzlich volle Auftragsbücher aber zu wenige Mitarbeitende hatten. Also haben wir unsere Schreiner und Lackierer kurzerhand ausgeliehen und unsere Designer haben für andere Firmen Logos und Firmensignets entwickelt. Zum anderen haben wir überlegt, wer unsere Dienste noch benötigen könnte. Dank ihres jahrelangen Know-Hows wissen unsere Mitarbeiter ja nicht nur, wie ein idealer Messestand aussieht, sondern können dieses Wissen auch im Ausbau und Umbau von Büroräumen einsetzen“. An die geplanten Umsätze konnte das Unternehmen so zwar nicht anknüpfen, aber zumindest konnten alle Mitarbeiter ihren Job behalten. Trotz der heftigen Umsatzeinbrüche von über 80 Prozent musste keinem Mitarbeiter gekündigt werden und das soll auch so bleiben.

Livestream, Videosequenzen oder Chatfunktionen

Besonders stolz ist Lex im Rückblick auf das dritte Standbein, das die Firma Rappenglitz in den vergangenen Corona-Monaten ausgebaut hat: die Designer der Firma haben viel Zeit investiert, um sich neue Programme und Tools anzueignen, damit Messen und Veranstaltungen auch virtuell stattfinden können. Nicht nur aus Nachhaltigkeitsaspekten erfährt dieses Thema gerade weltweit einen Boom: anstatt sich live zu treffen, verlegen immer mehr Firmen ihre Produktvorstellungen in den virtuellen Raum. Per Livestream, Videosequenzen oder Chatfunktionen können so Menschen weltweit teilnehmen – oder sich die Aufzeichnung zeitlich unabhängig ansehen. „Wir konnten in den vergangenen Monaten viele Projekte in diesem Bereich umsetzen, haben uns Fachwissen angeeignet und tolle Erfahrungen gemacht“, freut sich Michael Lex.

Auf dem neuen Firmengelände in Maisach ist ein zukunftsweisendes „Digital Loft“ entstanden, von dem aus virtuelle Pressekonferenzen oder Webinare gestreamt werden können. Für beste Licht-, Bild- und Tonqualität sorgen die ortsansässigen Kollegen von „Magic Event & Medientechnik“.

Dennoch hoffen Lex und sein Team, dass ab Herbst das „normale“ Messegeschäft endlich wieder anläuft. „Messebau ist und bleibt unsere Basis, hier steckt unser Herzblut drin. Es ist eine ganz andere Stimmung, wenn man sich persönlich vor Ort trifft als nur virtuell. Ich bin daher der Überzeugung, dass es in Zukunft eine Mischung aus beiden Varianten geben wird. Und dafür sind wir nun perfekt aufgestellt.“

Nicola Becker

Sie kennen jemanden, der aufgrund Corona seine Arbeit nicht nachgehen konnte und aus der Not heraus eine Geschäftsidee verwirklicht hat? Sind Sie vielleicht selbst so eine Person? Dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an redaktion-ffb@kreisbote.de.

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