Borkenkäfer bedroht Fichtenbestand

Der Käfer, der die Fichte auslöscht

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So sieht es unter der Rinde aus: Die Larven fressen sich waagrecht durch den Stamm.
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In einem reinen Fichten-Wald ein paar Kilometer westlich von Puch sind bereits 160 Bäume mit dem Borkenkäfer befallen. Die Experten Anita Ottmann und Waldemar Schmidt vom Forstamt kennzeichnen zwei befallene Bäume mit Sprühfarbe.
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Borkenkäfer, die sich gerade in die Rinde einer Fichte fressen und Bohrmehl produzieren.

Wer in Wäldern im Landkreis spazieren geht, wird womöglich den Buchstaben K auf Fichten finden. Das K kennzeichnet Sammelpunkte für eine gefährliche Untergrund-Gruppe, die ganze Arten auslöschen kann. Bei der Gruppe handelt es sich um viele Individuen einer Käferart: Dem Borkenkäfer – der Alptraum aller Waldbesitzer.

Fürstenfeldbruck – Sturm Niklas vor zwei Jahren ist schuld, dass aktuell so viele Fichten, teilweise ganze Wälder, vom Borkenkäfer befallen sind. „Nach einem Sturm und nach einer längeren Wärmeperiode, nisten sich die Käfer unter die Rinde von abgestorbenem Holz am Boden ein“, erklärt Anita Ottmann vom Forstamt Fürstenfeldbruck. Abgestorbenes Holz kann sich anders als ein gesunder Baum nicht mehr mit Harz wehren. Werden dann die ersten Larven zu Käfern, dauert es nicht lange, bis die ersten gesunden Bäume befallen sind. „Gegen eine große Anzahl von den braunen Krabbeltieren kommt auch ein gesunder Baum nicht mehr an“, weiß Ottmann.

"Er fliegt sich zu Tode"

Ist ein Baum befallen, hilft nur noch eins: Fällen. Das verhindert zumindest, dass sich die Käfer weiter ausbreiten. „Das Holz muss so schnell wie möglich an Trockenlageplätze gebracht werden, die in größerer Entfernung keine Fichtenwälder in der Nähe haben“, erklärt sie. Findet der Käfer nämlich innerhalb von 700 Metern keinen neuen Baum, in den er sich fressen kann, „fliegt er sich zu Tode“, so die Expertin. Deshalb ist es wichtig, befallene Bäume frühzeitig zu erkennen und schnell aus dem Wald zu schaffen. Doch das klappt nicht immer, wie es soll. Dabei sind die Anzeichen für einen Befall bei genauem Hinsehen nicht schwer zu erkennen.

Am liebsten unter der Rinde

Ottmann zeigt unter einer augenscheinlich gesunden Fichte auf einen Haufen grüner Nadeln. ‚„Fallen grüne Nadeln, ist das ein klarer Hinweis“, erklärt sie. „Man muss Ausschau nach dem Bohrmehl halten“, wie es Ottmann nennt. Wenn sich die Käfer in die Rinde fressen, bleibt dieses Mehl zurück und fällt auf Äste oder den Boden. Meist ist das Mehl schneller zu erkennen als die Löcher. Die Käfer und Larven selbst lassen sich eher selten blicken, halten sie sich unter der Rinde doch am liebsten auf.

Bis zu 150 Eier

„Die Käfer sind für den Baum noch nicht so gefährlich, weil sie sich senkrecht mit den Wasserlinien durch die Bäume fressen“, schildert Ottmann. Gefährlich werden die Larven, die sich waagrecht durch die Schicht fressen und so die Wasserlinien unterbrechen. Dadurch kommt der Baum an kein Wasser mehr. Er trocknet aus und stirbt ab. „Einige Förster reagieren erst, wenn ihnen ausgetrocknete Fichten auffallen“, weiß Ottmann. Doch dann ist es schon zu spät. Denn ist der Käfer erst einmal im Wald, kommt es zum exponentiellen Anstieg des Schädlings. Ein weiblicher Borkenkäfer kann bis zu 150 Eier legen. Da die Entwicklung vom Ei zum geschlechtsreifen Käfer nur bis zu zehn Wochen dauert, können sich in einem warmen und trockenen Sommer bis zu drei Generationen fortpflanzen.

Man hätte mehr retten können

Waldemar Schmidt erzählt von einem Wald, den er vor einer Woche untersuchte, dort müssen alle Bäume weg. „Der Förster war sichtlich betroffen“, erinnert er sich. Für befallenes Holz erhalten die Förster etwa 20 Euro weniger. Sind dann mehrere Hektar Wald betroffen, sei das ein enormer Verlust. Im Wald, in dem die beiden neue „K“s sprühen, sieht es noch nicht so schlecht aus. 160 Fichten wurden bisher gekennzeichnet. Da die befallenen Bäume verstreut aber nahe beieinander stehen, hat Ottmann dennoch keine große Hoffnung mehr für den Wald. Der Besitzer weiß schon vom Befall, er organisierte eine externe Firma, die die Bäume fällen sollte. Wäre er früher eingeschritten, wäre vielleicht mehr zu retten gewesen.

Es kann jeden Waldbesitzer treffen

„Die Waldbesitzer sind eigentlich alleine dafür verantwortlich. Nach der Verordnung nach dem Forstgesetz sind sie verpflichtet ihre Wälder zu prüfen und den Borkenkäfer wirksam zu bekämpfen“, erklärt sie. Ottmann und ihr Kollege untersuchen die Wälder dennoch Stichprobenartig, um eine weitere Ausbreitung auf weitere Wälder zu verhindern. Stellen sie einen Befall fest, bekommt der Besitzer einen Anruf. Passiert danach nichts, folgt ein Brief. Sind die Bäume danach immer noch nicht gefällt, kommt die kostenpflichtige Androhung. „Wir können im Notfall Firmen beauftragen, Bäume zu fällen“, informiert sie. Sie sagt aber auch: „Es kann jeden Waldbesitzer treffen. Und keiner sollte sich angeschwärzt fühlen, wenn der Nachbar auf den Befall aufmerksam macht“, betont sie.

Nur fünf Prozent nicht betroffen

Das Forstrevier Fürstenfeldbruck hat etwa 4.000 Waldbesitzer. „Ich schätze, dass nur fünf Prozent nicht von der Problematik betroffen sind, weil in nur sehr wenigen Wäldern keine Fichten stehen“, sagt die Wald-Expertin. Dabei sei es im nördlichen Landkreis, der nicht zum Forstrevier Bruck gehört, „um Lichtjahre schlimmer“, wie sie sagt. Dort hat Sturm Niklas damals schlimmer gewütet. „Neben dem Sturm ist der Borkenkäfer die schlimmste Bedrohung für die Fichten“, betont Ottmann. Dazu kommen längere Trockenperioden, mit denen Fichten schwer umgehen können, da ihre Wurzeln nicht besonders tief reichen. Einige Waldexperten glauben, Fichten würden aufgrund des Klimawandels irgendwann aussterben.

Miriam Kohr

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