Neues Quartier nimmt Form an

Siegerentwurf des Wettbewerbs zur Gestaltung Aumühle/Lände vorgestellt

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Vor dem Siegerentwurf (von links): Professor Mark Michaeli (TU München), Professor Janna Hohn (JOTT architecture and urbanism), Stadtplaner Markus Reize und OB Erich Raff.

Fürstenfeldbruck – Zehn Entwürfe, dreieinhalb Jahre Vorarbeit und ein Sieger – das Planungsbüro JOTT architecture and urbanism GbR mit Stern Landschaften konnte sich gegen seine neun Mitbewerber durchsetzen und wurde von einer Jury mit seinem Entwurf beim Städtebaulichen Realisierungswettbewerbs „Aumühle/Lände“ zum Sieger erklärt.

Ziel war es, für den ehemaligen Bereich der Stadtwerke und des städtischen Bauhofes ein lebendiges und urbanes Quartier zu erarbeiten.

Nachdem die Stadtwerke Fürstenfeldbruck im vergangenen Jahr an die Cerveteristraße an den Stadtrand umgezogen und der Bauhof von der Lände verlegt werden konnte, wurde ein rund sechs Hektar großes Areal nahe der Fürstenfeldbrucker Innenstadt frei. Hier will die Stadt ein Quartier entstehen lassen, dass eine Mischung aus Wohnen, Naherholung, Kultur, Gastronomie und Gewerbe zulässt. 

Zehn Teilnehmer aus ganz Deutschland

Aus diesem Grund rief sie einen städtebaulichen Realisierungswettbewerb aus, bei dem zehn Architekturbüros aus dem gesamten Bundesgebiet – vom Bodensee bis nach Leipzig – dem Aufruf folgten und ihre Vorstellungen für das neue Quartier Aumühle/Lände einreichten. Diese Ideen aus Holz, Grafiken, Infotafeln sowie Erläuterungen wurden nun in der Jahnhalle einer Jury, bestehend aus Bürgern, Stadträten sowie Fachplanern präsentiert, die anschließend einen Sieger kürten. 

Jury bewertete nach Elf-Punkte-System

„Wir haben viel diskutiert“, erzählt der Vorsitzende der Jury Mark Michaeli, Professor für Architektur an der Technischen Universität (TU) München. In einem anonymen Verfahren wurde jeder Entwurf nach einem elf Punktesystem bewertet. So wurden die Pläne unter anderem auf die Vorgaben Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit oder auch Reduzierung des Autoverkehrs überprüft.

Die Sieger

Mit dem Blick auf die Aumühle: Kreativität und Natur am Werkskanal.

JOTT architecture and urbanism GbR aus Frankfurt am Main mit Stern Landschaften aus Köln wurden zum ersten Preisträger gekürt. „Es hat uns extrem viel Freude bereitet die Herausforderung aus Wohnen, Kultur und Gewerbe umzusetzen“, sagte Janna Hohn von JOTT architecture und urbanism GbR, die erst am Vorabend von der Nominierung erfuhr und kurzfristig aus Frankfurt angereist war.

Die Vorstellungen des Gewinner-Entwurfes

Auch wenn der Gewinnerentwurf der Stadt noch viel Spielraum lässt, konnte Hohn einen kleinen Einblick darauf geben, wie sich das Architekturbüro das neue Quartier vorstelle. So zeigt das Modell, dass das neue Quartier in drei Phasen entstehen soll, wobei hier von einer gesamten Zeitspanne von mindestens zehn Jahren die Rede ist – wie Daniel Pohl von der Stadtplanung betont.

Temporäre Nutzung

Zwei sogenannte „Hubs“ am Werkskanal sowie um den ehemaligen Schlachthof bilden die Katalysatoren für die erste Phase. So soll das Salzlager auf der Lände zu einem temporären Kino umgestaltet und das Taubenhaus zu einem Treffpunkt umfunktioniert werden. Die Hallen sollen weiter zur Zwischennutzung durch Produktion und Start-ups dienen. In der zweiten Phase hätten sich Schlachthof und Werkskanal zu lebendigeren und vielfältigeren Orten entwickelt, sodass Phase drei beginnen kann: Wachsen. Hier soll die Bebauung vervollständigt und durch innovativen Wohnungsbau ergänzt werden.

44 Wohnungen und zwei Tiefgaragen

Weiter sind jeweils 44 Wohneinheiten auf Seiten der Lände und der Aumühle einkalkuliert, zum Teil auch sozialer Wohnungsbau. Zudem soll südlich der Aumühle am Übergang zwischen Stadt und Park ein neues Wohnquartier entstehen, wodurch die denkmalgeschützten Villen ergänzt und neuinterpretiert werden. Um die Verkehrsflächen möglich gering zu halten, sind jeweils zwei Tiefgaragen auf der Lände sowie Aumühle mit einer gemeinsamen Zufahrt vorgesehen. Bei Bedarf könnte zudem eine weitere kleinere Garage nördlich der Aumühle durch einen Aufzug erschlossen werden. Weiter gibt es Stellplätze für Car-Sharing oder auch Fahrgemeinschaften sowie Abstellanlagen für Fahrräder.

Zwei neue Plätze zum verweilen

Der Verein Subkultur wird ergänzt durch Ansiedlungen von Kultur- und Kreativwirtschaft und nicht störendes Gewerbe. Dadurch entstünden auf der Lände zwei Plätze, der multifunktionale Festivalplatz im Westen und ein kleiner Aufenthaltsplatz im Osten, während im nördlichen Bereich der Lände ein mischgenutzes Wohngebiet mit einer Kita vorgesehen ist. Ebenso könnte auch auf Seiten der Aumühle vor der Stadtbibliothek ein neuer Platz entstehen – der Aumühlenplatz. 

Schutz vor Hochwasser

Um die Gefahr durch Hochwasser zu reduzieren, sollen auf dem gesamten Areal nur wenige Neubauten im Überschwemmungsbereich stehen, wobei es an einzelnen Stellen einen Zugang zum Wasser geben soll. Verbunden werden sollen die Gebiete Aumühle und Lände schließlich durch kleine Brücken für Fußgänger und Radfahrer.

Aufwertung des Leonhardsplatz

Mögliche Ideen lieferte das Architekturbüro auch in Bezug auf die Situation für Fußgänger und Radler am Leonhardsplatz. So könnte die St. Leonhardskirche, Amperbrücke und der grüne Bereich am Nordufersollen demnach eine Klammer um die Amper bilden. Der Zugang zum Aumühlenquartier erfolgt dann entweder über die verkehrsberuhigte Bullachstraße oder über den Fuß- und Radweg am südlichen Ufer. Der Verkehr in der Bullachstraße wird nördlich des Kirchengebäudes in einer Einbahnrichtung geführt und in der entgegengesetzten Richtung von der Bullachstraße in die Münchner Straße – ebenso als Einbahnstraße. 

Vorstellung beim Stadtrat

Der Gewinnerentwurf wird dem Stadtrat voraussichtlich im Oktober vorgelegt, sodass anschließend mit weiteren Planungen begonnen werden kann.

Felix Hamann

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