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Hakuna Matata oder wie man „sei Ruah hat“ - Der Auftritt von Simon Pearce bildet den Auftakt zum Olchinger Volksfest

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Von: Claudia Becker

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Simon Pearce trat am Kabarettabend - einen Abend vor der offiziellen Eröffnung des Volksfestes -im Festzelt in Olching auf.
Simon Pearce trat am Kabarettabend - einen Abend vor der offiziellen Eröffnung des Volksfestes - im Festzelt in Olching auf. © Claudia Becker

Olching — Es war nicht einfach nur ein Kabarettabend, nein. Nach einer zweijährigen coronabedingten Pause und dann auch noch zum 70-jährigen Jubiläum, war erstmalig am Donnerstag, 9. Juni, wieder ein Besuch im Olchinger Festzelt möglich. Wenn auch das Volksfest selbst erst einen Tag später startet, so hat der Kabarettabend eine feste Tradition in Olching. Heuer begeisterte der aus Puchheim stammende Comedian Simon Pearce das Publikum.

Schon als Kind eines nigerianischen Gastronoms und einer bayerischen Volksschauspielerin hatte es Pearce nicht immer leicht. Waren Anfeindungen aufgrund seiner Hautfarbe doch beinahe schon alltäglich geworden. Aber auch im Alter — und mittlerweile ist der Comedian 41 Jahre alt und ist selbst Vater eines Sohnes — wird er immer noch rassistisch angegangen. Diese Erfahrungen hat Pearce bereits in seinem ersten Solo-Programm „Allein unter Schwarzen“ verarbeitet. Wir berichteten über seinen Auftritt beim Stockwerk Sommer 2020 in Gröbenzell. Nun, mit „Pea(r)ce on Earth“ aus dem Jahr 2017, überzeugte er mit weiteren teils unglaublichen Geschichten aus seinem Leben.

Egal ob es die Polizei ist, die ihn gerne einmal kontrolliert und den Inhalt seiner Tasche überprüfen möchte, oder der Umstand, dass er im Zug bei der Kontrolle seiner Fahrkarte komisch von der Seite angeschaut wird — ganz nach dem Motto, wie er sich jetzt eine Bahncard 100 leisten könne. Sogenannter „Alltagsrassismus“ gehöre zu seinem Leben und deshalb hat er sich schon im Jahr 2014 dazu entschieden dies komödiantisch zu verarbeiten.

Und gelacht wurde ausgiebig an diesem Abend im Olchinger Festzelt. Da konnten auch die schweren Regengüsse, die zeitweise das Zelt erschütterten, den Comedian nicht aus dem Konzept bringen. Pearce fetzte den Abend über die Bühne rauf und runter. Ständig in Bewegung sein und das auch mit einer gewissen Geschwindigkeit, sei eine Macke, die auch seine Frau hin und wieder ertragen müsse, wenn er beim gemütlichen Schlendern durch den Englischen Garten doch 800 Meter vor ihr laufen würde. So schnell wie Pearce geht — es folgt ein irrwitziger Exkurs zum Olympischen Sport Gehen — so schnell spricht er auch. Da ist es auch kaum zu vermeiden, dass er hier und da über seine eigenen Worte stolpert, was selbst den erfahrenen Komiker zum Lachen bringt.

Aber nicht alle Geschichten sind zum Lachen. Pearce regt an diesem Abend auch zum Nachdenken an. Berichtet er doch von einem Hassbrief — oder wohl eher -fax, das er kurz vor einem Auftritt am Tegernsee vom „Nigger-nein-danke-Verein Miesbach“ erhalten habe und der ihn für eine lange Zeit beschäftigt hatte. Dabei waren die angedrohten Prügel beinahe noch das Harmloseste des Briefes. Viel Schlimmer, so schildert es Pearce, war die Angst, die er danach verspürte. Und das ausgerechnet vor und nach seinen Auftritten. Befürchtete er doch, dass man ihm genau da auflauern würde, um ihn anzugreifen. Irgendwann stellte er aber fest, dass es genug sei und er sich mit seiner Angst auseinandersetzen musste.

Immer wieder berichtet der Comedian von seinem Freund Stoffi. Ein Mensch, der einfach in jeder Lebenslage die Ruhe weg hat. Und genau das wünscht sich auch Pearce für seinen Alltag. In Afrika, so erklärt er, würde man von „Hakuna Matata“ sprechen, in Bayern sei dies „sei Ruah haben“. Und auf die Suche der Angstbewältigung beziehungsweise der inneren Ruhe begab sich Pearce ausgerechnet nach Thailand. Wichtig zu erwähnen sei dabei wohl, dass Pearce stark unter Flugangst leidet. Aber der Stoffi habe ihm ja geraten seine Angst mit einer noch größeren Angst zu bekämpfen. Gesagt, getan. Auch wenn ihn das aufgrund einer defekten Flugzeugtür beinahe sein Leben kostete.

So ganz konnte der Comedian die Ruhe also nicht wieder mit nach München nehmen. Aber das ist auch ganz gut so, umso lustiger sind die Geschichten, die er rund um seine „Aufreger“ in seinem Programm auf selbstironische Weise verarbeitet hat. Und wie das Publikum am Ende des Auftritts gelernt hat, kann auch ein vermeintlich schöner Biergartenbesuch ziemlich aufregend sein. Da sei den Olchingern nur noch eine spannende Volksfestzeit zu wünschen.

Auch einen Tag vor dem Volksfeststart steht schon alles bereit auf dem Olchinger Volksfestplatz.
Auch einen Tag vor dem Volksfeststart steht schon alles bereit auf dem Olchinger Volksfestplatz. © Claudia Becker

Das Jubiläumsvolksfest in Olching findet vom 10. bis 19 Juni statt und hat neben traditionellen Fahrgeschäften, kulinarischen Schmankerln, Kinderschminken oder Kasperltheater auch viele musikalische Höhepunkte zu bieten. Der offizielle Bieranstich wird am Samstag, 11. Juni, um 18 Uhr durch Olchings Bürgermeister Andreas Magg vollzogen.

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