Wir sind die Ölscheichs in Europa - Norwegerin in FFB

Eigentlich ist „Malen“ für sie nur ein Hobby und so sehr viel Zeit verbleibt ihr auch nicht dafür. Schließlich arbeitet die aus der Nähe von Oslo („Aus einem kleinen Dorf!“) gebürtige Norwegerin und ausgebildete Betriebswirtin Anne-Marie Ravnas in der Finance Abteilung bei National Semiconductor in Fürstenfeldbruck.

Aber, das Malen bedeutet ihr viel und besonders gern stellt sie in leuchtenden Acrylfarben Landschaften vor, größerformatig aus nordischen Ländern, aber auch im kleineren Format aus wärmeren Zonen wie aus der Toskana oder Venetien. Wir sprachen mit ihr über die alte Heimat, über Deutschland, über Unterschiede und Vorzüge, aber auch über ihre Bindungen wie die zu den Hobbykünstlern in der VG Mammendorf. Sie kam nach Deutschland, weil ihr damaliger norwegischer Arbeitgeber einen europäischen Hauptsitz in Ismaning gegründet hatte. Danach musste sie sich neu orientieren und wechselte in die Große Kreisstadt. Ein Ortswechsel, der ihr beruflich wie privat herausfordernde Perspektiven eröffnete. Frau Ravnas, wie und wann kamen Sie nach Deutschland? Anne-Marie Ravnas: Berufsbedingt 1991, mit meiner Tochter. Mein damaliger, norwegischer Arbeitgeber gründete einen europäischen Hauptsitz in Ismaning, der aber nur für zwei Jahre Bestand hatte. Ich musste mich beruflich neu orientieren und wurde im Landkreis Fürstenfeldbruck ansässig. Sie arbeiten jetzt in der Kreisstadt Anne-Marie Ravnas: Seit 1993 bei einem Vorzeigeunternehmen, der National Semiconductor, die an Mitarbeitern ungefähr 16 oder 17 Nationalitäten in ihren Reihen vereint. Die Umgangssprache ist Englisch. Und Sie wohnen inzwischen wieder auf dem Lande, Ihrer Herkunft entsprechend … Anne-Marie Ravnas: Oberschweinbach gefällt mir. Ich wohne hier in einem eigenen Haus seit gut drei Jahren. Ist das anders als zu Hause? Anne-Marie Ravnas: Ob sie in Deutschland zur Miete oder im Eigentum wohnen: Die Räume sind immer nackt, wenn sie einziehen. Noch nicht einmal eine Glühbirne hängt an der Decke. Undenkbar in Norwegen, wo jede Wohnung, jedes Haus seine eingebauten Küchen und Schränke hat. Wie sehen Sie die wirtschaftlichen Verhältnisse in Ihrer alten Heimat, mal abgesehen von den touristischen Vorzügen wie Fjorde, Fischfang, Schnee und Wanderparadiese? Anne-Marie Ravnas: Sie vergessen, dass wir die „Ölscheichs in Europa“ sind. Norwegen - und das sind knapp 4,5 Millionen Bewohner auf einem Staatsgebier viel größer als Deutschland, durch seine Inseln - Norwegen hat kein so großes Gefälle zwischen ganz oben und ganz unten wie in Deutschland. Unser Gehaltsniveau zu Hause ist ausgeglichener. Die Manager verdienen nicht so wahnsinnig viel und ein Normalbürger kommt mit seinem Einkommen gut über die Runden, obwohl die Preise in Norwegen höher sind als hier. Aber, dass so viele Menschen in Deutschland zu wenig zum Leben bekommen, finde ich beschämend. Ihr Heimatland hat eine interessante Geschichte. Anne-Marie Ravnas: Oh ja, wir waren gut 420 Jahre mit den Dänen zusammen, bevor wir 1814 durch Personalunion von den Schweden konfisziert wurden, das heißt wir gingen eine Zwangsehe ein. Unser eigenes, parlamentarisches Königreich haben wir erst seit 1905. War oder ist das Verhältnis zu den Schweden getrübt? Anne-Marie Ravnas: Es ist so ähnlich wie das der Deutschen zu den Österreichern … Wir haben es, geschichtlich gesehen, immer etwas besser mit den Dänen gekonnt. Das sind gemütliche, unkomplizierte, tolerante Leute. Und wenn man an deren Sandstrände steht, glaubt man, in Europas Süden zu sein. Was fällt Ihnen politisch im Unterschied zu Norwegen in Deutschland auf? Anne-Marie Ravnas: Offensichtlich ist es hier viel schwieriger, etwas politisch durchzusetzen, weil zu viele dagegen reden. Möglicherweise ist das aber ein Problem der Bevölkerungsgröße und der Bürokratie. Und dann vermisse ich hier das Wasser. Sie wohnen doch hier ganz nah an der Fünf-Seen-Landschaft! Anne-Marie Ravnas: Dann kommen Sie mal nach Norwegen, da wohnt fast jeder immer gleich am Wasser. Sprechen wir über Ihr Hobby, übers Malen. Anne-Marie Ravnas: Ich habe schon als Kind gern gezeichnet. Auch die Lehrerinnen, nicht immer zu deren Freude! Heute sind es Landschaften, aus meiner Heimat, aber auch von Lieblingsplätzen in der Toskana oder bei Venedig. Und meine Tochter Monica besorgt mir Fotos aus Schottland, denn sie ist mit einem Schotten verheiratet. Das Licht und das Wasser ist an diesen Plätzen anders als hier. Seit wann und wie und mit wem malen oder arbeiten Sie? Anne-Marie Ravnas: Mein erstes, richtiges Bild entstand 1986 und damit ging ich auch auf meine erste Einzelausstellung in Norwegen. Ich bevorzuge Acrylfarben, weil sie so schnell trocknen und man sie übermalen kann. Außerdem sind sie geruchs-neutraler. In Deutschland bin ich seit etwa 2 Jahren Mitglied bei den Hobbykünstlern in der VG Mammendorf. Gibt es noch mehr künstlerisch Begabte in Ihrer Familie? Anne-Marie Ravnas: Mein Bruder Godtfred - wir sind vier Geschwister - macht kostbare, handgearbeitete Messergriffe und Etuis dafür. Und beim Malen setze ich auf meine Enkelinnen, fünf und drei Jahre alt.

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