Politisches Frühschoppen mit den Bundestagsdirektkandidaten

Schlagabtausch im Bierzelt

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Sie stellten sich der Diskussion beim politischen Stammtisch im Puchheimer Festzelt (von links): Andreas Schwarzer (FDP), Moderator Bürgermeister Norbert Seidl, Kathrin Staffler (CSU), Michael Schrodi (SPD)

Puchheim – „Wos sogst du dazua?“ So lautet das alljährliche Motto, mit dem die Stadt Puchheim am letzten Sonntag ihres Volksfestes zu einem politischen Stammtisch die Bevölkerung einlädt. Heuer fand die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der SZ am 9. April statt. Auf dem Podium nahmen die Kandidaten des Bundestags-Wahlkreises Fürstenfeldbruck Platz und stellten sich der Diskussion: Kathrin Staffler (CSU), Michael Schrodi (SPD), Andreas Schwarzer (FDP). Beate Walter- Rosenheimer (Bündnis 90/ Die Grünen) musste wegen Erkrankung kurzfristig absagen. Für sie sprang Grünen-Stadtrat Martin Sengl spontan ein.

Während Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) mitten unter den Kandidaten Platz nahm, mischte sich der Redaktionsleiter der SZ, Christian Hufnagel, bewaffnet mit einem Mikrofon, unter das Publikum. Vorstellen hätten sich die um ein Direktmandat bewerbenden Politiker allerdings nicht mehr, denn die knapp 100 Besucher des politischen Frühschoppens rekrutierten sich nahezu ausschließlich aus Mitgliedern aus den politischen Lagern. Ihnen dürfte die Vita der Kandidaten hinreichend bekannt sein. Vielleicht war es dem ein oder anderen doch entgangen, dass sich Staffler noch als Mair um die Nachfolge im Wahlkreis von Hasselfeldt beworben hat. Spätestens aber jetzt weiß er es. „Warum haben Sie ihren Namen nicht beibehalten. Wäre doch für uns alle leichter gewesen?“ fragte Seidl. Man sollte nicht alles der Politik unterordnen, meinte Staffler, die nach ihrer Nominierung in Dachau den zweiten Bürgermeister und Kreisrat Emanuel Staffler heiratete.

Der Schlagabtausch, den sich die drei Kandidaten von Schwarz, Rot und Gelb sowie dem Grünen-Vertreter sechs Monate vor den Bundestagswahlen ablieferten, verlief dann doch in sehr entspannter und gelockerter Atmosphäre, ganz nach dem Motto, wie es Staffler später auf Facebook postete, ein politischer Stammtisch sei immer eine gute Gelegenheit, die eigenen Positionen klar zu machen. „Ich habe mich zu Fragen der sozialen Gerechtigkeit, des Wohnungsbaus, der Rente oder einem Ende des Privatisierungswahns klar positioniert“, postete Schrodi. 

FDP vor dem Comeback?

Die FDP stehe vor einem Come-back, glaubt der sich bereits zum zweiten Mal um einen Sitz im Bundestag bewerbende Schwarzer. Er hält den Einzug der FDP in den Bundestag diesmal für sicher, die bei den letzten Bundestagswahlen an der Fünf-Prozent-Klausel bekanntlich gescheitert war. „Die FDP ist sogar erfolgreich“, bestätigte Seidl die Aussage. „Wir haben sogar mit Peter Münster in Eichenau einen Bürgermeister der FDP, den einzigen in ganz Oberbayern.“ Auch Münster glaubt an den Wiedereinzug der Liberalen in den Bundestag. Man werde gemeinsam dafür kämpfen. Gelächter im Zelt, als Seidl die CSU-Kandidaten fragte, ob sie glaube, dass die CSU denn im Bundestag notwendig sei. „Ich glaube schon, dass es wichtig ist, dass Bayern eine starke Stimme in Berlin hat“, antwortete Staffler. Grundsätzlich ziehen CDU und CSU an einem Strang, erwiderte Staffler, nachdem Seidl dagegen hielt, dass der Wertekompass der CDU und der CSU zwischen Norden und Süden hin und her gehe. „Dann gewöhn dich dran“, erwiderte Schrodi seinem Parteikollegen Seidl, als dieser ihn mit dem Höhenflug der SPD konfrontierte und meinte, das sei zwar nicht schlecht, aber doch ungewohnt. 

Brucks Bürgermeister Erich Raff: Schulz-Effekt ein mediales Phänomen

Ist dafür tatsächlich Martin Schulz verantwortlich? „Partei, Person und Inhalt müssen stimmig sein“, erwiderte Schrodi Und vor allem die Glaubwürdigkeit spiele dabei eine große Rolle. Mit Schulz habe man wieder viel Vertrauen zurück gewonnen. Brucks OB-Kandidat Erich Raff, der unter den Zuhörern saß, glaubt dagegen, dass der Schulz-Effekt weniger real, als mehr ein mediales Phänomen ist. „Wie verbraucht ist denn Frau Merkel?“ stellte Seidl die provokante Frage an Staffler, die allerdings die Bundeskanzlerin verteidigte. Und nicht jede Partei habe einen Schulz, kam es von einer ehemaligen Gemeinderätin vom Tisch der Grünen. „Der ist jetzt der Star“, meinte sie, Worauf Seidl rief: „Aber ihr habt doch einen Hofreiter.“ Doch nicht nur die Köpfe seien wichtig, sondern die Themen, lenkte Seidl zu den Sachthemen über. Heiß diskutiert wurde vor allem über die Maut. „Ein Entbürokratisierer wie Stoiber hätte sie in der Luft zerrissen“, sagte Sengl dazu. Die SPD war dagegen, warf Schwarzer ein, habe aber letztlich im Bundestag der Einführung zugestimmt. 

Dieter Metzler

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