Soko Tierschutz deckt auf

Brucker Schlachthof muss schließen

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Der Brucker Schlachthof belieferte Bio-Marken wie „Alnatura“ und „Bioland“ - umso schockierender und überraschender waren die Vorwürfe.

Fürstenfeldbruck – Mit Elektro-Schockern und Elektrozangen sollen Mitarbeiter des Brucker Schlachthofes Schweine und Rinder traktiert haben. Schweine sollen zudem getreten und geschlagen und bei einem Rind der Schwanz umgeknickt worden sein. Diese und weitere Vorwürfe macht der Augsburger Verein SOKO Tierschutz dem Brucker Unternehmen - wohl zu recht.

Der Verein berief sich dabei auf Videoaufnahmen. Zunächst war die Echtheit der Aufnahmen nicht offiziell bestätigt, doch nun scheint die Sache sicher und es wurden Konsequenzen gezogen.

Geheime Aufnahmen kommen an die Öffentlichkeit

Der Verein SOKO Tierschutz hat die Videoaufnahmen von einem Informanten bekommen. Ausschnitte davon mit verpixelten Mitarbeitern veröffentlichte der Verein am Mittwoch, 3. Mai. „Natürlich haben wir selbst vor Ort geprüft, ob es sich baulich um den Brucker Schlachthof handeln kann“, versicherte Maria Martens, Sprecherin des Vereins. Außerdem seien ganz klar Mitarbeiter identifizierbar gewesen. „Die Benutzung einer Elektronzange verstößt gegen das Tierschutzgesetz, auch der Einsatz eines Elektroschockers bei Schlachtungen für Bio-Fleisch ist verboten“, sagt Martens. Außerdem seien Schweine nicht richtig betäubt gewesen. Die Aufnahmen seien zwischen Juli 2016 und April 2017 entstanden, enthalten also auch aktuelle Vorkommnisse.

Das Ende des Brucker Schlachthofes

Das Landratsamt sichtete am Montag das unverpixelte Filmmaterial, wodurch sich der Verdacht bestätigte und Konsequenzen gezogen wurden. Laut Tageszeitung ist es „das Ende für den Brucker Schlachthof in seiner bisherigen Form. Alle Mitarbeiter werden freigestellt. Das bedeutet auch das Aus für den bisherigen Geschäftsleiter und den Betriebsleiter. Betroffen sind um die 15 Mitarbeiter.“ Betroffen davon sei auch der Landkreis als stiller Teilhaber mit einer Einlage im Wert von 150 000 Euro. 

Der Betriebsleiter Max Keil sowie das Landratsamt war bis zu Redaktionsschluss zu keiner Stellungnahme zu erreichen. 

"Geschockt und gelähmt"

Am Freitagnachmittag meldete der Schlachthof noch: „Nach eingehender Prüfung gehen wir davon aus, dass die Filmaufnahmen der SOKO-Tierschutz in unserem Betrieb angefertigt wurden.“ Er weißt ebenfalls darauf hin, dass die Aufnahmen wohl illegal erstellt wurden. Weiter heißt es: „Wir bedauern die Verfehlung einzelner Mitarbeiter außerordentlich. Diese sind in keinster Weise zu rechtfertigen.“ „Wir sind geschockt und gelähmt“, sagte Keil. Der Schlachthof hat als Sofortmaßnahmen am Freitag einen Mitarbeiter freigestellt und den Betrieb eingestellt. 

Landratsamt kontrolliert nur Kontrolleure

Die Sprecherin des Landratsamtes erklärt auf Nachfrage des Kreisbote: „Das Landratsamt ist nur für die Kontrolle der Kontrolleure zuständig.“ Die Kontrolleure kämen von einer externen Firma, von der auch der Tierarzt, der bisher alles überwacht hat, gestellt wird.

Miriam Kohr

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