Sonderausstellung bis 7. 11. im Jexhof - Nationalsozialismus im Brucker Land - Jüdischer Zeitzeuge Peter Gardosch zu Gast

Dichtgedrängt saßen und standen in und vor dem Tor der ‚Tenne’ im Stadel sehr viele Jexhof-Freunde zur Eröffnung der Sonder-Ausstellung „… zu was Menschen fähig sind … Nationalismus im Brucker Land“. Ein Opfer des NS-Regimes stellte sich bei der Ausstellungseröffnung persönlich vor: Peter Gardosch, 80 Jahre alt, jüdisches Opfer des NS-Regimes, nach einer Lebensodyssee jetzt ansässig in einem brandenburgischen Dorf.

Die stv. Landrätin Gisela Schneid beurteilte in ihrer Begrüßung diesen Museumsbeitrag im Jexhof als „wichtigen Rückblick“, gerade auch vor dem Hintergrund der Bedeutungszumessung für die Bauernschaft in der Nazi-Ideologie als „Reichsnährstand“. Schneid dankte den Initiatoren und dazu dem Leihgeber Hermann Geiger, dem Maler, Zeichner und Karikaturisten Guido Zingerl, den Autoren zum Ausstellungsbegleitheft sowie dem Bezirk Oberbayern und dem Kulturfonds Bayern für die finanzielle Unterstützung. Museumsleiter Dr. Jakob sagte, ein Museum sei für die Darstellung des gesamten Bevölkerungsspektrums zuständig: Dies insbesondere in Anbetracht der gewaltigen sozialen und wirtschaftlichen Umbrüche nach 1919. Die SA mit ihren Untergruppierungen hätte erst nach 1933 im Landkreis an Bedeutung und verstärktem Zulauf gewonnen. Die katholische Grundhaltung der Bevölkerung wäre hier in den Anfängen eher eine Bremse für die NS-Ideologen gewesen. Auch die Wahlerfolge für die NSDAP hätten erst mit der Verschärfung der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre eingesetzt. Dr. Jakob dankte den Mitarbeiterinnen Petra Schreiner M.A. und Christine Ickerott-Bilgic MA für ihre engagierte Erarbeitung der Ausstellungskonzeption, Ruth Strähhuber für den Aufbau (mit Heinrich Widmann und Dietmar Braun) und ihre Gestaltung von Plakat und Folder. Der Musiker und Sänger Herbert Scheingraber begleitete die Ausstellungseröffnung mit Songs aus der ‚Dreigroschenoper’ von Weill/Brecht. Ein Opfer des NS-Regimes stellte sich bei der Ausstellungseröffnung persönlich vor: Peter Gardosch, 80 Jahre alt, nach einer Lebensodyssee jetzt ansässig in einem brandenburgischen Dorf. Aufgewachsen im rumänischen Siebenbürgen wurde er 13jährig als Mitglied der jüdischen Religionsgemeinschaft 1943 nach Auschwitz deportiert und im Juni 1944 mit seinem Vater im Viehwaggon zum Außenlager Kaufering III des KZ Dachau weitertransportiert. Arbeitseinsatz unter schlimmsten Bedingungen für das ‚Ringeltauben-Projekt’ (Düsenflugzeug Me 262). Beim Todesmarsch im April 1945 in Richtung Allach getrieben, kann er mit drei Mitgefangenen und seinem Vater beim Ort Puch fliehen, als ein LKW in die Häftlingskolonne hineinfährt. Auch zwei SS-Wachen laufen mit. Vom Ortsgeistlichen werden sie an Pater Emanuel Haiß im von Kloster Ettal ökonomisch verwalteten Klosterareal Fürstenfeld verwiesen. Der nimmt sie auf, weil er als Funkamateur das Ende des NS-Regimes absieht. Nach Kriegsende kehren die beiden Gardosch nach Siebenbürgen zurück. Peter Gardosch wandert 1963 nach Israel aus, kommt aber nach Deutschland zurück und baut sich in der Lüneburger Heide eine Existenz als Unternehmensberater auf. Bis 1977 hält er mit Pater Emanuel schriftlichen Kontakt und nimmt in den 90er Jahren Kontakt mit dem Israel-Kenner Friedrich Schreiber in Gräfelfing auf. Er tritt dem von Schreiber gegründeten Verein „Zur Erinnerung und Mahnung an die Opfer des KZ Kaufering“ bei.

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