Gütesiegel »Meinfairmieter« soll Orientierung erleichtern

Sozial-Kompass für Wohnungsmarkt im Landkreis Fürstenfeldbruck

Hinweiszettel zur Wohnungssuche an einer Säule.
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Ein inzwischen typisches Bild bei der Wohnungssuche.

Landkreis Fürstenfeldbruck – Der Landkreis Fürstenfeldbruck auf dem „Wohn-Prüfstand“ für Haushalte mit niedrigen Einkommen: Die vom Job-Center übernommenen Mieten für Single-Haushalte stiegen innerhalb von gut sechs Jahren um 38,1 Prozent, während die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum um 6,5 Prozent zulegten.

„Bei den Mieten wird oft rausgeholt, was rauszuholen ist. Dabei bauen Vermieter auf die Job-Center als ‚zuverlässige Zahlstelle‘. Diese übernehmen zwar nur die Kosten für Wohnungen ‚einfachen Standards‘. Auf genau diese Wohnungen sind aber nicht nur Hartz-IV-Empfänger angewiesen, sondern auch viele andere Haushalte mit niedrigen Einkommen“, sagt der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther. „Das Angebot an günstigen Wohnungen ist rar. Gerade Neuvermietungen nutzten viele Vermieter, um Maximalmieten zu erzielen.“ Um eine bessere Orientierung bei Wohnungsangeboten zu bekommen, gibt es jetzt ein Mieter-Gütesiegel: „Meinfairmieter“ prüft als Wohnungsmarkt-Label insbesondere die soziale Verantwortung von Vermietern.

Das Siegel sei ein „Sozial-Kompass für den Wohnungsmarkt“ und für weite Teile der Bevölkerung relevant: Fast ein Viertel der Beschäftigten arbeitet nach Angaben des Pestel-Instituts bundesweit im Niedriglohnsektor. „Der Staat agiert inzwischen mangels eigener Wohnungen als Mietentreiber, weil er Mieten akzeptieren muss, bei denen viele Vermieter offensichtlich die Schmerzgrenze ausreizen“, so Matthias Günther.

Aber auch unter den Vermietern macht sich zunehmend Unmut breit. Vor allem die vielen noch vorhandenen Wohnungsgesellschaften in öffentlichem Eigentum und die Genossenschaften fühlen sich zu Unrecht als „gierige Vermieter“.

Auch Wohnungsunternehmen müssen Gewinne erzielen, um langfristig zu bestehen

„Wie alle anderen Unternehmen müssen auch Wohnungsunternehmen Gewinne erzielen, um langfristig bestehen zu können. Die Umsetzung jedes Mieterhöhungsspielraums ist dabei aber nicht nötig. Gerade beim Grundbedürfnis Wohnen kann der Grundsatz, dass der Gebrauch von Eigentum zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll, nicht stark genug betont werden“, so Günther.

Auch hinter der Wohnungsmarkt-Analyse für den Landkreis Fürstenfeldbruck steht das Gütesiegel „Meinfairmieter“, das vom Pestel-Institut mit initiiert wurde. Faire Vermieter müssen für die Wohnungssuchenden erkennbar sein. In der Schaffung von Markttransparenz wird ein Schwerpunkt der Arbeit des Gütesiegels gesehen. „Aber natürlich werden wir auch wohnungspolitische Forderungen wie etwa die dringend notwendige Stärkung des Sozialwohnungsbestandes und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau insgesamt im Fokus haben“, betonen die Gründer des Gütesiegels. Denn letztlich hat eine unzureichende Wohnungspolitik dazu geführt, dass Ende 2019 im Landkreis Fürstenfeldbruck rund 4.400 Wohnungen fehlten.

red

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