Späte Erinnerung an Holocaust-Opfer aus Gröbenzell – Stolperstein für Kurt Schroeter

Persönliches Gedenken in Schlichtheit, der Stolperstein. Alle Fotos: Hans Kürzl

„Wir wollen hier ein Gedenken etablieren, ein Gedenken an Kurt Schroeter.“ Für Gröbenzells Bürgermeister Dieter Rubenbauer ist der Stolperstein, den der Kölner Künstler Gunter Demnig setzte, ein weiteres Zeichen von Respekt gegenüber den Opfern der nationalsozialistischen Herrschaft von 1933 bis 1945. Es sei nicht einfach gewesen, zu dem Thema zu stehen. Dennoch sei der Beschluss im Gemeinderat einstimmig gefallen. Rubenbauer spielte damit, ohne Namen zu nennen, auf eine Aussage von Charlotte Knobloch an, der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Diese hatte es einmal als „unerträglich“ bezeichnet, „die Namen ermordeter Juden auf Tafeln zu lesen, die in den Boden eingelassen sind und auf denen mit Füßen herumgetreten wird“. Knapp 34.000 Stolpersteine hat Demnig nach eigenen Angaben europaweit bereits gesetzt. Gröbenzell ist eine von knapp 730 Kommunen in Deutschland, in denen so ein Stein vorhanden ist. Die Landeshauptstadt München gehört nicht dazu.

Zu den Besonderheiten der Stolpersteine gehört, dass sie Gunter Demnig nicht nur persönlich einem Menschen widmet. Er setzt sie, sofern von Kommune beziehungsweise Grundstückseigentümern zugelassen, vor dem letzten frei gewählten Wohnsitzes des Opfers. Im Falle Gröbenzells ist dies der 1882 in Berlin geborene Kurt Schroeter, der im Juli 1923 in den Ort kam. In Gröbenzell lebte er bis 1937, ehe Schroeter nach Amsterdam emigrierte. Im Herbst 1942 begann er in Tagebuch zu führen, um seiner Familie die Erinnerung an ihn zu bewahren. Über das Amsterdamer Ghetto, das Konzentrationslager Herzogenbusch nahe der Stadt Vught führte Schröter der Weg nach Auschwitz. Dort starb er am 2. Januar 1944. Demnig wies aber in seiner kurzen Ansprache vor dem Gröbenzeller Grundstück an der Bahnhofstraße 2, dort ist der Stolperstein in den Bürgersteig eingebracht, darauf hin, dass nicht nur Juden zu den Opfern des Nationalsozialismus gehört hätten. Kritik an „seinen“ Stolpersteinen gehöre dazu. Dennoch gehe es ihm nicht um das tatsächliche Stolpern. Demnig zitierte einen Jugendlichen, der einmal gesagt hatte, man stolpere auch mit dem Herzen. In dem Sinn äußerte sich ebenfalls Gröbenzells Bürgermeister Dieter Rubenbauer: „Wer stolpert, verbeugt sich und bezeugt persönlich Respekt.“ Genau dies will Demnig mit seinem Projekt, das zum größten dezentralen Mahnmal geworden ist, erreichen. Er wolle die Opfer aus der Anonymität herausholen, ihnen gewissermaßen wieder ihren Namen zurückgeben. Der um 1995 in der Antoniter-Gemeinde in Köln tätige Pfarrer ermunterte Demnig dazu, dies wenigstens bei einigen Menschen zu tun. Trotz allen ernsten Hintergrundes fühle er sich glücklich, wenn ihm dies gelingt, so Demnig. Besonders bewegend sind für ihn immer wieder die Momente, wenn Angehörige bei der Setzung eines Stolpersteins dabei seien. Manchmal gebe es bei solchen Gelegenheiten sogar richtige Familientreffen. Besonders froh ist Demnig jedoch darüber, dass Jugendliche an der Gesamtthematik sehr interessiert seien. Dies deckt sich mit der Einstellung von Gröbenzells Bürgermeister Dieter Rubenbauer: „Es gibt Hoffnung, dass Menschen immer wieder Mut haben, auf die Folgen der nationalsozialistischen Herrschaft hinweisen.“ Dies taten mit ihrer Anwesenheit in Gröbenzell unter anderem die Gemeinderäte Franz Eichiner. Peter Falk und Michael Schrodi sowie die Landtagsabgeordnete Katrin Sonnenholzner. Der Stein wurde am 22. März in der Gröbenzeller Bahnhofstraße nahe des S-Bahnhofes gesetzt. Am Abend zuvor hatte es zu der Thematik eine Lesung in der Gemeindebücherei gegeben.

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