"Möglich ist alles"

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Oberstarzt a. D. Dr. Reinhard Erös, der 2002 die „Kinderhilfe Afghanistan“ gründete, hielt beim Festakt zum 25-jährigen Jubiläum der Reservistenkameradschaft Amper-Würm einen spannenden Vortrag zum Afghanistan-Krieg.

Fürstenfeldbruck – Die Reservistenkameradschaft Amper-Würm feiert heuer ihr 25-jähriges Bestehen. Zum Festakt hielt Oberstarzt a. D. Dr. Reinhard Erös den Festvortrag mit dem Thema „Afghanistan nach Abzug der Nato – Beginn oder Ende eines Albtraums?“

Bevor der ehemalige Bundeswehr-Arzt Dr. Reinhard Erös, der sich mit seiner Frau Annette seit über 25 Jahren in dem von Kriegen gebeutelten Land am Hindukusch engagiert, seinen Vortrag hielt, sprachen die beiden Schirmherren der Jubiläumsveranstaltung, Fürsten-feldbrucks Landrat Thomas Karmasin und der stellvertretende Dachauer Landrat Michael Kreitmeir ein Grußwort. Auch wenn die Bundeswehr starke Veränderungen erlebt, die Wichtigkeit der Reservistenarbeit habe sich nicht verändert, stellte Karmasin die Kameradschaften als tragende Säulen der Streitkräfte heraus und lobte ihr Engagement bei Naturkatastrophen. Im Zusammenwirken mit den zivilen Katstrophenschutzbehörden leisten die Reservisten einen erheblichen Beitrag zur Auftragserfüllung der Bundeswehr. 

Weitere Grußworte sprachen die Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner (SPD), der stellvertretende Landesvorsitzende, Oberstleutnant der Reserve Prof. Dr. Eberhard Grein, sowie der Bezirksvorsitzende Oberbayerns, Oberstleutnant der Reserve Christian Kirchdorfer und Peter Heuer von der Kreisgruppe des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge.

Der Vorsitzende der Reservisten-Kreisgruppe Amper-Würm, Flottenarzt der Reserve Dr. Jörg Buskühl, informierte über die strukturellen Veränderungen des Verbandes. So wurde die Kreisgruppe Amper-Würm 1988 durch eine Umstrukturierung des Reservistenverbandes in der Bezirksgruppe Oberbayern neu gegründet. Derzeit umfasst sie 811 Mitglieder in elf Reservistenkameradschaften, die in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau beheimatet sind. Einige der Kameradschaften sind fast schon so alt wie der Verband der Reservisten der Bundeswehr und existieren schon seit über 50 Jahren.

Viel Beifall erhielt Festredner Dr. Reinhard Erös bei seinem Festvortrag über Afghanistan. Schon während der sowjetischen Besatzung ließ er sich 1986 für vier Jahre von der Bundeswehr unbezahlt beurlauben und versorgte in den paschtunischen Bergdörfern die Zivilbevölkerung. 2002 gründete Dr. Erös die „Kinderhilfe Afghanistan“, die er zusammen mit seiner Frau betreibt und in ehemaligen Talibanhochburgen Schulen für Mädchen, Waisenhäuser und Krankensta-tionen baut.

Derzeit entsteht seine erste Universität für Frauen. Der Afghanistan-Krieg ist einer der teuersten Kriege der Neuzeit. Der militärische Einsatz kostet den deutschen Steuerzahler bis heute bereits 22 Milliarden Euro. Mit mehr als 600 Milliarden Euro insgesamt war der Nato-Einsatz am Hindukusch einer der teuersten Kriege der Neuzeit. Nur sechs Prozent dieses Betrages – weniger als 35 Milliarden Euro – hat der Westen in den Wiederaufbau investiert.

Ein Großteil davon verschwand auch noch in Korruption und Misswirtschaft. Die humanitäre Lage der Bevölkerung hat sich nicht großartig verbessert. Afghanistan ist weiterhin das schlimmste Land für Kinder. Prognosen zur Zukunft Afghanistans sind schwierig. „Möglich ist alles“, so Dr. Erös. „Vom Bürgerkrieg oder kriminellen Narco-Staat, der sich über Drogenhandel und Korruption finanziert, bis zu einem halbwegs stabilen, stark islamisch geprägten, föderalen Staatsgebilde auf dem Niveau eines Dritte-Welt-Landes.

Dieter Metzler

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