Sprachdefizite bei Kindern – Denn Sprache ist mehr: Zu Besuch bei einer Sprachheilpädagogin und Sprachtherapeutin

Die akadem. Sprachtherapeutin Dr. Elisabeth Wildegger-Lack mit ihrem 2011 erschienenen Fachbuch „Therapie von kindlichen Sprachentwicklungs-Störungen, 3-10 Jahre“. Foto: Günter Schäftlein

Ähnlich wie beim Computer muß der Mensch über genügend Speicherkapazität verfügen: Über Wörter, über Sprache. Und dazu über einen guten Prozessor zur schnellen Wort-Datenverarbeitung im Kopf. Aber das mit den sprachlichen Voraussetzungen für eine gesprochene oder geschriebene verständliche Kommunikation ist manchmal nicht so einfach.

Störungen der Laut- und Schriftsprache, des Sprechens, der Stimme und des Schluckens können - so die Brucker akadem. Sprachtherapeutin Dr. Elisabeth Windegger-Lack - vielfältige Ursachen haben und sich in jedem Lebensalter zeigen. Am auffälligsten natürlich bei Kleinkindern: Bei Lauten sagen Kinder „Sule statt Schule“. Und in der Grammatik „Ich Hunger hab’.“ Auffällig auch ein geringer Wortschatz, mit wenig Inhalt und der Schwierigkeit, sich Begriffe zu merken. Dr. Windegger-Lack praktizierte nach ihren Studienfach an der LMU München seit 1988 in Weilheim und lebt/arbeitet seit 1995 in Fürstenfeldbruck. Mit einer ungebrochenen Begeisterungsfähigkeit und Erfolg: Den Anteil der durchschnittlichen Aussichten für eine deutliche sprachliche Verbesserung bei einer normalen motorischen und sonstigen Entwicklung sieht sie mit 60 bis 70 Prozent. „Natürlich in einem größeren Zeitraum, mit Motivation und der erforderlichen Mitarbeit von Kindern und Eltern.“ Die Therapeutin - „Wir sind schließlich im Gesundheitswesen tätig!" - hält familiäre Schuldzuweisungen bei einer verzögerten sprachlichen Entwicklung für entbehrlich, denn „weder Kinder noch Eltern sind an sprachlichen Defiziten schuld. Es gibt entwicklungsbedingte und erworbene Störungen.“ Allerdings müssen im Ablauf und in der Beobachtung von sprachlichen Entwicklungsbeeinträchtigungen Maßnahmen eingeleitet werden: Im ersten Schritt mit dem Kinderarzt sprechen (Vorsorge-Untersuchung), dann einen HNO-Arzt aufsuchen und schließlich der Weg zum Sprachtherapeuten. Normal beherrscht ein Kleinkind im Alter von 12 Monaten 1 bis 10 Wörter, mit 18 Monaten aber schon bis zu 50. Ab etwa 3 Jahren lernt es täglich 10 bis 13 Wörter dazu. „Etwa mit 3 ½ Jahren muß die Grammatik sitzen!“ Ein Vorschulkind von 6 Jahren sollte - nach dem Untersuchungsstand aus wissenschaftlichen Studien von 1996, 1999 und 2006 - bereits über einen anwendungsmöglichen Wortschatz zwischen 3000 und 5000 Wörtern verfügen können. Was sich bei Jugendlichen ab 16 Jahre auf fast unglaubliche 15.000 aktive Wörter steigern ließe. Ausgebildete Sprachtherapeuten mit Hochschulabschluß sind in der Regel im Deutschen Bundesverband der akademischen Sprachtherapeuten organisiert. Diese Ausbildung kann auf eine über 100jährige Tradition zurückblicken. Ergänzend sind in Deutschland seit rund 30 Jahren staatlich anerkannte, jedoch nichtakademische Logopäden tätig, mit einer Ausbildung in Logopädie- und Fachhochschulen. Einig dürften sich beide Ausbildungsrichtungen darin sein, dass „die menschliche Kommunikationsfähigkeit das komplexeste biologische System ist, dass die Natur hervorgebracht hat: Es ist die einzigartige Möglichkeit des Menschen, gedankliche Inhalte in Laut und Schrift umzuwandeln und mit anderen auszutauschen. Behinderungen und Funktionsstörungen in diesem Bereich beschreibt die Welt-Gesundheitsorganisation (WHO) als Organschädigungen, da sie die Teilhabe am sozialen Leben einschränken. Der Deutsche Bundesverband der akademischen Sprachtherapeuten (dbs) hat sich für seine Bemühungen eine griffige Formel zugelegt: „denn Sprache ist mehr …“

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