1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Fürstenfeldbruck

Staatsakt zum 50. Gedenken an die Opfer des Olympia-Attentats im Brucker Fliegerhorst

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Dieter Metzler

Kommentare

Gedenkfeier vor de Alten Tower mit Zelt am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck zum Olympia-Attentat
Wie vor zehn Jahren wurde die Gedenkfeier vor dem Alten Tower abgehalten, diesmal jedoch in einem großen Zelt. © Dieter Metzler

Fürstenfeldbruck – „Ich bitte Sie als Staatsoberhaupt dieses Landes und im Namen der Bundesrepublik Deutschland um Vergebung, um Vergebung für den mangelnden Schutz der israelischen Athleten damals bei den Olympischen Spielen in München und für die mangelnde Aufklärung danach; dafür, dass geschehen konnte, was geschehen ist“, sagte Frank-Walter Steinmeier beim Staatsakt im Brucker Fliegerhorst zu den Angehörigen und Hinterbliebenen der Opfer des Olympia-Attentats am 5. September.

Zwölf Namen trug Steinmeier zu Beginn seiner Rede vor, die Namen der zwölf Getöteten von damals – die israelischen Sportler und der deutsche Polizist. Die Lehre von damals sei, so der Bundespräsident, man müsse jede Form von Antisemitismus bekämpfen und als Demokratie wehrhaft sein.

Er begrüßte, dass eine Historiker-Kommission eingesetzt werden soll, die „endlich das aufarbeitet, was längst überfällig sei.“ Zuvor hatte sich bereits Bayerns Ministerpräsident Markus Söder für die Fehler, die damals von deutscher Seite aus gemacht wurden, entschuldigt und stellte klar, so etwas dürfe nie wieder passieren.

„Historische Rede“

Israels Staatspräsident Izchak Herzog dankte Steinmeier für den Mut zu dieser „historischen Rede“ am 50. Gedenktag. Er begrüßte die Einigung der Bundesregierung mit den Hinterbliebenen des Olympia-Attentats. Wörtlich würdigte er den wichtigen, gerechten und moralischen Schritt. Nach jahrzehntelangem Kampf um eine angemessene finanzielle Anerkennung ihres Leids und um eine offizielle Entschuldigung war erst vor kurzem eine Aufarbeitung der historischen Ereignisse angekündigt worden.

„Schwärzester Tag in der olympischen Geschichte“

Auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser entschuldigt sich für das „Versagen der Bundesrepublik“ und beendet ihre Ansprache mit den Worten „unsere deutsche Verantwortung endet nie.“ Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, bezeichnete den 5. September 1972 als den schwärzesten Tag in der olympischen Geschichte. „Das Attentat war auch ein Anschlag auf die Olympischen Spiele und Werte.“

„Ich wünsche mir einen Gedenkort in Fursty, für den sich Landrat Karmasin seit Jahren einsetzt.“

Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch

Deutliche Worte findet der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Der Antisemitismus gehöre längst nicht der Vergangenheit an. So verwies er auf Vorfälle bei der Documenta in Kassel. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, meinte der Schmerz der Hinterbliebenen sei nicht weniger geworden, wobei nicht zuletzt die mangelhafte Aufarbeitung und den Umgang mit den Hinterbliebenen dazu beigetragen habe. „Ich wünsche mir einen Gedenkort in Fursty, für den sich Landrat Karmasin seit Jahren einsetzt“, sagte sie und den jungen Menschen wünscht sie noch einmal Olympia in München. „Die heutige Generation soll noch einmal die Chance haben, Olympia zu spüren. Ich wünsche mir das am liebsten in München. Die jungen Menschen verdienen es, diese Freude zu spüren, Hoffnung und das Glück.“

„Sie ermordeten unsere Hoffnungen, unsere Träume, aber nicht meine Liebe zu dir. „

Witwe des ermordeten Fechttrainers Andrei Spitzer, Ankie Spitzer

„Sie haben dem Ausdruck und Bedeutung verliehen, was uns hier vor Ort seit vielen Jahrzehnten wichtig ist“, sagte Landrat Thomas Karmasin. „Erinnerung an die Opfer, das Mitgefühl an die Angehörigen.“ Er freue sich, dass die Angehörigen der Hinterbliebenen da sind und dass die Veranstaltung nicht von Gefühlen der Enttäuschung überschattet werde. Die Sprecherin der Hinterbliebenen, die Witwe des ermordeten Fechttrainers Andrei Spitzer, Ankie Spitzer, richtete ihre Rede an ihren getöteten Mann. „Sie ermordeten unsere Hoffnungen, unsere Träume, aber nicht meine Liebe zu dir. Du kannst jetzt in Frieden ruhen und das kann ich jetzt auch.“

Alle der knapp 800 Gäste im Zelt erhoben sich und applaudieren der Witwe. Zum Abschluss wurden nochmals die Namen der zwölf Opfer verlesen und ihre Fotos gezeigt. Nach einer Schweigeminute, einem jüdischen Gebet und den Hymnen Bayerns, Israels und Deutschlands endet der Festakt.
Dieter Metzler

Auch interessant

Kommentare