Zukunftsmusik

Revolution statt Schockstarre: die Stadtkapelle spielt auf neuen Wegen

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Vorstand Benedikt Trouw und Dirigent Paul Roh stellten die Idee der Stadtkapellen-Ensembles vor.

Fürstenfeldbruck – „Wir waren wie in Schockstarre, als der Corona-Lockdown kam“, erinnert sich Paul Roh, der Dirigent der Stadtkapelle Fürstenfeldbruck, zurück. „Nicht mehr treffen? Nicht mehr proben? Nicht mehr auftreten? – Wie soll das gehen?“

Aber Not macht bekanntlich erfinderisch und so verharrte der Vollblutmusiker nicht in der Schockstarre, sondern begann Schritt für Schritt – und mit jeder neuen Gesetzesänderung ein paar Zentimeter mehr – neue Ideen zu konzipieren und umzusetzen. Entstanden ist ein revolutionäres Konzept, das es den Musikern erlaubt weiterzuspielen, den Gastronomen eine Chance gibt, bayerische Stimmung in die Biergärten zu transportieren und allen hilft, hoffentlich das durch Corona verursachte Loch in der Einnahmenkasse zu stopfen.

Kleinere Ensembles - jeder ein anderes Repertoire

Künftig teilt sich die Stadtkapelle in verschiedene kleinere Ensembles auf, die je nach Besetzung ein unterschiedliches musikalisches Repertoire bedienen. Von der liebevoll betitelten „Tanzlmusik“ mit Polka, Ländlern und Walzer über ein Saxophon-Quartett, das die perfekte Untermalung zum Jazzfrühstück bietet, über die „swingenden“ Brucks bis hin zum Blechbläser-Quintett, findet sich für jeden Musikgeschmack eine passende Kleingruppe.

Zeit mit virtuellem Unterricht überbrückt

„Durch die ersten Corona-Wochen haben wir uns mit virtuellem Unterricht über Zoom oder Skype“ gekämpft. Das war mit Notenübungen, Quintenzirkel und Rhythmusschulungen sehr theoretisch, denn gemeinsam Musizieren funktionierte wegen der Verzögerung leider nicht. Kaum war es möglich, sich zumindest mit einer weiteren Familien auf Abstand zu treffen, sind wir das Wagnis eingegangen und haben uns im kleinen Rahmen privat getroffen, um endlich wieder gemeinsam Musik zu machen“, erinnert sich Roh an die Anfänge. 

Einzeln brillieren

Das Ensemble "Blechbläser": Paul Roh, Dominik Huber, Katrin und Ronny Grundmann

Von diesen ersten Wohnzimmerkonzerten war es nur noch ein kleiner Schritt, bis die Idee der Ensembles geboren war. In den vergangenen Wochen wurde unter Einhaltung bestehender Hygieneverordnungen und Abstandsregelungen fleißig geübt. Das Interesse der Musiker war immens: manche Instrumente sind mittlerweile drei- und vierfach besetzt. Diese Tatsache erlaubt es der Stadtkapelle nun, groß an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Musiker brennen darauf, endlich wieder zu musizieren und profitieren von dem neuen Konzept. „Es ist eine viel größere Herausforderung, in einem kleinen Ensemble zu spielen als in einer großen Stadtkapelle, da man nun einzeln brillieren muss. Daher entwickeln sich die Musiker solistisch auf hohem Niveau weiter“, berichtet Paul Roh. Er ist überzeugt, dass die Ensembles auch „nach Corona“ beibehalten werden. 

Finanzielles Desaster entgegentreten

Ensemble "Saxophonquartett": Tabea Neumeyer, Ulrike Parello, Florian von Loh, Claudia von Loh, Sebastian Parello

Vorstand Benedikt Trouw freut sich währenddessen auf die ersten Buchungen, war die Corona-Zeit für die Stadtkapelle finanziell ein Desaster: „Die Ausgaben sind gleich geblieben und die Einnahmen auf einmal völlig weggebrochen – und das, in der eigentlich Umsatz stärksten Zeit des Jahres. Wir freuen uns nun über die ersten Buchungen – und hoffen zusätzlich auf den ein oder anderen Spender, der unsere Arbeit gerne unterstützen möchte.“ 

Buchbar für 150 Euro die Stunde

Die Brucks spielen auf Initiative der Bürgerstiftung im Juli und August in den Seniorenheimen des Landkreises, die anderen Ensembles treten immer samstags und sonntags zwischen 18 und 20 Uhr im Marthabräu-Biergarten auf.“ Für 150 Euro pro Stunde können die Kleingruppen ab sofort als „Hintergrundmusik im Freigelände“ gebucht werden – für Firmenjubiläen, private Hochzeiten, Feste oder auch Märkte, die seit Mitte Juli wieder erlaubt sind. Das bewegendste Erlebnis für Paul Roh war der erste Auftritt im Marthabräu-Biergarten: „Wir wurden mit Applaus empfangen, obwohl wir noch gar keinen Ton gespielt hatten. Das ging mitten ins Herz. Die Menschen haben die Musik vermisst – wir bringen Sie Ihnen wieder“.

Nicola Becker

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