Humanitäre Geste

Stadt erklärt sich bereit, Familie aus Flüchtlings-Lager in Moria aufzunehmen

Obdachlosenunterkunft im ehemaligen Hotel Hasenheide wird für Flüchtlinge gebraucht
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Die Flüchtlingsfamilie könnte zunächst in der städtischen Obdachlosenunterkunft im ehemaligen Hotel Hasenheide untergebracht werden.

Fürstenfeldbruck – Einstimmig beschloss der Brucker Stadtrat, eine Familie aus dem griechischen Flüchtlingslager Moria aufzunehmen, betont aber auch, dass es sich bei dieser humanitäre Geste um eine einmalige Aktion handele.

Die Familie könnte vorübergehend in der städtischen Obdachlosenunterkunft in der Hasenheide Platz finden. Zudem wollen die Stadträte ein Jahr auf ihr Sitzungsgeld verzichten, um den Flüchtlingen eine Wohnung zu finanzieren.

Sorgte der von Christian Götz (BBV) gestellte Eilantrag zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria auf der letzten Stadtratssitzung noch für reichlich Zoff, war man sich diesmal in der Sache schnell einig. Nachdem das Thema zuvor in der Fraktionsvorsitzenden Runde noch einmal erörtert wurde, griff man den Vorschlag der Verwaltung auf, eine Familie der bereits anerkannten Asylbewerber in der Obdachlosenunterkunft im ehemaligen Hotel Hasenheide unterzubringen. Wie Doreen Höltl, im Rathaus zuständig für soziale Angelegenheiten, erklärte, gäbe es in der städtischen Unterkunft gerade fünf freie Plätze. Diese könne man bei einem entsprechenden Stadtratsbeschluss auch freihalten.

Stadträte würden ein Jahr auf Sitzungsgeld verzichten

Breiten Zuspruch erhielt auch der von Andreas Lohde gemachte Vorschlag, die Stadträte mögen ein Jahr lang auf ihr Sitzungsgeld von 50 Euro pro Stadtratssitzung verzichten und spenden. Damit könnte man eine Wohnung anmieten und zum Unterhalt beitragen. „Wir geben als Gremium ein humanitäres Zeichen“ und auf die Stadt kämen keine finanziellen Belastungen zu, erklärte der CSU-Fraktionssprecher. Außerdem stünde die Flüchtlingsfamilie dann nicht in Konkurrenz zu den übrigen Asylsuchenden im Landkreis. Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) erklärte auf Nachfrage von Markus Droth (Freie Wähler), dass es sich hierbei um eine freiwillige Leistung jedes einzelnen Stadtrates handele. So etwas könne man nicht über die Köpfe der Ratsmitglieder entscheiden.

Brucker Landkreis im Vergleich weniger belastet

Für Philipp Heimerl (SPD) setze man damit zwar das richtige Zeichen, „europäische Solidarität, können aber nur übergeordnete Stellen einfordern.“ Auch Lohde findet es „ein Armutszeugnis, dass ein Stadtrat dies auffangen muss.“ Integrationsreferent Willi Dräxler (BBV), machte darauf aufmerksam, dass die Stadt und der Brucker Landkreis im Vergleich zu anderen Landkreisen mit der Unterbringung von Flüchtlingen weniger belastet wären. Zwar gäbe es im Ankerzentrum am Fliegerhorst rund 30 sogenannte Fehlbeleger, das heißt bereits anerkannte Asylbewerber, da dort mittlerweile aber keine Anerkennungen mehr ausgesprochen werden, bestünde auch kein Druck, diese Bewohner schnellstmöglich vonseiten Stadt unterzubringen. Gleichwohl sei der Antrag ehrenwert.

Vorerst kein „sicherer Hafen“

Dem Städtebündnis „Sichere Häfen“ wird die Große Kreisstadt dagegen vorerst nicht beitreten. Die Fraktionsvorsitzendenrunde verständigte sich darauf, dass dies zum jetzigen Zeitpunkt wenig Sinn mache. Man werde sich „bei Zeiten generell darüber unterhalten müssen, wie wir mit Aufnahme von Flüchtlingen umgehen sollen“, begründete BBV-Sprecher Götz die Abkehr von dem im Antrag ebenfalls geforderten Beitritt zum Bündnis.

Peter Fischer

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