Disput um Raumluftfilter

Stadtrat befürwortet Einsatz von Raumluftfiltern in Brucker Schulen und Kitas

Eine Frau und drei Männer mit Mund-Nasenschutz präsentieren fünf Luftentkeimungsgeräte.
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Die Josef-Dering-Schule in Eichenau wurde im Dezember als erste im Landkreis mit sogenannten Luftentkeimungsgeräten ausgestattet.

Fürstenfeldbruck – Mit einer Gegenstimme beschloss der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung die Beschaffung von Raumluftfiltern für die Grund- und Mittelschulen sowie Kindertagesstätten der Großen Kreisstadt. Zudem einigte man sich darauf, das sogenannte „Tübinger Modell“ als Zielsetzung weiterzuverfolgen.

Hartnäckigkeit lohnt sich manchmal doch, zumindest in diesem Fall. Nach einer teils hitzigen und emotional geführten Debatte, stimmte der Brucker Stadtrat mit großer Mehrheit für den Einsatz von Raumluftfiltern an Schulen und Kitas. Das war nicht unbedingt zu erwarten, denn einem entsprechenden Antrag von Mirko Pötzsch (SPD), den dieser vor einem halben Jahr stellte, standen bisher überwiegend Vorbehalte - sowohl innerhalb städtischer Gremien, als auch vonseiten des Oberbürgermeisters Erich Raff (CSU) - gegenüber. Auch die Verwaltung sprach sich dagegen aus. Zu laut, zu teuer, zu ineffektiv, lauteten die Argumente.

Doch Pötzsch ließ nicht locker und auch die Ausgangslage hat sich zwischenzeitlich geändert. Die Infektionszahlen steigen wieder und der Gesamtelternbeirat hat sich, wie erst kürzlich bekannt wurde, bereits im Dezember in einem Brief an Raff für den Einsatz solcher Geräte an den Schulen ausgesprochen. Dass dieser von Raff nicht an die Stadträte weitergeleitet wurde, wie von Gesamtelternbeiratssprecher Jörg Koos ausdrücklich gewünscht, bezeichnete Christian Götz (BBV) als „Frechheit“. Darüber hinaus wollte Götz wissen, „wie die Schulleiter dazu stehen.“ Dies sei wichtig für die Entscheidungsfindung. Isabel Martins beispielsweise, Rektorin der Philipp-Weiss-Grundschule, befürwortet den Einsatz von Raumluftfiltern.

„In keinster Weise akzeptabel“

Für reichlich Aufregung sorgte auch Raffs Aufforderung, Pötzsch solle sich bei Georg Huber, Sachgebietsleiter im Rathaus und Verfasser des Sachvortrages, entschuldigen. Huber spricht sich in seiner Beschlussvorlage gegen eine Beschaffung der Geräte aus. Pötzschs Reaktion auf den Sachvortrag sei „in keinster Weise akzeptabel“ und habe „wenig mit Respekt zu tun“, so Raff. Pötzsch hat in einer E-Mail an Huber gebeten, „künftig gewissenhafter zu arbeiten.“ Der Sachvortrag sei für ihn „eher Fakenews, als dass er diesen ernst nehmen könnte“ entgegnete Pötzsch. Der studierte Ingenieur zweifelt die Qualität der Ausführungen Hubers an. Es seien „offensichtliche Fehler enthalten.“

Rückendeckung erhielt Pötzsch von Götz. Der BBV-Sprecher bezog sich darauf, dass Rektorin Martins „sich eindeutig dafür ausgesprochen“ habe, dies im Sachvortrag jedoch anders dargestellt werde. „Ist das jetzt gezielte Desinformation“, fragte Götz. Auch Philipp Heimerl (SPD) erkennt im Sachvortrag eine gewisse Einseitigkeit. Der angehängten Studie, die sich gegen den Einsatz solcher Geräte ausspricht, könnte man genügend weitere hinzufügen, die dafür sind.

Mit einem gemeinsamen Kompromissvorschlag von Grünen und CSU versuchten Andreas Lohde und Jan Halbauer die Debatte wieder zu versachlichen. Im Wesentlichen orientiert dieser sich an den beiden Anträgen von SPD und ÖDP. Demnach werden für die Grund-, Mittelschulen und Kitas Geräte der Filterklasse F7/H14 angeschafft, die zu 50 Prozent von Bund und Ländern gefördert werden. Die Finanzierung soll aus Mitteln anderer Haushaltsposten, die im laufenden Jahr wahrscheinlich ohnehin nicht abgerufen werden, erfolgen. Zudem wird das „Tübinger Modell“ als Zielsetzung für Bruck übernommen. Erst testen, dann shoppen lautet das Modellprojekt in Tübingen. Mit dem Aufbau weiterer kostenloser Teststationen könnten Bürger dann unabhängig vom augenblicklichen Infektionsgeschehen mittels eines Schnelltests bei einem negativen Ergebnis ein „Tagesticket“ bekommen, das ihnen einen Restaurantbesuch erlaubt oder Einkaufen zu gehen. Auch könnten Kinos und andere kulturelle Einrichtungen wieder öffnen. Eine mögliche Umsetzung soll in Absprache mit dem Landratsamt erfolgen.

Peter Fischer

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