Infotafeln ergänzen Straßennamen

Streit um NS-belastete Straßennamen scheint beendet - vorerst

Der jahrelange Streit um NS-belastete Straßennamen scheint beendet zu sein - vorerst zumindest. Nach einer wiederholt äußerst emotional und kontrovers geführten Debatte einigte sich der Stadtrat darauf, acht umstrittene Brucker Straßennamen beizubehalten und mit Informationstafeln zu versehen, die das Wirken der Namensgeber kritisch erläutern sollen.

Fürstenfeldbruck - Es bleibt dabei: acht Brucker Straßennamen bekommen Zusatzschilder, die auf die Nähe der Namensgeber zum Nationalsozialismus und Antisemitismus hinweisen. Größere Tafeln mit einem entsprechend ausführlicheren Text sollen nun an der Hindenburg-, der Langbehn- und der Wernher-von-Braun-Straße angebracht werden. So wird darauf hingewiesen, dass Wernher-von Braun eben nicht nur Weltraumpionier, sondern als SS-Offizier auch an der Aktion „Vernichtung durch Arbeit“ im KZ-Außenlager „Dora-Mittelbau“ beteiligt war, die den Tod tausender Zwangsarbeiter zur Folge hatte oder Julius August Langbehn Antisemit war und rassistisches Gedankengut verbreitete. 

Zusatzschilder für sechs Straßen

Sechs weitere Straßen am Fliegerhorst, die nach Angehörigen der Luftwaffe des Dritten Reiches benannt sind, sollen mit kleineren Zusatzschildern versehen werden, die folgenden Text beinhalten: „Die Straßenbenennungen in diesem Gebiet nach Luftwaffen-Offizieren aus dem 2. Weltkrieg erfolgten 1962 und entsprachen dem damaligen Traditionsverständnis in Gesellschaft und Bundeswehr. Sie ist heute umstritten.“ 

SPD: "Völlig falsches Traditionsverständnis"

Für die SPD spiegelt dies „ein völlig falsches Traditionsverständnis wider“, wie Walter Schwarz betont, der im Namen der SPD-Fraktion den Antrag stellte, den Stadtrats-Beschluss aus dem letzten Jahr aufzuheben, in dem sich eine knappe Mehrheit für die Beibehaltung der Namen mit ergänzenden Hinweisschildern aussprach. „Allein der Text dieser Tafeln begründet warum wir die Namen ändern müssten“, plädierte auch Jens Streifeneder (BBV), der ebenfalls einen Aufhebungsbeschluss beantragte, für eine Namensänderung. 

Beschluss wird umgesetzt

Eine 17:15 Stimmenmehrheit beschloss jedoch den gültigen Beschluss umzusetzen. Die kam allerdings nur zustande, weil mehrere Stadträte, die sich in der Vergangenheit immer klar gegen eine Beibehaltung der Namen aussprachen, der Sitzung nicht beiwohnten. Wie schwer sich die Räte in ihrer Entscheidungsfindung taten, offenbarte Klaus Quinten (BBV), der sich „hin- und hergerissen“ zeigte, letztendlich aber die Texte verteidigt. Nach Ansicht des pensionierten Gymnasiallehrers dürfe Vergangenheit nicht totgeschwiegen, sondern müsse aufgearbeitet werden. 

Doch nicht vom Tisch?

„Nichts ist in Stein gemeißelt, der nächste Stadtrat kann das schon wieder kippen“, äußerte Streifeneder die Hoffnung, dass das Thema ohnehin wieder auf die Tagesordnung kommen wird.

Peter Fischer

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