Starkes Bier und starke Sprüche - 400 Gäste drängten in die Marthbräuhalle zum traditionellen Starkbieranstich

Nach drei Versuchen klappte es im zweiten Anlauf: Landrat Thomas Karmasin eröffnete mit dem feierlichen Anstich das Starkbierfest. Schloss-Brauerei-Geschäftsführer Klaus Dieter Nicola stützte vorsichtshalber das Fass. Fotos: Dieter Metzler

Am Josefitag war es wieder soweit: An die 400 Gäste drängten in die altehrwürdige Marthabräuhalle in Fürstenfeldbruck zum traditionellen Königlichen Starkbierfest der Schlossbrauerei Kaltenberg. Bevor Landrat Thomas Karmasin ein Fass mit dem Kaltenberger Ritterbock feierlich anstach, heizte die Egenhofer Blaskapelle mit ihrem „Frontmann“ Anderl Feiner dem Publikum schon einmal kräftig ein. Im Mittelpunkt des Abends stand natürlich aber „Unikator“ Happo Schmidt, der bei seiner Krüglrede mit starken Sprüchen vornehmlich die regionalen Politiker „derbleckte“. Danach brachte der „Barde von Nassenhausen“, Sepp Raith, die Stimmung im Saal zum „Überlaufen“.

Insgesamt sechs Schläge benötigte Brucks Landrat Karmasin bei seinen zwei Anstich-Versuchen, dann floss der süffige Ritterbock. Das Innenleben werde aktiviert, die Darmflora gereinigt, pries seine königliche Hoheit, Prinz Luitpold von Bayern, zuvor schnell noch die vitalen Vorzüge des Starkbiers an. Stehend mit dem Maßkrug in der Hand schmetterte die Prominenz auf der Bühne und das Volk im Saal anschließend die Bayernhymne. Anderl Feiner brachte mit Sprüchen und Gstanzln die Stimmung dann auf „Betriebstemperatur“, als er beispielsweise nach den vier natürlichen Feinden der Bahn fragte (Frühling, Sommer, Herbst und Winter) oder über die Brucker Bürger spottete (90 Prozent bewegen sich zu wenig, der Rest arbeitet nicht im Landratsamt), oder über die Parteien her zog (FDP sei fertig mit dem Projekt 18, jetzt 1,8) oder den Politikern (die fallen in die Güllegrube und kommen parfümiert heraus). Als dann „Unikator“ Happo Schmidt mit einem weißblauen Doktorhut auf dem Kopf in den Saal einzog, hatten mit der amtierenden Bierkönigin Franziska Sirtl aus Olching und Landtagsabgeordneten Dr. Thomas Goppel auch die letzten Ehrengäste den Weg in die von den Bruckern geliebte Marthabräuhalle mit ihrer einmaligen Holzwabenstruktur gefunden. Dahoam is dahoam, eröffnete Krüglredner Happo Schmidt seinen Auftritt und stellte die Marthabräuhalle dann auch als die einzig wahre Vergnügungshalle in der Kreisstadt heraus. Anschließend derbleckte der „Unikator“ mit einer gelungenen Mischung aus Humor, Ironie und Spott die lokale Prominenz. In Anlehnung an Bundespräsident Christian Wulffs Satz, der Islam gehöre zu Deutschland, verwies Schmidt auf den Brucker Westen, der sei schon immer ein Teil des Islams, so der „Unikator“. Doch auf die Frage: „Was ist Bruck – Einkaufsstadt, Große Kreisstadt, Messestadt, Hochschulstadt, Lebenfindetinnenstadt oder Künstlervillenstadt? – „Macht es doch kurz und sagt zu Bruck einfach Buchenau!“ riet er. Zum Abschluss schlug er Landrat Karmasin zum OB-Nachfolger vor. Er solle den Job mit übernehmen, nachdem er den potentiellen Bewerbern zu verstehen gab, sie müssen sich wohl noch mächtig ins Zeug legen. Die Menge johlte, nachdem der „Unikator“ dem Landrat nach bestandenem Fragetest den weißblauen Doktorhut verlieh. Für einen weiteren Stimmungspegelanstieg sorgte dann der Adelshofener Liedermacher Sepp Raith, als er sein Lied von „g`standenen Mannsbildern, die so fett sind, dass sie im Stehen sitzen können“ ins Mikrofon schmetterte. Über die Maßen hinaus wurden aber die Lachmuskeln der Gäste strapaziert, als Raith seine Hymne vom „Brucker Fasching“ uraufführte und dabei den emotionslosen Fasching in der Kreisstadt auf die Schippe nahm. Nachdenklich, aber dafür hochaktuell war seine Zugabe „Sabinchen“, ein von ihm vor 40 Jahren verfasstes Anti-Atomkraft-Lied.

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