F(r)isch aus dem Reisebüro

Start der Serie »Not macht erfinderisch« – diesmal: Ein Gröbenzeller Reisebüro holt mit frischem Fisch das Urlaubsfeeling nach Hause

Helmut Lang, Geschäftsführer des TUI Reisecenters in Gröbenzell, ließ sich von der Pandemie nicht unterkriegen.
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Helmut Lang, Geschäftsführer des TUI Reisecenters in Gröbenzell, ließ sich von der Pandemie nicht unterkriegen.

Landkreis Fürstenfeldbruck – Aufgrund der Corona-Pandemie und der einhergehenden Schutzmaßnahmen gerieten so einige Geschäftsleute im Landkreis in Not, da sie schlichtweg ihre Produkte oder Dienstleistung nicht mehr anbieten konnten. Fitnessstudios, Reisebüros, Veranstaltungsagenturen, Messebaufirmen, Gastronomen – für viele Branchen sind die Türen seit Pandemie-Beginn geschlossen. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. In einer Serie will der Kreisbote einige Geschäftsideen vorstellen, die es ohne dem Virus so vielleicht nie gegeben hätte.

Eine gut gekühlte Flasche Weißwein auf dem Tisch, zwei Gläser, die nur darauf warten, befüllt zu werden und der Duft von frischem Saibling in der Luft – da kommt fast ein wenig Urlaubsgefühl auf. Zwar gibt es seit Beginn der Pandemie im letzten Jahr wenig bis gar keine Möglichkeit, eine schöne Flasche Wein und einen frisch gefangenen Fisch direkt an einem See oder Meer zu genießen, dennoch versucht Helmut Lang seinen Kunden den Urlaub nach Hause zu bringen.

Mit Urlauben kennt sich der Geschäftsführer vom TUI Reisecenter aus Gröbenzell natürlich gut aus. Genauso gut weiß er aber auch, wie sehr die Pandemie seine und auch andere Branchen getroffen hat. Zu Beginn hagelte es erst einmal Reisewarnungen, Stornierungen und Absagen. „Normalerweise ist es unser Job, für die Menschen, die schönsten Wochen des Jahres zu planen“, erklärt der passionierte Globetrotter. Doch die negative Stimmung war zu Beginn allgegenwärtig. Die Frage, wie soll es weitergehen, stand ständig im Raum. Als Lang dann gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Hans Götschl, der ein weiteres Reisebüro in München-Harlaching betreibt, einen Tag am Tegernsee verbrachte und dort mit einem Freund Götschls, einem Fischzüchter, ins Gespräch kam, wurden natürlich auch Sorgen ausgetauscht. „Wieso verkauft ihr nicht einfach meinen Fisch, bevor ihr weiter jammert“, stellt der Fischzüchter im Laufe des Gesprächs ganz nüchtern die Frage in den Raum. Und schnell verbreitet sich unter den beiden Geschäftspartnern ein Gefühl von Motivation und Optimismus. „Wenn wir schon nicht die Urlauber ans Meer oder an den See bringen können, bringen wir ihnen den See und die Fische eben ins Haus.“ Und so wurde das Reisebüro innerhalb weniger Wochen um einen Fischhandel erweitert. Letztes Jahr zu Ostern folgte dann auch gleich die erste Bewährungsprobe.

Zum Fisch gibt es dann auch direkt den richtigen Wein – so ist Urlaubsfeeling garantiert.

„Anfangs war die Skepsis unserer Kunden, die sonst eine Reise bei uns gebucht haben, natürlich groß“, erinnert sich der 63-jährige Helmut Lang. Ein Reisebüro, das Fisch verkauft, wie soll das denn funktionieren? Aber nachdem die Feuerprobe überstanden war und die Kunden merkten, dass der Fisch von erstklassiger Qualität ist und auch noch aus der Region kommt, verwandelte sich die anfängliche Skepsis schnell in Begeisterung. Nun gibt es in Gröbenzell im zwei Wochen Rhythmus und in Harlaching sogar jede Woche frischen Fisch vom Tegernsee. Vorbestellungen werden telefonisch oder auf der Webseite entgegengenommen. Mittlerweile können dort nicht nur Saibling und Forelle, sondern auch Weine aus Deutschland und Österreich und Kürbiskern- und Olivenöle bestellt werden.

Auch jetzt erinnert sich Lang noch an die ersten Wochen zurück, als letztes Jahr klar wurde, dass Reisen erst einmal kaum möglich sein wird. „Man hangelte sich von Woche zu Woche, es war nicht leicht“, erzählt er. Doch der Fisch- und Weinverkauf gaben ihm neuen Mut und auch neue Motivation, die er mit den insgesamt 15 Angestellten teilt. „Wir schaffen das, wir müssen durchhalten“, erklärt der Geschäftsführer und mittlerweile gelernte Sommelier. Und tatsächlich konnten sich die beiden Geschäftspartner ein zweites Standbein aufbauen. Ihren Fisch- und Weinhandel „Fisch auf Reisen“ werden die beiden weiterhin umsetzen. „Wir geben das jetzt nicht auf, wir hatten in den letzten Monaten Zeit ein weiteres Geschäft aufzubauen“, freut sich Lang. Und deshalb wird es auch weiterhin in Gröbenzell alle zwei Wochen frisch gefangenen Fisch vom Tegernsee geben, gut gekühlt im Keller des Reisebüros, das den Urlaub nach Hause bringt.

Julia Huß

Sie kennen jemanden, der aufgrund Corona seine Arbeit nicht nachgehen konnte und aus der Not heraus eine Geschäftsidee verwirklicht hat? Sind Sie vielleicht selbst so eine Person? Dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an redaktion-ffb@kreisbote.de.

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