Stasi-Verfolgter verteidigt Erfolge der Wiedervereinigung - CSU-Empfang im Olchinger KOM zu 20 Jahre Deutsche Einheit

Landrat Thomas Karmain, CSU mit der Ortsvorsitzenden Martina Drexler und dem Referenten und Stasi-Opfer Thomas Lukow.

Die CSU gedachte am 3. Oktober des 20. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung in Olchinger KOM mit einer teils nachdenklichen Rede durch den Stasi-Verfolgten und Zeitzeugen der DDR-Diktatur Thomas Lukow.Der Referent wurde mit 21 Jahren wegen versuchter Republikflucht in den berüchtigten DDR-Gefängnissen Hohenschönhausen und Bautzen inhaftiert und musste dabei zwangsläufig, wie schon zuvor, den menschenverachtenden Überwachungsstaat hautnah miterleben.

Seit der Wiedervereinigung am 3.Oktober 1990 informiert Lukow, unter anderem durch Museumsführungen und Vorträge Interessierte über das SED-Unrechtssystem. Seinen engagierten Vortrag im KOM verfolgten neben Landrat Thomas Karmasin auch viele Kreis- und Olchinger Gemeinderäte sowie der Gröbenzeller Bürgermeister Dieter Rubenbauer. Die Festlichkeit des Gedenktages wurde durch das Akkordeoorchester der Kreismusikschule Fürstenfeldbruck und einen anschließenden Sektempfang angemessen betont. In ihrer Begrüßung nannte CSU-Ortsvorsitzende Martina Drexler die „Wiedervereinigung eine friedliche Revolution, die durch mutige Bürger der ehemaligen DDR erreicht worden sei, obwohl niemand im Traum je an die Realisierung der Einheit geglaubt hat“. Auch für Festredner Thomas Lukow, 51, ist damit „ein Traum in Erfüllung gegangen“: Der 3. Oktober sei ein ganz besonderer Tag für ihn gewesen, vergleichbar etwa mit der Geburt seines Sohnes. Aber für diesen Tag hätten zuvor fast 1000 Menschen an der deutsch-deutschen Grenze sterben müssen. 77 000 Menschen, unter anderem er selbst, seien für die „heutige Normalität des wiedervereinigten Deutschlands“ inhaftiert worden. Lukas beschwor die Zuhörer in Olching, die wieder gewonnene Einheit nicht nur als Normalität zu bewerten, sondern an der Aufarbeitung des DDR- und SED-Unrechts mitzuwirken. Denn: „Die Aufarbeitung des Unrechts ist bisher nicht gelungen.“ Als Beleg für seine These nannte Luko zahlreiche Beispiele. So sei es vielen SED-Politparteikadern gelungen, in den Gremien der bundesdeutschen Politik Fuß zu fassen. Besonders heftig kritisierte der Referent Gregor Gysi als einen der bekanntesten und treuesten ehemaligen SED-Genossen und informellen Mitarbeiter der Stasi. „Wie langweilig muss es dem deutschen Fernsehpublikum sein“, rief Lukow aus, „dass ihm in den Talkshows heute immer noch Gysi vorgesetzt werden kann?“ Auch dass in einem Bundesland ein ehemaliger Parteigänger der Stasi ganz offen mit seiner IM-Tätigkeit für ein Bürgermeisteramt kandidieren könne, ist für Lukow ein deutliches Zeichen dafür, wie wenig Unrechtsbewusstsein heute, im wiedervereinigten Deutschland vorhanden ist. Der Redner verwies besonders auf mangelnde Geschichtskenntnisse in der Jugend. So hielten laut einer Umfrage viele Bundeskanzler Adenauer für einen Linken und glaubten, dass die Amerikaner die Mauer niedergerissen hätten oder dass die DDR in der Umweltpolitik besser als die BRD gewesen sei. Das mangelnde Geschichtsbewusstsein ist fatal für Lukow, weil es den falschen Politikansätzen von Links- und Rechtsextremen Tür und Tor öffnet. Weil sich ehemalige IM’s, Stasi-Angehörige und SED-Mitglieder heute so sicher vor Verfolgung ihres begangenen Unrechts fühlen, „befindet sich keiner von denen etwa in psychotherapeutischer Behandlung“. Lukow empfahl gegen die kämpferische, linke Geschichtsklitterung kompromisslose Aufklärung, unter anderem durch den Film „Das Leben der anderen“.

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