Im Gespräch mit Stefan König, Schriftsteller,  PR-Fachmann im Dienste von Prinz Luitpolds Brauerei 

 Der "Alpen-König" schreibt Berg-Krimis 

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Stefan König, früherer Extrem-Bergsteiger, Schriftsteller und Berg-Krimi-Autor.

Fürstenfeldbruck – Stefan König (54), der „Alpen-König“, wie ihn Medien betitelten, gilt international als Bergexperte. Eine Schublade, von der der frühere Extrem-Bergsteiger von Anfang an als Schriftsteller profitierte: Auch sein 22. Buch „Stumme Rache“ basiert auf diesem Knowhow. In seinem jüngsten Bergkrimi klärt seine Hauptfigur Detektiv Tobs Thanner als früherer Alpinist perfide Verbrechen in der Bergwelt auf.

 In „Tobs Thanners zweiter Fall“, die „Stumme Rache“, geht es um den Hüttenwirt Jakob Brunner, ein Bekannter von Tobs, der Rache nehmen will für das, was man seiner Tochter angetan hat. Der Kletterfreund des Privatdetektivs Thanner ist bei einer schwierigen Tour auf mysteriöse Weise in den Tod gestürzt. Tobs, der Alpinist, der sich als Detektiv durchschlägt, soll für die Angehörigen den ungewöhnlichen Fall aufklären. Und damit ist der Leser schon mittendrin in einem Horrortrip. Die Arbeit in Redaktionen kennt König als ehemaliger Chefredakteur der damaligen Zeitschrift „Bergwelt“ von der Pike auf. 

Der heute 54-jährige, der mit seiner Familie in Penzberg lebt, wollte schon mit 11 oder 12 Jahren nur eins: „schreiben“. Nach dem Gymnasium und einer Handwerkslehre kommt er in Kontakt mit begeisterten Bergsteigern: „Vom 18. bis zum 30. Lebensjahr war ich Extrem-Bergsteiger.“ Er hat selbst erfahren, worüber er schreibt: „Ich weiss, wie es sich anfühlt in einem Biwak, wenn man nicht weiss, wie es am nächsten Tag auf der Tour weitergehen soll“. „Ein bekannter Alpinist, Toni Hiebeler - er verunglückte später tödlich bei einem Hubschrauber-Absturz in den Bergen – brachte ihm Schritt für Schritt das journalistische Handwerk bei, zusammen mit anderen Redakteuren einer Bergzeitschrift. König, der kurze Zeit auch die Chefredaktion führte, wurde für „Sternstunden des Alpinismus" - 15 Erzählungen, die auf Fakten basieren, dann aber ins Fiktionale abschweifen - 1992 mit dem Literaturpreis des Deutschen Alpenvereins ausgezeichnet. 

 1995 war König Mitbegründer des Filmfests St. Anton, das er bis 2012 leitete. Zufällig kam er mit den Veranstaltern des Kaltenberger Ritterturniers in Kontakt, als er über ein Mittelalter-Projekt berichtete. Das Ergebnis gefiel so gut, dass man den Autor acht Jahre lang für das Programmheft verpflichtete und er auch bei der Organisation des Ritterturniers mitwirkte. Jahre später kam es zu einem geschäftlichen Treffen mit Prinz Luitpold, und seit fünf Jahren ist König auch als fester freier Mitarbeiter für PR-Aufgaben innerhalb der König-Ludwig Schloßbrauerei Kaltenberg beteiligt und so auch oft in Fürstenfeldbruck. 

 Dass König auch das Klima in manchen Redaktionen von innen kennt, beweist er mit seinem 22. Buch „Stumme Rache“, das dem Buch „Abgrund - Tobs Thanners erster Fall“ folgte. Hier kommt Amelie, „die zweiundzwanzigjährige Volontärin bei der Schwazer Lokalredaktion des „Tiroler Stern“, nach hartnäckigen Recherchen einem Verbrechen auf die Spur. „Der Chefredakteur - eine hochtrabende Bezeichnung für den miesepetrigen Leiter des Lokalen“ schreit über den Tisch zu Amelie herüber: „Ist er nun tot oder nicht? - Du warst doch dort. Ist der Mann tot, oder was?“ Und damit ist der Leser schon mittendrin: „Was Pirschner entdeckte, als er seinem Hund Mockl in den Bunker folgte, war entsetzlich. So etwas Schlimmes hatte er noch nie zuvor gesehen. Zumindest nicht in echt, nur im Fernsehen...“ 

Für eine Buch-Produktion sitzt Stefan König neben seiner PR-Arbeit rund ein halbes Jahr lang täglich vor seinem Rechner. Seine Frau ist die einzige, die das Manuskript gegenlesen darf. Schließlich bedürfen die Figuren, die „ein starkes Eigenleben“ in Königs literarischen Werken entwickeln, immer wieder eines „Feinschliffs“ - diese penible Arbeit kommt auch in der Schlussphase nochmals auf ihn zu, wenn der jeweilige Lektor der Verlage dies und jenes Detail hinterfragt. König konstruiert seine Romane nicht nach Plan, sondern „ich lasse mich treiben.“ Erst ganz zum Schluss weiss er, wie die Story enden wird. Was Stefan König nicht sein will: „Ein Schriftsteller im stillen Kämmerlein, der nicht mehr weiss, was junge Leute denken.“ Der „Alpen-König“ ist am liebsten unter Menschen – gleich ob freundlich oder kauzig – und will teilhaben an ihrer Lebensgeschichte.

Hedwig Spies

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