Stimmen gegen Kieswerkerweiterung werden lauter

Aktionsbündnis gegen Kahlschlag des Rothschwaiger Forst gegründet - alle Brucker Parteien vertreten

+
Ein Aktionsbündnis kämpft gegen die Erweiterung des Kiesabbaus im Rothschwaiger Forst.

Fürstenfeldbruck – Ein breit aufgestelltes Aktionsbündnis kämpft für den Erhalt der für den Kiesabbau vorgesehenen knapp 18 Hektar Wald im Rothschwaiger Forst.

In einem Positionspapier werden das Landratsamt und der Freistaat aufgefordert, gemeinsam mit der Großen Kreisstadt und den Betreibern alternative Lösungen zu suchen.

Es kommt nicht oft vor, dass sämtliche im Stadtrat vertretenen Fraktionen zu einer gemeinsamen Pressekonferenz laden. Doch die geplante Kieswerkserweiterung im Rothschwaiger Forst lässt immer mehr kritische Stimmen laut werden. Ein kürzlich gegründetes Aktionsbündnis bestehend aus CSU, BBV, Grüne, SPD, Freie Wähler, ÖDP, FDP, Die Partei und Die Linke sowie dem Bund Naturschutz, der Friday for Future Kreisgruppe, der Frauenpower für Klima sowie dem Landesbund für Vogelschutz fordert nun, das Genehmigungsverfahren der beantragten Erweiterung des Kiesabbaus vorerst auszusetzen und Wege für den Erhalt der 17,6 Hektar Wald zu finden.

Damals war Wald weniger wertvoll

Die Situation stellt sich nicht ganz einfach dar. Bereits vor acht Jahren beantragte das Kieswerk eine Erweiterung. Um eine Belastung der Anwohner durch Staub und Lärm zu vermeiden, einigte man sich damals mit dem Unternehmen auf eine Abbaufläche im Süden, zumal die dort befindliche Vegetation seinerzeit als nicht besonders schützenswert eingestuft wurde. Dementsprechend wird das Areal als Vorrangfläche für den Kiesabbau im derzeit gültigen Regionalplan aufgeführt.

Wichtiges Naherholungsgebiet mit schützenswerter Struktur

Es gehe jetzt darum, „die Kuh vom Eis zu holen“, wie BBV-Sprecher Christian Götz eingangs der Pressekonferenz sagte. Denn der Rothschwaiger Forst sei gerade für die Bevölkerung des dicht besiedelten Brucker Westens ein wichtiges Naherholungsgebiet. Grünen Stadtrat Thomas Brückner, der auch Mitglied im Bund Naturschutz ist, erläutert, dass aus dem einstigen Gehölz mittlerweile ein veritabler Wald geworden ist, der nur zu 20 Prozent aus strukturarmen Nadelhölzern bestehe. Mit einer Rodung ginge die CO2-Speicherfähigkeit sowohl des Waldes als auch des Bodens für Jahrzehnte verloren. Zudem sei der Wald Lebensraum für zahlreiche schützenswerte Tiere und Pflanzen.

Verlust sei nicht hinnehmbar

Da der Brucker Landkreis zu den waldärmsten in ganz Bayern zahlt, sei „ein Verlust in dieser Größenordnung in Zeiten des Klimawandels nicht hinnehmbar“, heißt es in dem Positionspapier. Überdies hätten Forstamt und die Bayerischen Staatsforsten bereits damit begonnen, das betreffende Waldstück zu einem klimastabilen Laubmischwald umzubauen.

Eine Lösung nur mit einem Miteinander

Allerdings sei man sich auch der rechtlichen Lage bewusst, wie Andreas Lohde betont. Man könne „nur im Einvernehmen mit Betreibern und Behörden nach einer Lösung suchen“, so der CSU-Fraktionschef. Auch für den Zweiten Bürgermeister Christian Stangl (Grüne) „geht es nur miteinander.“ Kommenden Montag will man im Rahmen der Fraktionsvorsitzenden-Runde mit OB Erich Raff (CSU) in einem Gespräch mit Vertretern des Kieswerks alternative Möglichkeiten des Kiesabbaus erörtern.

Bedarf an Kies senken

Die Notwendigkeit des Kiesabbaus bestreitet niemand, jedoch könne man den Bedarf des Rohstoffs Kies auch senken, indem bei Bauprojekten ein möglichst hoher Anteil an Recycling-Baustoffen eingesetzt wird. Zumindest bei städtischen Baumaßnahmen soll nach dem Willen des Aktionsbündnisses künftig darauf geachtet werden.

Peter Fischer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare