Störungen in der Abwicklung – Die Auswirkungen der syrischen Unruhen sind bei der Logistik-Branche bis ins Industriegebiet Maisach spürbar

Thomas Paar, Inhaber des Maisacher Logistik-Unternehmens mit Schwerpunkt Syrien. Fotos: Hedwig Spies

Über dem ehemaligen Kattus-Gebäude im Maisacher Industriegebiet prangt nun in grün-leuchtenden Lettern „Groupage Service“. Syrien passte nicht mehr in das Logo auf dem Dach. Weiterhin ist aber das von Unruhen erschütterte Nahost-Land einer der geschäftlichen Schwerpunkte des weltweit agierenden Logistik-Unternehmens von Thomas Paar in Maisach – mit Groupage Service Syrien. Der politische Konflikt, der auch die Türkei und ihre harsche Kritik an den innersyrischen Vorgängen betrifft, tangiert die Logistikbranche weltweit, vor allem die Handvoll Unternehmer in Deutschland, die sich dem Reiz des Außergewöhnlichen verschrieben haben – mit einer Spezialisierung auf das Syrien-Geschäft. Geschäftsführer Paar spricht von „Störungen in der Abwicklung.“ Finanzielle Einbußen ließen sich nicht vermeiden: „Syrien verlangt für die Passage rund 1000 Euro mehr pro Lkw, nur mehr der Grenzübergang in Bab al Hawa ("Tor der Winde") ist für Lastwagen aus der Türkei geöffnet.“

Anfangs habe es Staus von rund 20 km an der Grenze gegeben. Über die Gründe ließe sich spekulieren. Hinter vorgehaltener Hand weiss jeder, dass Recep Tayyip Erdogan, der früher Baschar al-Assad als „Bruder“ titulierte, außenpolitisch nun „die Muskeln spielen lässt“ und Syrien, das sich am Rande eines Bürgerkriegs zu bewegen scheint, sich gegen jedwede Einmischung von außen wehrt. Nicht nur, wenn es um mögliche Lösungsvorschläge für ein potentielles Flüchtlingsproblem geht, die Nachbarländer mit Sicherheitszonen lösen würden, sondern auch, was den im Westen kritisierten Einfluss des Irans angeht und die Einhaltung der Menschenrechte. Die Staus an der türkisch-syrischen Grenze haben sich inzwischen aufgelöst, aber selbstverständlich geht die Fahrt wie früher auch im Konvoi - begleitet von syrischen Polizei- und Sicherheitskräften - auf den gewohnten Routen nach Aleppo und Damaskus. Getankt werde in Syrien nicht, die Fahrer verfügten über genügend Diesel-Treibstoff. Nachts blieben die Frachtführer natürlich bei ihrem Lastzug. Ob Berichte zutreffen, nach denen ausländische Lastkraftwagen unter Beschuss geraten seien, dafür gebe es keine handfesten Beweise. Insgesamt ist die Zahl der türkischen Frachtführer , die sich noch mit ihrer Ladung für Groupage Service Syrien in das unruhige Nachbarland wagen, sehr geschrumpft: Von früher 60 auf gerade einmal 10, „und bei diesen handelt es sich um Spezialisten“, sagt Paar. Ihr Profil: Mehrsprachig, interkulturelle Kompetenz, unerschrocken. Die lnlandsdistribution von Aleppo nach Damaskus für Stückgüter funktioniert weiterhin reibungslos. Auch die Stückgutabfertigung von Damaskus und Aleppo stellen keine Probleme dar. Dieser Güterverkehr komme in erster Linie dem Normal-Bürger zugute. Paar: „Hier geht es um Segmente wie Medikamente, Ersatzteile für Autos oder Textilmaschinen, Kopierpapier, nicht um Investitionsgüter, sondern um Gebrauchsgüter des täglichen Lebens“. Die örtliche Weiterleitung durch lokale Logistik-Services funktioniere einwandfrei. Letztes Jahr sei der Trailer-Verkehr von Venedig nach Syrien vom dem syrischen Inhaber der Reederei Barbon eingestellt worden, die Reederei fürchtete um ihre Trailer. Die türkischen Logistik-Unternehmen benutzen jetzt die Lkw-Fähre von Mersin nach Alexandrien/Ägypten. Der Jordanien-Transit nach Syrien hat sich für die Türkei sehr stark verteuert. Thomas Paar hat sich in jahrzehntelanger Arbeit zu einem der wenigen deutschen Spezialisten im Syrien-Geschäft entwickelt und betont, er wolle „auch in Krisenzeiten Leistung bieten und fachlich kompetent bleiben“. Der im früheren „Kattus-Gebäude“ des Industriegebiets Maisach ansässige Unternehmer ist noch in anderen sensiblen Ländern geschäftlich engagiert: Außer Syrien und der Türkei im Iran, Nordirak, dem Libanon, Georgien, Rumänien. „Das Geschäftsjahr 2011 in Rumänien war sehr gut,“ erklärt Paar. Das gelte auch für die Geschäfte seines Logistikunternehmens im Nordirak. Erbil in der Autonomen Region Kurdistan im Irak, werde er sehr bald wieder besuchen um sich dort mit den irakischen Geschäftspartnern sowie Geschäftsleuten aus Syrien und dem Libanon zu verabreden. Auch seine Geschäfte mit Georgien oder dem Libanon gestalteten sich reibungslos. Selbst der Iran, so Paar – stelle für sein Logistik-Unternehmen „kein Problem“ dar, auch wenn neuerdings Kurierpost (Rechnungen/Briefe) beim Zoll angemeldet werden müsse.

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