Stolperstein für NS-Opfer Schroeter in Gröbenzell gescheitert - Der Initiator und Künstler Gunter Demnig auf Einladung der SPD zu Gast

Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagte der Kölner Künstler und Initiator der „Stolpersteine“, Gunter Demnig, der auf Einladung des SPD-Ortsverbandes Gröbenzell im Saal des Freizeitheims an der Wildmoosstraße einen Vortrag über sein Kunstprojekt hielt, das die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma der politisch Verfolgten, der Homosexuellen und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig halten soll.

Michael Schrodi, Fraktionsvorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion, freute sich, den Preisträger als „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ begrüßen zu können, zumal der Gröbenzeller Ortsverband den Künstler aus aktuellem Anlass eingeladen hatte. Die Gröbenzeller SPD war nämlich im Gemeinderat mit ihrem Antrag, einen „Stolperstein“ für den im Vernichtungslager Auschwitz ermordeten Kurt Schroeter gescheitert, nachdem im Sommer 2009 das alte Schroeterhaus in der Bahnhofstraße 3 abgerissen worden war. Der aus einer Familie assimilierter preußischer Juden stammende Schroeter hatte von 1923 bis 1937 in Gröbenzell gewohnt. Dann floh er vor den Nazis nach Amsterdam. Dort wurde er Mitte August 1943 auf offener Straße verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo er am 2. Januar 1944 ermordet wurde. Auch der Vorschlag, ein nicht näher definiertes Mahnmal an den Architektenwettbewerb für die Neuplanung der Bahnhofstraße zu delegieren, fand keine Mehrheit. Unter dem eingangs zitierten Leitsatz verlegt Gunter Demnig so genannte „Stolpersteine“, ein Projekt, das sich mittlerweile längst zum größten dezentralen Mahnmal in Europa entwickelt hat. Für dieses Projekt wurde er ihm Oktober 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Bei den „Stolpersteinen“ handelt es sich um kleine Messingtafeln, mit denen Demnig an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert, indem er diese 10 mal 10 Zentimeter großen Steine vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnhaus ins Trottoir einlässt. Dass die Menschen mit dem Kopf und dem Herzen stolpern, wenn sie die Steine sehen, ist die Idee, die Gunter Demnig mit seiner Aktion verfolgt. Der Bildhauer hat seit 1993 mehr als 25.000 Stolpersteine in ganz Europa verlegt. Ihm sei klar, dass die Steine nicht jedem gefallen. Viel wichtiger sei ihm, dass sich der Betrachter vorbeugen müsse um die in den Boden eingelassenen Steine lesen zu können. Das wiederum sei eine Verbeugung vor den Opfern, argumentiert Demnig. In einigen Städten hätten die Bürger allerdings nicht unbedingt positiv auf seine Aktion reagiert, erzählte Demnig. So würde beispielsweise sein Grundstück an Wert verlieren, meinte ein Hausbesitzer, wenn vor seinem Haus „Stolpersteine“ verlegt werden würden. Einige zogen sogar vor Gericht, berichtete der Kölner, wo sie den Prozess aber verloren. Die gewichtigste Kritik kommt von Münchens Ehrenbürgerin und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, die die Vorstellung, auf den Namen der Deportierten und Ermordeten könnte mit Springerstiefeln herum getrampelt werden, nicht erträgt. In ihren Augen würde das Gedenken an die Opfer auf diese Weise „geschändet und beschmutzt.“ Christian Ude, Münchens Oberbürgermeister, befürchtet „eine Inflationierung der Gedenkstätten“ und lehnt deshalb die „Stolpersteine“ ab. Demnig nannte es undemokratisch, sollte trotz des intensiven Interesses von Bürgern und Angehörigen das Verbot für München aufrechterhalten bleiben. Michael Schrodi hofft nach dem Vortrag von Demnig auf eine Neubelebung der Diskussion in Gröbenzell, zumal sich unter den Besuchern Gröbenzells zweiter Bürgermeister Walter Strauch (CSU) und Kulturreferentin Brigitte Böttger (CSU) sowie etliche Gemeinderäte befanden.

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