Stadtrat und Kulturausschuss entscheiden über die Änderung von Straßennamen in FFB - Unter der Leitung des Stadtarchivars wurden 17 Straßennamen ü ...

Von der NS-Zeit belastete Straßennamen auf dem Prüfstand 

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Auch die Hindenburgstraße soll auf Vorschlag des Arbeitskreises umbenannt werden.

Fürstenfeldbruck – Es kommt Bewegung in die vor über einem Jahr angestoßene Umbenennung von Straßennamen in der Kreisstadt. Im März 2013 hatte die Grüne Jugend Fürstenfeldbruck, aufgerüttelt durch die Diskussion im Nachbarlandkreis Friedberg, wo ein Gymnasium nach dem Raumfahrtpionier und SS-Sturmbandführer Wernher von Braun benannt ist, die Stadt aufgefordert, die in der Kreisstadt nach von Braun benannte Straße umzubenennen.

 Daraufhin stellte die Stadtratsfraktion der GUL/Grünen den Antrag, einen Arbeitskreis (Ak) zu bilden, der grundsätzlich alle Straßennamen in der Kreisstadt überprüft, insbesondere aber die Straßennamen ermittelt, die an Personen mit Nazi-Vergangenheit erinnern und an Menschen, deren Meinungen gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung verstoßen. Inzwischen hat ein unter der Leitung von Stadtarchivar Dr. Gerhard Neumeier und sieben Stadträten eingerichteter Ak insgesamt 17 Straßennamen einer eingehenden Prüfung unterzogen. Das Ergebnis hat der Brucker Stadtarchivar in einem Bericht zusammengefasst, der dem Ak nun vorliegt. Danach empfiehlt der Ak insgesamt acht Straßen umzubenennen.

 Über die endgültigen Namensänderungen müssen nun der Kulturausschuss und der Stadtrat entscheiden. Dabei darf man gespannt sein, ob der Stadtrat die Wernher-von-Braun-Straße und die Messerschmittstraße in der Hasenheide umbenennen wird, nachdem die Abstimmung unter den Ak-Mitgliedern mit einem 4:4-Patt endete und damit quasi ablehnt. Einig war sich der Ak hingegen, die Hindenburgstraße und die Langbehnstraße im Ortsteil Puch umzubenennen. Der ehemalige Generalfeldmarschall und zweite Reichspräsident der Weimarer Republik Paul von Hindenburg, habe die Dolchstoßlegende mit in die Welt gesetzt und er ließ die Machtergreifung Adolf Hitlers zu, womit die demokratischen Gehversuche der politisch über lange Strecken instabile Weimarer Republik ein baldiges Ende fanden und die beispiellosen Gräuel der nationalsozialistischen Terrorherrschaft ihren Anfang nahmen. August Julius Langbehn, der in Rosenheim 1907 starb, aber auf eigenen Wunsch in Puch bestattet wurde, war Nationalist und Mitbegründer eines kulturpessimistischen Antisemitismus. Nach der monatelangen Diskussion herrschte im Ak Einigkeit darüber, dass sieben Straßen in der Siedlung vor dem Brucker Fliegerhorst (Eschenauer-, Ederer-, Günther-von-Maltzahn-, Josef-Priller-, Kögel-, von-Gravenreuth- und Zenettistraße) umbenannt werden sollten. Bei diesen Namen handelt es sich um Angehörige der Luftwaffe des Dritten Reiches, darunter zwei Piloten der Legion Condor. Einzig die Lützowstraße soll erhalten bleiben, da man sich nicht sicher ist, ob die Straße nach Günther Lützow, einem Wehrmachtspiloten aus dem Zweiten Weltkrieg oder nach Ludwig Adolf Wilhelm Lützow, einem preußischem Generalmajor aus dem 19. Jahrhundert, benannt wurde. 

Dieter Metzler

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