»Graue Energie« von Gebäuden

Studie widmet sich der Frage, wie mit dem Gebäudebestand auf dem Fliegerhorst-Areal umgegangen werden soll

Die Offiziersschule der Luftwaffe, rechts davon der sogenannte Kilometerbau.
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Die Offiziersschule der Luftwaffe, rechts davon der sogenannte Kilometerbau.

Landkreis Fürstenfeldbruck – Konversionsmanagerin Nadja Kripgans-Noisser präsentierte den Stadträten auf der jüngsten Sitzung des Konversionsausschuss erste Ergebnisse einer Studie, anhand derer die Nachhaltigkeit bestehender Bauten auf dem Fliegerhorst ermittelt werden soll. Die Stadt plant, im Rahmen eines international besetzten Symposiums diese neue Methodik der Öffentlichkeit ausführlich vorzustellen.

Wie mit Altbestand umgehen? Diese Frage drängt sich zwingend auf, wenn man in absehbarer Zeit über ein rund 200 Hektar großes Areal mit mehr als 200 Gebäuden verfügt. Seit Jahren beschäftigen Fragen der zivilen Nachnutzung des Fliegerhorstes, auf dessen Gelände ein komplett neuer Stadtteil entstehen soll, politische Gremien und Verwaltung gleichermaßen.

Vor zwei Jahren beauftragte die Stadt ein Architekturbüro, eine Entscheidungshilfe für den energetisch sanierten Erhalt beziehungsweise einen infrage kommenden Abbruch samt Neubau von Gebäuden oder Gebäudeteilen unter klimaschutzrelevanten Kriterien zu erarbeiten. Heraus kam eine Systematik, die zur Bewertung der sogenannten „Grauen Energie“ bestehender Bauten angewandt werden kann.

Als „Graue Energie“ bezeichnet man die in Gebäuden gebundene Energie. Diese umfasst sowohl den gesamten Herstellungsprozess, als auch die Transportwege der einzelnen Güter. Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit erscheinen Abriss und Neubau nicht immer als die bessere Lösung. Doch wie können Bestandsgebäude bewertet werden?

Faktoren wie Umsetzbarkeit, Vermarktung und Rentabilität spielen eine Rolle

Laut Kripgans-Noisser hätte man nun „ein umfassendes Tool, das unter Berücksichtigung von Indikatoren aus den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt ein Bewertungssystem bildet, das den Vergleich verschiedener Szenarien zum weiteren Umgang mit einem Gebäude ermöglicht.“ Nach Erhebung der technischen Stammdaten wird mittels eines Bewertungsbogens das realistischste Szenario zur Umnutzung des Bestandes dargestellt, wobei auch Faktoren wie Umsetzbarkeit, Vermarktung und Rentabilität eine Rolle spielen. So würde sich der unter Denkmalschutz stehende Kilometerbau als Bürogebäude oder zur Wohnnutzung in Form von Reihenhäusern eignen.

Man hätte nun ein gutes Instrument in der Hand, um sich ein Urteil über die künftige Nutzung erlauben zu können – das gelte auch für Gebäude in der Stadt, lobten OB Erich Raff und Andreas Lohde (beide CSU) die Studie unisono. Finanzreferent Klaus Wollenberg (FDP), warnte dagegen vor Folgekosten. Die Studie liefere keine Ergebnisse, sondern sei lediglich eine Methodik, Gebäude zu bewerten. Externe Gutachter und Experten wären jeweils vonnöten und „die wollen alle entlohnt werden“, gab auch Hans Schilling (CSU) zu bedenken.

Im Herbst soll die Studie im Rahmen eines international besetzten Symposiums einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Man könne damit auch „Aufmerksamkeit für die Entwicklung des Fliegerhorstes generieren, um eine Dynamik für eine hochwertige Stadtentwicklung in Gang zu setzen“, so Kripgans-Noisser.

Peter Fischer

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