Maisacher Logistikunternehmen Groupage Service Speditions GmbH setzt auf libanesische Partnerschaft und den sicheren Hafen Basra/Irak

Sichere Logistik-Routen abseits von Kriegspfaden?

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Besuch aus dem Libanon bei dem Maisacher Logistikunternehmer Thomas Paar der Groupage Service Speditions GmbH,  (3. v. l.). John Dagher, General Manager von Transporters S.A.L. (Mitte) aus Beirut, l. Dusan Pokorny, Department Manager der Maisacher Firma.

Maisach – Sichere Handelswege vor dem Hintergrund neuer Krisenherde in Syrien/Irak finden: Vor dieser Herausforderung stehen deutsche Logistik-Unternehmen wie der Maisacher Geschäftsmann Thomas Paar, der mit seiner Groupage Service Speditions GmbH mit mehrsprachigen, ausländischen Frachtführern seit Jahren diese sensiblen Regionen bedient. In der aufstrebenden Wirtschafts-Oase Erbil in der Autonomen Region Kurdistan hat Paar eine Dependance mit Lager angesiedelt. Doch diese als sicher eingestufte Oase für ausländische Firmen und Zufluchtsort für mittlerweile 850 000 Flüchtlinge in der Region Kurdistan-Irak ist finanziell kollabiert. Millionen von Staatsbediensteten erhalten keine Gehälter mehr ausbezahlt, seitdem die irakische Regierung in Bagdad das Budget für die Kurdenmetropole auf Eis gelegt hat. Das Maisacher Unternehmen will nun seine Aktivitäten zusammen mit einer libanesischen Partnerfirma vorwiegend in die südirakische Hafenstadt Basra verlagern.

John Dagher, General Manager Transporters S.A.L. Beirut/Lebanon. 

Am 9. Oktober war John Dagher, General Manager von Transporters S.A.L. zu Gast bei Thomas Paar in den Maisacher Geschäftsräumen. „Basra is more save than Bagdad,“ sagt Dagher, libanesischer Christ und neuer Kooperationspartner der Maisacher Firma. Das Geschäft in Erbil sei „pending“ – in der Schwebe. Die Stadt gilt zwar als sicher, aber die Autonome Region Kurdistan habe ernste Liquidiätsprobleme – „no cash flow“, seitdem die irakische Zentralregierung in Bagdad die Zahlungen hinauszögere. Außerdem unterstützt Erbil Zehntausende von Flüchtlingen, die vor den Gräueltaten der ISIS geflohen sind. Paar, Inhaber der Consolidated Freight Services Iraq, wird sein Lager in Erbil in Zukunft mit dem libanesischen Unternehmen Transporters S.A.L. zusammenlegen. 

Der Libanese John Dagher speditiert jetzt häufig Güter für NGO’s – Nicht-Regierungs-Organisationen und Hilfsorganisationen. Die Fracht enthalte Medikamente, Moskitonetze, Lebensmittel und manchmal auch Pulte für Schulen, erklärt der General Manager, dem Deutschland durch viele Besuche vertraut ist: Familienangehörige leben in Berlin, und im internationalen Flair der deutschen Hauptstadt fühle er sich sehr wohl – wegen der „quality of life“. Täglich erhält Dusan Pokorny, Department Manager im Unternehmen von Thomas Paar, einen Anruf von interessierten Auftraggebern, die den Sammelgutverkehr ab Maisach in den Irak via IBRAHIM KHALIL, auch bekannt als HABUR BORDER GATE in Anspruch nehmen wollen, zuletzt zum Beispiel mit einer Fracht, bestehend aus Generatoren. Transporte aus dem Libanon in den Iraq werden im Transit durch Syrien durchgeführt. Iraq gilt als ein sehr wichtiger Markt, manche Auftraggeber hätten Bedenken, wenn die Route über syrisches Gebiet führt. Das Zielland Syrien, soweit es um die Gebiete gehe, die Assad regiert, sei für die ausländischen Trucks und ihre Driver sicher, bestätigt Dagher. Noch nie sei in seinem Unternehmen eine Fracht auf dem Weg nach Damaskus abhanden gekommen. Seefracht aus Italien und weiteren Ländern erreichen den Hafen Lattakia problemlos, die Luftfracht gelangt mit Syrian Arab Airline nach Damaskus.

Was die Sicherheit der Frachtführer und der beförderten Güter angeht, so ist jedes Geschäftsmail von John Dagher vorsorglich mit dem englischsprachigen Hinweis versehen, dass das Unternehmen nicht in Haftung genommen werden kann für „Cargo-Schäden, die von Diebstahl, Entführung, Kriegshandlungen, terroristischen Anschlägen oder anderen Problemen herrühren“  –  „on Syrian territories“. No-go-areas sind natürlich alle vom IS beherrschten Regionen. Aber auch, wenn der Weg des Trucks durch von Rebellen beherrschte Gebiete führt, hänge alles vom Fahrer ab, betont Dagher. Auf dem Landweg sei Syrien für Trucks, verbunden mit vielen check points, von Beirut/Libanon aus jetzt noch über zwei Grenzübergänge zu erreichen. Jordanien und der Irak sind jeweils nur durch einen einzigen Grenzübergang für Trucks passierbar. 

Dazu ein Auszug aus den Länderinformationen „Irak“ des Auswärtigen Amtes: „ Mit Vormarsch der Organisation „Islamischer Staat in Irak und Syrien“ (ISIS) seit Anfang Juni sind große Teile der sunnitischen Gebiete Iraks der Kontrolle der Zentralregierung entglitten. Mit der neuen Offensive seit Anfang August hat ISIS Gebiete westlich von Mosul (Bezirke Sinjar und Talafar) unter seine Kontrolle gebracht, die zuvor von der kurdischen Peschmerga kontrolliert wurden (Siedlungsgebiete von Minderheiten, v.a. Jesiden). Nach der neuesten Erhebung vom 26. August 2014 zählen die Vereinten Nationen 1,8 Millionen Binnenvertriebenen im Irak. Über 600.000 kamen im August dazu, der Großteil davon aus Sinjar. Die Region Kurdistan-Irak beherbergt 850.000 Flüchtlinge, allein 485.000 Menschen befinden sich in der Provinz Dohuk. Hinzu kommen ca. 225.000 syrische Flüchtlinge. Betroffen sind sowohl ethnische und religiöse Minderheiten (Jesiden, Christen, Turkmenen, etc.) als auch Muslime. Vor Reisen nach Syrien wird weiterhin deutlich gewarnt. Die deutsche Botschaft in Damaskus ist geschlossen. Im Juni 2013 hat die syrische Regierung ein Gesetz verabschiedet, wonach Ausländern, die illegal nach Syrien einreisen, eine fünf- bis zehnjährige Haftstrafe droht sowie eine Geldstrafe in Höhe von 5 bis 10 Millionen Syrischen Pfund. Dieses Verbot gilt auch für derzeit von Oppositionskräften kontrollierte Gebiete. Seit Juli 2012 sind Sanktionen gegen die Syrian Arab Airlines in Kraft, nach denen u. a. der Erwerb von Flugtickets bei und für Syrian Arab Airlines durch EU-Bürger eine Straftat darstellt. Gestattet ist nur der Erwerb von Flugtickets zur Evakuierung aus Syrien. Aufgrund Syriens Lage als Nachbarstaat des Irak, Jordaniens und des Libanon muss auch die Entwicklung der Sicherheitslage in diesen drei Staaten mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet werden. Auf die Reisewarnungen für Irak und Teile des Libanon wird ausdrücklich hingewiesen. Große Flüchtlingsbewegungen finden statt in die angrenzenden Nachbarländer, v. a. nach Libanon, nach Jordanien und in die Türkei. Ferner können Spannungen in der überwiegend kurdisch bevölkerten Nord-Ost-Provinz und an der syrisch-irakischen Grenze nicht ausgeschlossen werden.“ 

Hedwig Spies

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