Maisacher Logistik-Unternehmen eröffnete nach Syrien-Konflikt Büro in Erbil/Nordirak

Syrischer Bürgerkrieg auch tödlich für Geschäfte 

+
 Mitarbeiterin Jana Stetskamp, verantwortlich für die Lkw-Abwicklung, Geschäftsführer Thomas Paar, in der Unternehmenszentrale im Maisacher Industriegebiet.

Maisach –  Die Auswirkungen im Syrien-Konflikt bringt der Maisacher Logistikunternehmer Thomas Paar so auf den Punkt: „Der Lkw-Verkehr  nach Syrien ist extrem zusammengebrochen, die Situation ist unübersichtlich.“  Mit Groupage Service  Syrien hält er jetzt - was den Lastwagen-Güterverkehr  mit  türkischen Vertragsunternehmern  angeht - als „letzter Mohikaner“ die Stellung, aber gleichzeitig eröffnete er ein neues Büro im boomenden Erbil/Nordirak. 

Der   Spezialist, der  seit 1990 erfolgreich im Transportmarkt tätig ist, ist allerdings vielseitig aufgestellt   – im Iran,  in Rumänien, und in Georgien. Seit 1. März 2013 baut Geschäftsführer Paar seine Geschäfte  auch in der boomenden Verwaltungshauptstadt  Erbil/Region Kurdistan-Irak  aus – mit einem eigenem Büro, in der Sofy Mall.    

Geschäftsführer Paar: „Am 12.7.2012 wurde die neue Marke Consolidated Freight Services Iraq beim Patentamt in München  eingetragen und der Stückgutverkehr ab Europe in den Irak lief aufgrund der Spezialisierung derart gut , dass  wir am 1.3.2013 unser eigenes Büro in Erbil eröffnen konnten“.  Als Ersatz für den Syrien-Verkehr hatte der Logistik-Fachmann schon während der Libyen-Krise begonnen, als es eigentlich noch keine großen Probleme in Syrien gab, den Irak-Verkehr aufzubauen, da er zu diesem Zeitpunkt ganz einfach mit einer Rebellionwelle gerechnet habe, die irgendwann auch Syrien erfassen würde. Nur noch ein- bis zweimal im Monat werden dringend benötigte Waren, darunter auch medizinische Produkte, von Maisach aus über die Türkei in das vom Bürgerkrieg geschundene Syrien transportiert. Thomas Paar hat eine „Lösung“ gefunden, wie er sagt, die es ihm ermöglicht, seine Transporte  unbeschadet durch die von Rebellen kontrollierten Gebiete bis zu den Büros seines  Geschäftspartners  nach Aleppo und Damaskus - in die noch vom Assad-Clan beherrschte Zone   zu speditieren. Aber  als Geschäft könnte man dies schon lange nicht mehr bezeichnen,  schon eher als eine Art  „Hilfstransport“, auf den die Bewohner dringend angewiesen seien. Er, Paar, wolle seine Kunden nicht schnöde im Stich lassen und hoffe,  dass sich die Situation in ein bis zwei Jahren soweit klärt, dass wieder ein „Business as usual“ möglich wird. 

Auch deswegen suchte Paar nach Alternativ-Routen.  Von einem Besuch im ruhigen jordanischen  Amman kehrte er ernüchtert zurück: Der Weg über Jordanien sei  unökonomisch, die Gebühren für die Abfertigung der Lkw viel zu hoch.  Das  Jordanien-Geschäft  ist „pending“ - in der Schwebe.  Aber dafür boomt Erbil,   wenngleich deutsche Geschäftsleute bis jetzt  nur spärlich vertreten sind. Die Deutsche Bundesregierung  hat zumindest schon für eine Deutsche Vertretung/ Deutsches Wirtschaftsbüro in Erbil gesorgt, mit Volker Wildner als „head of office“. Er  unterstützt deutsche Firmenvertreter beim Markt-Einstieg  mit Schulungen und Beratung.  

Paar: „Hier werden ständig neue, vertrackte   Gesetze erlassen,  die durch ihre umständlichen Ausführungsbestimmungen  die Bakschisch-Mentalität befördern." Behördengänge dauern lange. Und man habe in Erbil auch hohe Qualitätsanforderungen an die ausländischen Waren. „Kurden wollen Qualität sicherstellen.“ So wurde auch akribisch darauf geachtet, dass keine gebrauchten Maschinen, die vor dem Jahr 2000 produziert wurden, ins Land kommen.  Das Ausland zweifle möglicherweise an der Stabilität - man habe  den Irak insgesamt  mit den Straßensperren und den  Suicide-Bombern,  den Energie- und Wasserversorgungsproblemen, der Korruption und der angespannten politischen Situation vor Augen. Von Erbil bis Bagdad, wohin Paar gelegentlich Stückgut-Transporte mit Lkw abwickelt, müssen immerhin  Sicherheitskontrollen an  12 Checkpoints bewältigt werden. 

 Paar: „Ein in Bagdad gebürtiger Geschäftsmann, der sich lieber in Erbil niedergelassen hat und die kurdische Sprache erlernt hat, sagte mir über sein Heimatland:  „Alles hat einen Preis im Irak, nur der Mensch nicht.“  Dagegen  bemühe sich  Erbil,  Sitz der Regierung der Autonomen Region Kurdistan,  ein Sicherheitsgefühl  durch strengste Kontrollen zu vermitteln - vor allem am Flughafen, den man nur mit dem  Bus verlassen kann. Privat-Pkw werden aus Sicherheitsgründen nicht zum Airport vorgelassen.  „Man nimmt von jedem Passagier fingerprints, gleichgültig ob diese schon im Chip seines Passes vorhanden sind oder nicht. Sicherheitskräfte scannen sogar den Kopf, um festzustellen, ob eine erhöhte Temperatur eine Grippe-Infektion anzeigt." Dann würde man zurückgeschickt, erzählt Paar. Man eifere Dubai nach, träume von blühenden Geschäften, prestigeträchtigen  Bauten, Luxus:  Doch  – „Unterhaltung gibt es in Erbil nicht, nicht einmal Sportangebote,“ sagt Paar.  Die Versorgung mit Lebensmitteln und die Auswahl in den Restaurants sei sehr gut, die Preise seien jedoch hoch.  

Speditions-Fachfrau Jana Stetskamp ist in dem Maisacher Logistikunternehmen für die gesamte Lkw-Abwicklung zuständig.  Türkische Unternehmer, die auch Arabisch beherrschen,  sind seit Jahren bei dem Maisacher Logistik-Unternehmen unter Vertrag. Doch die Zollabfertigung  am türkischen  Grenzübergang  HABUR,  zum irakischen  ZAKHO,  kann sich durch den komplizierten „Papier-Krieg“ schwierig gestalten… Das Maisacher Unternehmen unterzieht sich der  strengen  Compliance Prüfung – mit dem Einsatz einer  automatischen Spezial- Software, die Kundenlisten screent. 

Die Geschäftspartner vor Ort melden jede Neuerung: Exportkontrolle ist ein  sensibles Thema - die Ordnungsmäßigkeit der internationalen Geschäftsbeziehungen muss  gewährleistet sein.  Trotz aller Sorgfalt:   „Von 10 ist nur ein Lkw-Transport ohne Probleme“, sagt Jana Stetskamp. Es könne schon unangenehm werden auf türkischer Seite, weil ein Kunde als Bestimmungsort „Kurdistan“ verzeichnet hat. Die Probleme würden aber  auch durch den Zollagenten von CFSI in Zakho abgefedert werden, da vor Abgang des Sammel-Lkw's aus Maisach sämtliche Zollpapiere an das Büro in Erbil weitergeleitet werden und diese dann mit den den Zollagenten des Unternehmens in Zakho gegengecheckt werden, so dass ein Großteil der Probleme damit schon beseitigt werden könnten.  Die Spezialisierung der  Logistik-Gruppe auf den schnellen Landverkehr über die Türkei nach Nah- und Mittelost rechne  sich vor allem für Kfz-Zulieferer, Automobilhäuser und Werkstätten.  In den Irak werden Ersatzteile für Busse und Lkw, Kupplungen, Reifen, Felgen, Bremspedale, und getrennt davon mit eigenen Lkw: medizische Güter befördert.  Vor kurzem wurde z.B.  ein Luftfiltersystem für OPs verschickt. Auch Walzen für den Straßenbau, Rüttler, Kompressoren, Plastik-Gullis, Kupferrohre, Pumpen, Ventile, stehen auf der Einfuhrliste in der Region Kurdistan. 

Außer dem boomenden Geschäft im Nordirak laufen die Geschäfte mit Rumänien  „fantastisch“, so Paar.  Der Jahresumsatz 2012 bei Stückgut per Lkw betrug bei Carpathian Transport Line GmbH, Rumänien: 4,5 Mio Euro. Libanon ist auf Eis gelegt, „der Iran dümpelt vor sich hin - die Sanktionen machen sich bemerkbar“.    2010 feierte das ursprünglich als „Groupage Service Speditions GmbH“ gegründete Unternehmen sein 20-jähriges Jubiläum, 2008 erfolgte eine strategische Neuausrichtung mit einer Spezialisierung auf die Destinationen Syrien und Georgien. Syrien läuft seit dem Bürgerkrieg   „auf Sparflamme“.   Mit dem  Georgien-Geschäft   - „Georgien Transport Logistik GmbH“ wurden 2012 insgesamt  1,5 Mio Euro im Stückgutverkehr per Lkw erwirtschaftet. Auch Luftfracht oder Less-Container-Load (LCL) auf dem Seeweg  bietet das Maisacher Logistikunternehmen.  

Autor: Hedwig Spies

 

Meistgelesen

80-Jähriger stirbt an Unfallstelle
80-Jähriger stirbt an Unfallstelle
Menschenkette gegen Fremdenhass
Menschenkette gegen Fremdenhass
100-Quadratmeter-Feuer nahe den Gleisen
100-Quadratmeter-Feuer nahe den Gleisen
Zwei Kandidaten haben es geschafft
Zwei Kandidaten haben es geschafft

Kommentare