Jeder Bundesbürger entsorgt statistisch gesehen rund 80 kg Lebensmittel pro Jahr  – Projekt der Bürgerstiftung, die Brucker Tafel, hält dagegen 

15 Jahre Brucker Tafel 

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Sie stießen auf 15 Jahre erfolgreiche Tafel-Geschichte an (v. li.): Lidija Bartels (stellvertretende Tafelleiterin), Christa Rath (Tafelleiterin), Dorothee von Bary (Vorsitzende Bürgerstiftung Landkreis FFB), Johanna Neumaier (erste Tafelleiterin) und die stellvertretende Landrätin Martina Drechsler

Fürstenfeldbruck – Statistisch gesehen wirft jeder Bundesbürger alljährlich rund 80 Kilogramm Lebensmittel weg. „Unerträglich“ finden dies nicht nur die stellvertretende Landrätin Martina Drechsler, sondern auch die Initiatoren und ehrenamtlichen Macher der Brucker Tafel. Am 28. Mai feierte das erfolgreichste soziale Projekt der Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck im Pfarrzentrum St. Bernhard 15-jähriges Jubiläum. 

 Am 11. Mai 2000 gaben erstmals Helferinnen und Helfer der Tafel in einem kleinen Raum im Stadtteilzentrum West kostenlos Brot, Gemüse, Obst, Milch und Wurst an 20 Bedürftige aus, berichtete Drechsler in ihrem Grußwort von den Anfängen der Brucker Tafel. Leider, so Drechsler weiter, stellte sich im Laufe der Jahre heraus, dass im Landkreis immer mehr Menschen diese Hilfe benötigen. „Ende des ersten Jahres waren es bereits 91 „Kunden“, die regelmäßig jede Woche zu uns kamen“, erinnerte sich die erste Leiterin der Tafel, Johanna Neumaier. Nach und nach wurden weitere „Tafel-Filialen“ in Germering, Olching/Maisach sowie in Puchheim/Eichenau gegründet. Über 1.000 Bürgerinnen und Bürger werden inzwischen durch fünf Tafelläden im Landkreis mit frischen Lebensmitteln versorgt. „Dahinter steckt viel Arbeit“, berichtete die Vorsitzende der Bürgerstiftung, Dorothee von Bary. „Ich bin nicht stolz auf mich, sondern auf das ganze Team“, sagte Lidija Bartels, die stellvertretende Tafelleiterin, „stolz auf uns alle, wie wir das so professionell stemmen.“ Drechsler dankte den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für ihr Engagement, aber auch den Spendern für ihre Bereitschaft. „Sie nehmen persönlich Anteil am Schicksal und den Problemen der Menschen, die jede Woche zu Ihnen kommen und tragen durch Ihr Engagement und Ihre Empathie dazu bei, dass für viele das Leben ein wenig leichter, ein wenig lebenswerter wird.“ Gemeinsam in einem engagierten Team etwas zu tun für Menschen, mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hat, das schenke Zufriedenheit und Freude im Leben, rief Drechsler das Motto des Leitungsteams Christa Rath und Lidija Bartels in Erinnerung. „Ich bin mir sicher, dieser Leitspruch wird Sie und Ihr gesamtes Team in Ihrem Tun noch lange anspornen und vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein Vorbild sein“, sagte die stellvertretende Landrätin und überreichte den beiden Leiterinnen einen Korb mit Brucker Land Köstlichkeiten. Ungefähr 20 Stunden pro Woche „opfern“ die Helferinnen und Helfer für ihren „Job“ bei der Tafel.

 Die Ausgabestelle im „LiB“, dem Mehrgenerationenhaus im Brucker Westen steuern wöchentlich ca. 150 Menschen an, die mit den empfangenen Lebensmitteln ca., 450 Menschen versorgen, darunter 88 Kinder. Von einem veränderten Kundenkreis berichtete Neumaier im Laufe der Jahre. Suchten in den ersten Jahren hauptsächlich Türkinnen die Tafel auf, so kämen jetzt vermehrt Syrer, aber auch viele ältere Menschen, Rentner, Alleinerziehende und auch Ganztagsberufstätige, die ihre Familie nicht ernähren können. 

Nach der Einführung von Hartz IV sei der Kundenkreis sprunghaft angestiegen. „Das finden wir sehr bedrückend“, ergänzte Tafelleiterin Christa Rath. Sie wehrt sich auch gegen das falsche Bild, das zum Teil in der Öffentlichkeit von den Menschen besteht, die die Tafel aufsuchen. „Zur Tafel gehen nur faule Leute, das stimmt einfach nicht“, so Rath. Wenn sie einen Wunsch frei hätte, dann würde sie sich für die Tafel wünschen, dass die Helferinnen und Helfer nicht ausgehen, „damit es so erfolgreich weitergeht“, sagte die ehemalige Tafelleiterin Johanna Neumaier, und die derzeitige Tafelleiterin Christa Rath wünschte sich, „dass das Team weiter so zusammenhält, und ich danke euch, dass ihr so treu seid“, rief sie den vielen anwesenden Helferinnen und Helfern zu. 

Dieter Metzler

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