Das Herz am rechten Fleck

Tafelleiter setzt sich für Impftermin seiner Mitarbeiter ein

Jürgen Quest (links), seit zehn Jahren Leiter der Germeringer 
Tafel, und sein Team leisten jede Woche Herausragendes, damit jeder Bedürftige sein Essen erhält.
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Jürgen Quest (links), seit zehn Jahren Leiter der Germeringer Tafel, und sein Team leisten jede Woche Herausragendes, damit jeder Bedürftige sein Essen erhält.
  • Claudia Becker
    vonClaudia Becker
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Germering – Von Montag bis Samstag ist er im Einsatz und das seit mittlerweile zehn Jahren. Von der Nahrungsmittelannahme am Montag, über die Ausgabe am Dienstagvormittag, hin zu den Erledigungen des organisatorischen Drumherums, die die Leitung einer Tafel mit sich bringen. Jürgen Quest ist und bleibt unermüdlich – auch wenn es darum geht, sich für seine vielen ehrenamtlichen Helfer einzusetzen, wenn es um eine vorzeitige Impfung geht.

Zwischen 100 und 150 Menschen nehmen das Angebot der Germeringer Tafel jede Woche in Anspruch. Nach dem Umzug in größere Räumlichkeiten sei zwar alles etwas entzerrter, Corona würde aber sein Übriges tun. So geht Quest jeden Dienstag durch die Reihen und überprüft, ob die Abstände eingehalten würden und ob auch jeder eine FFP2-Maske tragen würde. Jeder Hilfsbedürftige hat im Vorfeld einen Ausweis erhalten, der ihn – je nach Farbe – zu einer bestimmten Uhrzeit dazu berechtigt, sich Speisen bei der Tafel zu holen. Die Nähe zu den Menschen sei auch für die Mitarbeiter von Quest nicht immer einfach. Vorgepackte Tüten seien nur eine Übergangslösung gewesen, da sich die Menschen nun ihr Essen nicht mehr selbst aussuchen konnten und es teilweise wegwarfen, weil sie nicht wussten, wie sie es verwerten sollten. Der Frust war groß, auf beiden Seiten.

Jürgen Quest freut sich über seinen Gutschein.

Dass es so nicht weitergehen konnte, merkte Quest schnell. Eine andere Lösung musste her. Zum einen soll das Essen künftig auf großen Tischen im Freien ausgegeben werden, aber auch eine baldige Impfung sei unabdingbar, um eine mögliche Ansteckung zu minimieren. Durch einen Zufall nahm er mit Hilfe von Sonja Thiele, Ehrenmitglied des Sozialdienstes, den Kontakt zum medizinischen Leiter des Brucker Impfzentrums Matthias Skrzypczak auf. Ihm erläuterte er die Situation und insbesondere die Dringlichkeit, warum seine rund 75 ehrenamtlichen Helfer, die sich alle im Alter von Mitte 30 bis 80 Jahren befänden, dringend vorrangig geimpft werden müssten. Der unvermeidbare Kontakt zu vielen unterschiedlichen Menschen stelle jede Woche aufs Neue für die Tafelmitarbeiter ein erhöhtes Infektionsrisiko dar. „Ich habe das beste Team“, sagt Quest. Daher war ihm auch keine Mühe zu viel, wenn auch seine Enkelkinder kurzzeitig darunter leiden mussten, dass der Vollzeitopa ausfällt. Um ihm für den unermüdlichen Einsatz zu danken, organisierte Quests rechte Hand, Christine Motz, ein Dankeschön für den Chef: Einen Gutschein für den heißersehnten Thermenbesuch und einen Blumenstrauß. „Alle aus dem Team sind jetzt mindestens einmal geimpft. Und man fühlt sich einfach freier und sicherer“, sagt Motz.

Dennoch sei Quest händeringend auf der Suche nach einem offiziellen Stellvertreter, um zwischendurch kürzer treten zu können. So sehr ihm die Arbeit bei der Tafel auch Spaß mache und er seine Kollegen schätze – so warten aber auch andere Aufgaben auf ihn, die er sehr genieße.

Becker

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