Juliane Koepcke las: "Als ich vom Himmel fiel" 

Nach dem Absturz im Dschungel überlebt – Lesung

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Die Autorin nimmt sich Zeit für persönliche Widmungen und Signaturen

Puchheim – „Viele Menschen wundern sich, wie ich es schaffe, noch immer in Flugzeuge zu steigen“. Mit diesem Satz beginnt das erste Kapitel des Buches „Als ich vom Himmel fiel“ von Juliane Koepcke, promovierte Biologin aus München.  Am 24. Dezember 1971 überlebte die damals 17Jährige als einzige von 92 Menschen einen Flugzeugabsturz aus 3000 Meter Höhe über dem peruanischen Urwald.

 Elf Tage lang schlägt sie sich allein durch das Dickicht – nur mit einer Handvoll Bonbons in der Tasche. Am 26. November fand eine Lesung der promovierten Biologin im Rathaussaal der Stadt Puchheim statt. Die Autorin spricht offen über die Umstände des Unglücks, beschreibt ihre Gefühle und berichtet darüber, wie sie sich bis heute für den Dschungel in Peru einsetzt.


Es ist der Heiligabend 1971. Juliane Koepcke sitzt neben ihrer Mutter im Flugzeug der peruanischen Fluggesellschaft LANSA. „Wegen Überbuchung  der anderen Linien mussten wir die LANSA-Air nehmen“, erzählt Juliane Koepcke. „Obwohl sie einen sehr schlechten Ruf hatte“. Es sollte von der Hauptstadt Lima zur Forschungsstation Pucallpa mitten im Urwald gehen, wo Julianes Vater als Zoologe arbeitet. „Wir wollten das Weihnachtsfest zusammen feiern“. Nach anfänglich normalem Flug steuert die Maschine in eine dichte Wolkenfront hinein. Alles sei plötzlich ganz dunkel geworden und es habe heftige Turbulenzen gegeben, erinnert sich Juliane Kopcke. „Zehn Minuten sind wird durch den Sturm geflogen und dann sah ich ein gleißendes Licht an der rechten Tragfläche“. Juliane sitzt in der in der vorletzten Reihe am Fenster. „Der Blitz hat eingeschlagen“. Die LANSA Maschine stürzt senkrecht nach unten: „Ich habe bis heute das Kreischen der Passagiere in den Ohren“, berichtet Juliane Koepcke. Plötzlich wird alles ganz still.


 In ihrer Erinnerung sollte sich ein letztes Bild einbrennen: „Ich befand mich im freien Fall und hatte Windgeräusche im Ohr. Der Wald kreiste unter mir und sah aus wie grüner Broccoli. Ich spürte, dass ich mutterseelen alleine war“. Dann verliert Juliane das Bewusstsein. Sie ist mitsamt Sitzbank aus dem Flugzeug geschleudert worden, um sie herum ist niemand mehr. Als sie erwacht, ist dem Mädchen sofort klar, was geschehen ist: „Ich bin abgestürzt und befinde mich mitten im Dschungel“. Angst empfindet sie keine, nur dieses grenzenlose Gefühl der Verlassenheit. Die Turboprop vom Typ „Electra“ wurde in mehrere Teile zerrissen. Noch unter Schock kriecht Juliane durch das Unterholz, sucht nach ihrer Mutter. Normales Gehen fällt ihr schwer, wegen einer Gehirnerschütterung und aufkommenden Schwindelgefühlen. Auch hat sie sich das rechte Schlüsselbein gebrochen und sich eine Schnittwunde an der linken Wade zugezogen – beides bereitet ihr keine Schmerzen.

Der Urwald rettete mir zweimal das Leben „Für mich war der Urwald nie eine grüne Hölle, sondern ein Ort, der mich am Leben hielt“, betont Juliane Koepcke. Denn sie wuchs in Lima auf und lebte fast zwei Jahre lang mit ihren Eltern im Urwald, wo sie die Forschungsstation Panguana gründeten. Dort lernte sie alles über die Gefahren des Dschungels, die Pflanzen und Tiere kennen und wurde damit vertraut. So folgt die nur mit einem dünnen Sommerkleidchen bekleidete Juliane gezielt einem Wasserlauf, um von dort aus an einen großen Fluss zu gelangen. „Häufig sind dort Menschen anzutreffen, aber hier war alles vollkommen unbewohnt“. Außer von den Bonbons kann sie sich von nichts anderem ernähren, da der Urwald während der Regenzeit nichts Essbares abwirft. „Am zehnten Tag entdeckte ich ein Boot und einen Unterstand“. Drei Waldarbeiter finden das völlig entkräftete Mädchen am Abend des folgenden Tages und bringen sie zur nächstgelegenen Siedlung auf die Krankenstation. Juliane Koepcke ist dem Tod entkommen – gleich zweimal.

Nicole Burk 

Anmerkung:  Heute arbeitet Juliane Koepcke, verheiratete Diller, als promovierte Biologin an der Zoologischen Staatssammlung München. Jedes Jahr kehrt sie nach Peru zurück, wo sie inzwischen die Leitung der Forschungsstation „Panguana“ übernommen hat. „Ich versuche heute, den Regenwald zu retten und ihn zu schützen. Meine Aufgabe hat einen Namen: Panguana“. Einen großen Schritt hat die Biologin schon geschafft: Nach vielen Jahrzehnten ist es gelungen, dass dieses Gebiet seit Dezember 2011 als Naturschutzgebiet anerkannt ist.

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