Tierauffangstation

Brucker Tierfreunde vor Aus bewahrt

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Stehen an der Spitze der Tierfreunde Brucker Land (von links): die neue Vorsitzende Daniela Ender, Rechnungsprüferin Doris Treml, Schatzmeister Peter Minderlein und Schriftführerin Ruth Goblirsch-Falkner.

Die Tierfreunde Brucker Land e.V. haben das Aus für die Tierauffangstation in Überacker noch einmal abwenden können. Die bisherige Schatzmeisterin Daniela Ender kandidierte bei der Mitgliederversammlung des Vereins in der Sportgaststätte des SC Maisach als erste Vorsitzende und wurde einstimmig gewählt.

Maisach – Heidi Minderlein, von 2005 bis 2017 Tierfreunde-Chefin, war aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl angetreten. Sie bleibt aber der Tierauffangstation als Leiterin erhalten. Wie die neue Vorsitzende erklärte, sollen in Überacker jedoch nur noch Tiere aus dem Gemeindebereich Maisach und vom Veterinäramt beschlagnahmte Tiere aufgenommen werden. Auch bei Notfällen aus anderen Gemeinden werden die Tierfreunde helfen. Diese abgegebenen oder gefundenen Tiere werden jedoch – soweit es ihr Zustand zulässt – an die Ordnungs- beziehungsweise Fundämter der Gemeinden zur weiteren Versorgung und Unterbringung übergeben.

2016 370 Tiere betreut

In ihrem letzten Rechenschaftsbericht zog Heidi Minderlein zunächst eine positive Bilanz. Die Zahl der Mitglieder ist im Vergleich zum Vorjahr um zehn auf 352 gestiegen. In der Tierauffangstation wurden rund 370 Tiere betreut, die oft ohne die Hilfe der Tierfreunde nicht gesundgepflegt und an verantwortungsvolle Besitzer vermittelt worden wären.

Offener Brief an Bürgermeister

Enttäuschend seien dagegen die Bemühungen des Vorstands im letzten Jahr verlaufen, für die Tierauffangstation ein zukunftsfähiges Modell zu schaffen. Alle Bemühungen, eine ehrenamtliche Nachfolgerin für die Vorsitzende zu finden, seien gescheitert. Deshalb hätten die Tierfreunde in einem offenen Brief an die Bürgermeister des Landkreises im Sommer 2016 um finanzielle Unterstützung gebeten, um mit einer bezahlten Tierheimleitung und möglichst zwei 450-Euro-Kräften das Überleben der Tierauffangstation gewährleisten zu können.

Mehr Forderung, weniger Förderung

Während der Kreistag den Tierfreunden eine 450-Euro-Kraft bewilligte, seien die Bürgermeister bei ihrer ablehnenden Haltung geblieben. Auch eine Einladung zur Besichtigung der Tierauffangstation, der viele folgten, und die Unterstützung durch den Leiter des Veterinäramtes Fürstenfeldbruck, Hans-Werner Merk, der die Tierfreunde als „systemrelevant“ für den Landkreis bezeichnete und einen Finanzbedarf von 25 bis 50 Cent pro Einwohner errechnete, konnte die Bürgermeister nicht umstimmen. Heidi Minderlein: „Es kam eine neue Forderung, nämlich, dass wir auch Hunde aufnehmen sollten. Dann bekämen wir 20 Cent je Einwohner und sollten weiter Rechnungen für Fundtiere stellen.“ Nachdem der Bau- und Finanzausschuss von Maisach bei einem Ortstermin in der Tierauffangstation die baulichen Möglichkeiten für Hundezwinger ausgelotet hatte, wurde die Hundehaltung wegen möglicher Lärmbelästigung der Nachbarn abgelehnt.

"Bürgermeister brauchen uns und die Tierauffangstation nicht.“

 „Von amtlicher Seite hat man unsere Bitte um Unterstützung von 25 bis 50 Cent je Einwohner für die Tierauffangstation zur Aufnahme von Katzen und Kleintieren als zu hoch empfunden“, resümierte Heidi Minderlein. „Für die zusätzliche Aufnahme von Hunden wurden dann, trotz für uns höherer Kosten und noch mehr Arbeitsaufwand, 20 Cent geboten. Wir vom Vorstand sehen in der ganzen Sache nur eines: Die Bürgermeister brauchen uns und die Tierauffangstation nicht.“

Maisachs Bürgermeister auf der Seite der Tierfreunde

Dem widersprach der Maisacher Bürgermeister Hans Seidl, der zusammen mit dritter Bürgermeisterin Waltraut Wellenstein zu Beginn an der Mitgliederversammlung teilnahm, vehement. Er lobte das „hohe Engagement der Minderleins und ihrer Helfer für eine Kreatur, die sich selbst nicht helfen kann“. Wie wichtig er die Tierauffangstation nehme, zeige sich dadurch, dass die Gemeinde das Gelände zur Verfügung stelle und einen kleinen Zuschuss gewähre. Eindringlich appellierte Seidl an die Tierfreunde, an das Angebot der Bürgermeister anzuknüpfen und für eine Lösung ohne Hunde weiterzuentwickeln, und versprach: „Wir unterstützen euch.“

Rettung in letzter Minute

Der vorläufige Rettungsplan war im Vorstand fast in letzter Minute geschmiedet worden. Daniela Ender erklärte sich bereit, für den Vorsitz zu kandidieren. Als Schatzmeister stellte sich Peter Minderlein zur Verfügung, Ehemann der bisherigen Vorsitzenden. Er wurde einstimmig gewählt. Im Amt für weitere zwei Jahre bestätigt wurden Schriftführerin Ruth Goblirsch-Falkner und Rechnungsprüferin Doris Treml. Die fachliche Kompetenz von Heidi Minderlein bleibt dem Verein erhalten: Sie wurde als Beirätin gewählt, zuständig für die Leitung der Tierauffangstation. Ihr zur Seite als Stellvertreterin steht die neue Beirätin Helga Rattenhuber. Beirätinnen wie bisher sind Anita Rüsewald für Platzkontrollen sowie die Webmasterin Gerlinde Meyer.

Aufnahme von Tieren reduziert

Nach einem letzten Dankeschön übergab Heidi Minderlein die Versammlungsleitung an die neue Vorsitzende Daniela Ender.

Die 43-jährige Kriminaloberkommissarin zeichnete klar den Weg auf, den die Tierfreunde jetzt gehen werden. „Um das Arbeitsaufkommen in der Tierauffangstation zu verringern und um mit den vorhandenen Helfern eine artgerechte Haltung zu gewährleisten, wird die Aufnahme von Tieren reduziert“, betonte sie. Auf diese Weise glaube man, die Tierauffangstation erhalten zu können. Daniela Ender: „Sollte sich jedoch auch in den kommenden zwei Jahren kein zukunftsträchtiges Modell realisieren lassen, sehen wir für die Tierauffangstation schwarz.“

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