Paar bestritt den Tatvorwurf der Bigamie – Richter setzte die Verhandlung aus - 45-jähriger sieht  seine 2. Eheschließung als "Party am Strand" 

Traumhochzeit eines Olchingers am Strand von Tobago endete als Albtraum

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Fürstenfeldbruck/Olching  - Eine Hochzeit am Strand von Tobago ist für viele ein nie in Erfüllung gehender Traum. Für einen 45-jähriger Olchinger indes, der dieses Ereignis tatsächlich erlebte, scheint es zum Auslöser eines Albtraums geworden zu sein. Er muss sich nun wegen Doppelehe vor dem Amtsgericht verantworten.  Auch seine dritte Gattin, die er vier Jahre nach jener Trauung in der Karibik heiratete - inzwischen wurde diese Ehe allerdings wieder annuliert wegen jener, die in der Karibik geschlossen wurde - sitzt mit ihm auf der Anklagebank.

Da die beiden den Tatvorwurf der Bigamie bestritten, setzte der Richter die Verhandlung aus. Nach der Darstellung des 45-Jährigen war die Zeremonie in Tobago eher eine Party am Strand, bei der ganz nebenbei und ohne jegliche weitere Bedeutung auch zwei Freundschaftsringe die Besitzer gewechselt haben.

Aufmerksam gemacht darauf, dass der heiratswillige Olchinger bereits eine Ehefrau hat, wurden die Behörden von dieser höchstselbst. Als die in der Karibik Vermählte, längst wieder zurück in Deutschland und inzwischen zerstritten und getrennt von ihrem Gatten, von dessen neuerlichen Heiratsplänen erfuhr, verständigte sie das Standesamt in Puchheim. Er könne ja gerne wieder heiraten, solle sich aber bitte vorher von ihr scheiden lassen, verlas der Vorsitzende Richter Johann Steigmayer in der Verhandlung die entsprechende Aktennotiz. Konkret legt die Staatsanwaltschaft dem 45-Jährigen zur Last, direkt vor seiner jüngsten Trauung im Juni 2012 eine falsche Versicherung an Eides statt abgegeben zu haben. Und zwar mit dem Inhalt, dass er nicht verheiratet ist. Da sich laut Paragraf 172 des Strafgesetzbuches beide Ehepartner strafbar machen, wenn sie sich vermählen obwohl einer von ihnen bereits verheiratet ist, sitzt auch die 50-jährige, für kurze Zeit dritte Ehefrau des Olchingers, mit auf der Anklagebank. Die erste Gattin des 45-Jährigen ist verstorben. Dementsprechend hatte der Angeklagte bei seiner Steuererklärung als Status verwitwet angegeben, wie er dem Richter erklärte. Das lässt der Vorsitzende nun bis zur nächsten Hauptverhandlung überprüfen. Den eigentlichen Vorwurf, geheiratet zu haben, obwohl er noch mit einer anderen vermählt war, bestritt er: "Ich habe in Tobago nie geheiratet", sagte der Olchinger, der mit seinem welligen, schwarzen, mit viel Haargel zurückgekämmten Haar an einen Latin Lover erinnerte.

Zu dieser Darstellung wollte aber ein richterlicher Beschluss des Amtsgerichts vom Februar 2013, also acht Monate nach der Trauung mit der Angeklagten, so gar nicht passen. Darin widerlegt Steigmayers Kollege die Argumentation des 45-Jährigen feinsäuberlich: Von dessen angeblicher Trunkenheit während der Trauung sei auf den zahlreichen Fotos nichts zu erkennen. Und jener Mann, der nach der Aussage des Olchingers nicht ermächtigt ist, eine Trauung zu vollziehen, ist Reverend, also Geistlicher. "Ich bin sehr skeptisch, ob ich zu einem anderen Ergebnis komme", deutete Steigmayer an, wie sein Urteil ausfallen könnte, sofern es keine entlastenden Erkenntnisse mehr gibt.

Der Richter entnahm überdies den Aktennotizen des Standesamtes, dass es schon im Vorfeld des Aufgebots diverse Auseinandersetzungen zwischen dem Sachbearbeiter und dem Paar gegeben hatte. Seinerzeit ging es um die fehlende Sterbeurkunde der ersten Frau des Angeklagten. Die Eidesstattliche Versicherung gab der 45-Jährige demnach offenbar in letzter Minute ab nachdem er vom Standesbeamten auf die drohenden Konsequenzen - schlimmstenfalls eine Freiheitsstrafe - hingewiesen worden war und während die Hochzeitsgesellschaft schon im Nebenraum wartete. Die Verhandlung wird fortgesetzt, sobald die Noch-Ehefrau des Angeklagten, die inzwischen in Thailand lebt, in Deutschland ist. Die Reise müssen im Falle einer Verurteilung die Angeklagten zahlen.

Ariane Lindenbach

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