Trauerbegleitung – was ist das? Der Germeringer Hospizverein berichtet

In der Trauer nicht allein

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Die Germeringer Trauerbegleiter unterstützen Trauernde auf ihrem Weg.

Germering – Der Verlust eines nahestehenden Menschen ist nicht leicht zu verwinden. Bei einem plötzlichen Verlust aber auch wenn man Zeit hatte sich darauf vorzubereiten, ist der tatsächliche Eintritt ein Schock. Für die Trauernden beginnt ein langer und schwerer Weg: es gilt zu akzeptieren, dass ein geliebter Mensch von einem gegangen ist und das Leben jetzt ohne den anderen weitergelebt werden muss, es gilt die Verzweiflung zu überwinden und wieder einen Weg zurück ins Leben zu finden. Dabei kann die Trauerbegleitung von unschätzbarem Wert sein.

Das Ziel der Trauerbegleitung liegt darin, dem Hinterbliebenen eine angemessene Hilfe bei seinen Gefühlen der Trauer, Angst, Schmerz und Hilflosigkeit zu geben. Der Trauerbegleiter steht dem Betroffenem beiseite, hört ihm zu, spiegelt seine Eindrücke wieder und unterstützt ihn dabei, der individuellen Trauer die erforderliche Zeit einzuräumen. Die Trauer kann nicht erspart oder abgenommen werden – das Ziel ist jedoch sie zu wandeln um damit einen Weg zurück ins Leben zu finden. Für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Trauer sind verschiedene Formen der Trauerbegleitung entwickelt worden. Am Beginn des Trauerprozesses wird häufig die Trauereinzelbegleitung in Anspruch genommen, bei dem der Trauernde in Einzelgesprächen von einem Trauerbegleiter unterstützt wird. In einem geschützten Rahmen kann der Trauernde seine Worte und Gefühle zum Ausdruck bringen. Trauer, Verzweiflung, Wut, Hilflosigkeit und Einsamkeit können oft in einem persönlichen Gespräch leichter überwunden werden. In der offenen Trauergruppe können Trauernde ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Tod und den Gefühlen, die damit einhergehen, mit anderen Menschen teilen. Hier treffen Menschen mit unterschiedlichen Verlusterfahrungen aber auch unterschiedlichem Alter, Geschlecht und Lebenssituation aufeinander. Durch den von den Trauerbegleitern geleiteten Austausch mit anderen Betroffenen erfahren die Teilnehmer, dass es auch weitere Personen gibt, die trauern. Trauer wird in der Gemeinschaft als natürliche Reaktion auf einen Verlust erfahren und wie andere ihren Alltag mit der Trauer gestalten. Oftmals fällt es Trauernden schwer, allein spazieren zu gehen – ohne den geliebten Menschen. Trauerspaziergänge, „in der Natur in Bewegung sein‘‘ tut vielen Trauernden gut. Im gemeinsamen Gehen redet es sich oft leichter, festgefahrene Gedanken können sich lösen und die Natur kann als Kraftquelle genutzt werden.

Was ist ein Trauercafé?

Bei dem Trauercafé handelt es sich um ein offenes, unverbindliches Angebot. Auch hier ist das Ziel, in Kontakt mit anderen Menschen in einer ähnlichen Situation zu kommen. Zu Beginn des Besuchs des Trauercafés sind die Hinterbliebenen stark von Traurigkeit geprägt. Gemeinsame Gespräche, auch gemeinsames Weinen können schließlich zum gemeinsamen Lachen führen und sind ein Hinweis, dass der Teilnehmer mit seiner Trauer leben kann und sich in ein verändertes Leben aufgemacht hat. Im Raum der Erinnerung können Trauernde in der Stille an den Verstorbenen gedenken. Es kann eine Kerze angezündet, ein Stein beschriftet oder bemalt oder einen Eintrag in ein Gedenkbuch geleistet werden. Durch kurze angeleitete Meditationen führt der Trauerbegleiter die Trauernde zur Stille und Ruhe. Der Raum, der mit einem großem Labyrinth-Gemälde und einen großen Kerzenständer ausgestattet ist, lassen ein Gefühl der Geborgenheit entstehen. Fragen wie: Was ist Trauer? Wie geht Trauern und wie lange dauert es? Was muss man tun, damit Trauer vergeht? verbunden mit eigenen Verlusterfahrungen veranlasst viele Trauerbegleiter sich intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen und eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin zu machen. Über die Richtlinien des Bundesverbandes der Trauerbegleiter wird bei der Qualifikation ein hoher Standard gewährleistet. Dass es um Haltung geht, merkt man schnell, denn das Wichtigste in der Begleitung von trauernden Menschen ist der Begleiter selbst. Das ‚bloße‘ Dasein, das sich Zurücknehmen, das Aushalten von Tränen und Verzweiflung ist von großer Bedeutung. Auf die unterschiedlichen Menschen mit ihrem individuellen Umgang mit Verlust und Trauer einzugehen ist nur möglich über eine achtsame und wertschätzende Haltung dem anderen gegenüber. Dem trauernden Menschen stellt sich die Aufgabe die Trauer zu wandeln bei gleichzeitiger Entwicklung einer inneren Verbundenheit zu dem, was nicht mehr ist. Lebensfreude und Lebensmut können wieder entstehen. Trauerbegleitung will diesen Prozess unterstützen, Einsamkeit erträglicher machen und somit Balsam für die Seele sein.

red

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