Bei Trennung Lebensgefahr – Häusliche Gewalt – Frauenberatungsstellen und -notrufe helfen

Anja Spitzer, Fachberatung beim Frauennotruf und -beratung FFB. Foto: Nicole Burk

Das eigene Zuhause ist ein sicherer Ort – könnte man meinen. Doch der Schein trügt: Im vergangenen Jahr sind laut Bundeskriminalamt 313 Frauen Opfer von Mord und Totschlag geworden. Die Tatverdächtigen waren fast zur Hälfte der Ehemann, der Freund oder Ex- Partner der Getöteten. Das Thema häusliche Gewalt ist leider nach wie vor ein Tabu: Jede vierte Frau in Deutschland hat mindestens einmal im Laufe ihres Lebens Gewalt durch den eigenen Partner erlebt. Dazu gehören alle Fälle von physischen, psychischen und sexuellen Übergriffen, die vom eigenen Partner ausgehen. Häusliche Gewalt ist keinesfalls ein Problem sozialer Brennpunkte, sondern findet in allen gesellschaftlichen Schichten statt.

Anja Spitzer, Dipl. Sozialpädagogin vom Frauennotruf und –beratung in FFB, weist auf die Gefährlichkeit von Trennungssituationen bei einem gewaltbereiten Partner hin: „Die Spirale der Gewalt dreht sich immer höher, bis es zu richtigen Gewalteskalationen kommt. Meistens geht es um Macht, Kontrolle und Distanz. Droht eine Trennung, kann das für Frauen lebensgefährlich werden, wenn sie die Gefährlichkeit ihres Partners nicht richtig einschätzen“. Die Beratungsarbeit der Frauennotrufe unterstützt Frauen darin, die bisher erlebte häusliche Gewalt in ihrer Gefährlichkeit einzuordnen und die Trennung vom Partner möglichst sicher zu planen. Anja Spitzer möchte zudem darauf hinweisen, dass viele Betroffene nicht wissen, an welche Anlaufstellen sie sich wenden können. Vorrangig sind das die Notrufe und Frauenhäuser, die bayernweit Beratung, Schutz und Hilfe leisten. Die Angebote erstrecken sich auch auf die Kinder, die nicht selten die zusätzlichen Leidtragenden sind. In Bayern gibt es 33 staatlich geförderte Notrufe, die die von Gewalt betroffenen Mädchen und Frauen unterstützen. Um rund um die Uhr erreichbar zu sein, arbeiten dort viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen. Selbstverständlich ist eine Kontaktaufnahme auch anonym möglich. Neben der telefonischen Krisenintervention bieten die Mitarbeiterinnen der Notrufe persönliche Beratung und Begleitung zur Polizei, zum Anwalt und zur Gerichtsverhandlung. Grundlegender Gedanke ist die Hilfe zur Selbsthilfe: „Wir suchen mit den Frauen zusammen nach Möglichkeiten, wie sie sich gut und sicher trennen können. Oft reicht es schon aus, den Männern eine Grenze zu ziehen“, erzählt Anja Spitzer. Bei gemeinsamen Kindern geht es hauptsächlich darum, das Besuchsrecht gut zu organisieren. „Wichtig ist, dass irgendetwas gemacht wird und nichts bleibt, wie es ist“. Bei akuten Fällen können die Frauen noch am gleichen Tag in einem der 38 staatlich geförderten Frauenhäuser in ganz Bayern unterkommen. Diese bieten vorübergehenden Schutz und eine sichere Unterbringung der misshandelten Frau und ihrer Kinder vor der Gewalt und Verfolgung durch den Ehemann oder Lebenspartner. Insgesamt suchen circa 2000 Frauen und über 2000 Kinder Schutz in den bayerischen Frauenhäusern. Auch Bayerns Staatsministerin Christine Haderthauer, Frauenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, liegt die Unterstützung dieser Zufluchtsorte sehr am Herzen. „Ich freue mich sehr, die staatlich geförderten Frauenhäuser und Notrufe in ganz Bayern jährlich mit über 1,4 Millionen Euro unterstützen zu können. Infos unter www.gewaltschutz.bayern.de Frauen helfen Frauen e.V. Frauennotruf und –beratung Am Sulzbogen 56 82256 Fürstenfeldbruck Tel. 08141/ 290850 www.fhf-ffb.de

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