Interview mit Adam Stubley

Türkenfelder Künstler baut Skulpturen für's Tollwood

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120 Fahrräder und ganz viele Lichter: Adam Stubleys Fahrradbaum auf dem diesjährigen Wintertollwood.

Türkenfeld – Ein Wal aus PET-Flaschen, ein Aquarium in einer Mülltonne, die Bremer Stadtmusikanten aus Draht und jetzt ein Christbaum aus Fahrrädern: Tollwood-Festival Besucher können seine Kunstwerke kaum übersehen. Der Hobbykünstler Adam Stubley aus England lebt seit 16 Jahren mit seiner Familie in Türkenfeld und gestaltet jährlich Kunstwerke für das Münchner Tollwood. Der KREISBOTE sprach mit dem 52-Jährigen über den Grund für den Umzug nach Deutschland, seine Ideen für seine Kunstobjekte und wie es ist, wenn die Objekte nach ein paar Wochen Festival wieder abgebaut werden müssen.

Kreisbote (KB): Herr Stubley, Sie wurden 1964 in Huddersfield/England geboren, warum hat es Sie denn ausgerechnet nach Türkenfeld verschlagen?

Der Künstler Adam Stubley auf seiner Gartenbank in Türkenfeld.

Adam Stubley: Ich bin 1986 mit drei Freunden auf zwei alten Motorrädern durch Asien gefahren. In Delhi auf einem Campingplatz hatten wir einen bayerischen Zelt-Nachbarn - ein Bekannter meiner jetzigen Frau. Er meinte, wir sollten bei der Rückfahrt unbedingt in Bayern vorbeischauen. Dort gäbe es das beste Bier und die hübschesten Mädels. In Bayern lernte ich in Türkenfeld meine Frau kennen. Ich wollte über den Sommer bleiben. Dann war der Sommer vorbei und ich war noch immer hier. Auch, weil es Arbeit gab. Mein Freund David aus England lebt ebenfalls hier mit seiner Frau. Ich bin aber auch ab und zu zurück nach England gefahren. Mit meiner Frau Claudia und Tochter Sophie lebte ich drei Jahre in Yorkshire, mein Sohn Vincent wurde dort geboren. Danach zogen wir zurück nach Bayern und seit 16 Jahren lebe wir nun wieder hier in Türkenfeld.

KB: Wie haben Sie anfangs hier Ihr Geld verdient?

Zuerst als Landschaftsgärtner, später zehn Jahre als Restaurator von Antiquitäten. Seit 2000 lebe ich hauptsächlich als Freiberuflicher vom Messebau.

KB: Doch Kunst machen Sie auch, wie hat das angefangen?

Da gab es keinen direkten Anfang. Ich habe schon immer Kunst gemacht, sie war schon immer da. Ich bin in einer Künstlerfamilie aufgewachsen. Mein Vater Trevor Stubley war ein Naturtalent im Malen und ein bekannter Künstler und Portraitmaler in England, meine Mutter war ebenfalls Künstlerin. Da mein Vater malte, wollte ich selbst nie malen, also fing ich an Skulpturen zu bauen und mache Objektgestaltung jeglicher Art.

KB: Und dabei machen Sie kein Halt vor irgendeinem Material. Skulpturen aus Holz, Draht, PET-Flaschen und sogar Eis haben Sie schon gemacht...

Ja, ich benutze, was mir zur Verfügung steht. Es gibt keine Materialgrenzen. Ich habe in England angefangen Kunstschmied zu lernen, später arbeitete ich auch in Holzwerkstätten. So lernte ich mit verschiedenen Materialien umzugehen.

KB: Vom PET-Wal bis jetzt zum Fahrrad-Baum haben Sie schon einiges für das Tollwood gestaltet. Wie und wann fing das an?

Das muss vor etwa neun Jahren gewesen sein. Ich plante einen japanischen Pavillon zu bauen, ich ließ mich dazu von meinen Messebau-Reisen nach Japan inspirieren. Ich fertigte Pläne und ein Modell. Die Organisatoren vom Tollwood-Festival haben damals davon erfahren und sie haben einen gebraucht. Das war die erste Zusammenarbeit. Gerade steht dieser Pavillon bei mir im Garten, noch von der Hochzeitsparty im Juli, als ich meine Frau nach 29 Jahren geheiratet habe. Der Pavillon ist übrigens zu mieten oder zu kaufen.

KB: Wie ging die Zusammenarbeit mit dem Tollwood dann weiter?

Sie haben sich ein Jahr später gemeldet, dass sie gerne ein Zelt marokkanisch gestaltet haben wollen. Also bin ich nach Marokko geflogen und habe mir Ideen geholt und schließlich das Dreimast-Zelt marokkanisch dekoriert. Seitdem gestalte ich Figuren, Objekte und Skulpturen immer zum Thema des Tollwood-Festivals. In diesem Jahr lautet es „Bewegt“.

KB: Das heißt, Sie bekommen vom Tollwood das Thema und dann geht es direkt los?

Wir setzen uns immer ein paar Monate davor zusammen und überlegen gemeinsam, was möglich ist. Von den Ideen fertige ich dann erste Skizzen in meinem Skizzenbuch und Modelle, die ich dann dem Tollwood-Team präsentiere.

KB: Dieses Jahr sehen die Besucher Ihren leuchtenden Fahrrad-Baum, können Sie etwas über ihn erzählen?

Es ist ein Weihnachtsbaum aus Fahrrädern mit vielen Lichtern und Lichterketten dran. Davor stehen vier Fahrräder. Die Besucher können in deren Pedale treten, um den Baum aufleuchten zu lassen – das macht allen Spaß. Mir hat die Idee von Anfang an gefallen, dass die Besucher mit einbezogen werden. Die etwa 130 Fahrräder wurden von „Park&Ride“ gespendet. Der ganze Baum wurde innerhalb von vier Tagen aufgebaut.

KB: Das schaffen Sie aber sicher nicht alleine?

Natürlich nicht. Ich habe ein super Team, das besteht aus etwa acht Personen. Alle Jungs haben spezielle Fähigkeiten ohne die, die verschiedenen Projekte nicht möglich wären.

KB: Ist es aber nicht schade, dass nach so harter Arbeit Ihre Werke nach dem Festival wieder abgebaut werden müssen?

Da habe ich gar keine andere Wahl. Aber das ist auch nicht schlimm. Mir geht es darum Kunst zu machen, es muss aber nicht ewig halten. Ich möchte schöne Objekte für den Moment machen und immer wieder Neues kreieren. Es gefällt mir auch zwei Steine so zu stapeln, dass sie ausbalanciert sind, das relaxt mich.

KB: Wenn Sie als Künstler schon so viel auf dem Tollwood sind, gehen Sie dann noch privat?

Ja manchmal mit meiner Familie oder mit Freunden. Gelegentlich muss ich mich vormittags um die Projekte kümmern.

KB: Mach es Ihnen mehr Spaß für das Sommer- oder für das Winter-Tollwood Werke zu gestalten?

Beide Festivals haben seine eigenen und besonderen Reize: das Sommerfestival mit seinen lauen Abenden im Olympiapark und die Abendstimmung auf der Theresienwiese haben seinen Charme.

 

Das Münchner Winter-Tollwood auf der Theresienwiese ist noch bis zum 31. Dezember geöffnet. 

Interview: Miriam Kohr

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