Erste Schritte zum Dichterwettstreit

Workshop für Poetry Slam gegen Rassismus

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Nacheinander tragen die acht Schülerinnen beim Workshop ihre Texte mit einer vorgegebenen Emotion in den Räumlichkeiten der Kester-Haeusler-Villa vor.

In einem Sitzkreis haben es sich acht Schülerinnen auf gepolsterten Stühlen gemütlich gemacht und blicken mit konzentrierter Miene und rosigen Wangen auf die wild beschriebenen Blätter in ihren Händen. Das Kratzen der Bleistifte und Kugelschreiber, die eilig über das Papier huschen, ist deutlich zu vernehmen.

Dann erhebt sich die 17-jährige Alina von ihrem Platz, räuspert sich kurz und beginnt mit monotoner, schon fast gelangweilter Stimme ihren Text vorzutragen. „Ich bin total motiviert“, erklärt die Schü- lerin und die Teilnehmerinnen des Workshops für einen Poetry Slam gegen Rassismus brechen in schallendes Gelächter aus. Die Aufgabe seinen Text mit einer vorgegebenen Emotion vorzutragen, in Alinas Fall mit Lethargie, gehört zu den vielen Schreib- und Sprechübungen, die sich die Leiterin des Workshops, Meike Harms, für den Kurs, der am vergangenen Samstag in den Räumlichkeiten der Kester-Haeusler-Villa stattfand und vom Verein Turmgeflüster organisiert wurde, ausgedacht hat. 

Manche können bereits auf Erfahrungen zurückgreifen

Manche Mädchen waren bereits auf literarischen Vorlesewettbewerben, sogenannten Poetry Slams, und wissen, dass die Mitstreiter selbst verfasste Poesie innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe ihrem Publikum vortragen. Andere wiederum kannten dieses Format noch nicht. Fast alle haben jedoch schon einmal eigene Texte verfasst, allerdings meistens zu Hause, ohne, dass ihre Texte von anderen gehört wurden. Deshalb begeistert die Gründerin des Vereins Turmgeflüster, Christine Dietzinger, die Neugierde der Teilnehmerinnen umso mehr. „Die Mädchen haben große Lust zu arbeiten,“ stellt Dietzinger fest. 

Weg ins Rampenlicht ist eine Herausforderung

Alles was die Schülerinnen an diesem Tag lernen, soll sie auf die Veranstaltung „Zimt und Zucker Poetry Slam – Turmgeflüster wählt Menschenwürde“, die zum Programm der Fürstenfeldbrucker Wochen für Demokratie, Toleranz und Menschenwürde am Freitag, den 15. März stattfindet, vorbereiten. Jedoch weiß auch die Poesiepädagogin, Meike Harms, dass der Weg in das Rappenlicht eine Herausforderung ist. „Ich war schon immer schreibverrückt, aber es hat lange gedauert, bis ich auf die Bühne gegangen bin“, erzählt die 36-jährige. Nun nimmt sie aber seit 2012 an Vorlesewettbewerben teil und gibt ihr Wissen und vielleicht auch ein bisschen Mut an Kinder und Jugendliche weiter. Harms greift die Hauptthematik Rassismus mit spielerischen Schreibübungen auf und jedes Mädchen darf seine Erfahrungen mit den anderen teilen. 

Über das Schreiben Erfahrungen verarbeiten

Die 16-jährige Kamila wurde wegen ihres natürlich krausen Haares von einem Mitschüler gehänselt. Von da an glättete sie ihre Haare täglich, bis sie sich entschloss, ein Märchen über eine Katze zu verfassen, deren Fell ständig die Farbe wechselte. „Die Geschichte zu schreiben, hat mir geholfen, es zu verarbeiten. Jetzt fühle ich mich wohl und glätte meine Haare nur noch, wenn ich es will und nicht für andere,“ erklärt die Schülerin. An diesem Nachmittag muss sich keines der Mädchen Sorgen machen, ausgeschlossen, gehänselt oder gar ausgelacht zu werden. Es wird miteinander geschrieben, gelacht und jeder Text wird mit großer Neugierde angehört. 

Julia Huß

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