Über 70 Prozent der Zuwanderer bejahen unsere Verfassungswerte - Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in FFB

„Hoffnung wagen, Verantwortung übernehmen“. Alois Glück, neu gewählter Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und ehemaliger Präsident des bayerischen Landtags, erläuterte seine Vision einer menschlichen, solidarischen und leistungsfähigen Gesellschaft. Das Brucker Forum und das Evangelische Bildungswerk Fürstenfeldbruck hatten Glück für einen Vortrag im Rahmen des Brucker Zeitgesprächs gewinnen können. Ökumenischer Gesprächspartner im Säulensaal des Veranstaltungsforums Fürstenfeld am 24. März war der evangelische Theologe Dr. Thomas Zeilinger vom Institut „persönlichkeit + ethik“.

Glück, der in seinem langjährigen politischen Wirken und nicht zuletzt in einem viel beachteten Buch „Warum wir uns ändern müssen“ als Vordenker einer „Aktiven Bürgergesellschaft“ hervorgetreten ist, sieht die Gesellschaft vor großen Herausforderungen stehen. Alle Freiheiten für mich und die Verpflichtungen für die anderen, das kann nicht funktionieren, so Glück. „Unsere heutige Art zu leben ist nicht zukunftsfähig“, sagte er. „Die größte Gefahr für die Demokratie sind die distanzierten Wohlstandsbürger.“ Man stehe vor der Grundsatzfrage eines Neuanfangs: Wie gestalten wir eine nachhaltige Wirtschafts- und Lebenskultur und wie können wir dieses Ziel angesichts der Jahrhundertaufgaben einer globalisierten Welt erreichen? Eine zukunftsfähige Kultur zu entwickeln sei die Aufgabe einer aktiven Bürgergesellschaft, in der die Bürger wieder mehr Verantwortung für sich selbst und für das Gemeinwesen übernehmen müssen, meinte Glück. „Die Initiative muss von unten durch die Bürger kommen“, sagte Glück. „Die Politik steht innovativen Ansätzen im Wege.“ Sie müsse aber übergreifende Konzepte entwickeln und die staatlichen und politischen Strukturen nach den Prinzipien der Dezentralisierung, Subsidiarität und Nachhaltigkeit ausrichten. Als eine der weltweit größten Herausforderungen der Gegenwart bezeichnete der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken die Begegnung der Kulturen und Religionen. Die Verständigung über das Neben- und Miteinander sei einer der Schlüssel für Frieden und eine gerechte Ordnung der Welt, so Glück. Im anschließenden Dialog mit dem evangelischen Theologen Dr. Thomas Zeilinger vertiefte Glück seine Gedanken und Ansichten und nahm Stellung zu weiteren Fragen aus dem Publikum. So sei beispielsweise bei der Integration von Zuwanderern Voraussetzung, dass man ihnen auch das Gefühl gebe, willkommen zu sein. Die überwiegende Mehrheit der Zuwanderer lebe nicht im Konflikt mit unseren Regeln, berichtete Glück von einer Umfrage unter 7000 in Deutschland lebenden Familien. Über 70 Prozent bejahten unsere Verfassungswerte, auch wenn die Integration noch zu wünschen übrig lasse. „Bessere Integration oder mehr Konfrontation“, so Glück. Der zweite Ökumenische Kirchentag in München vom 12. bis 16. Mai sei eine gute Möglichkeit, sich mit den Inhalten der Religionen auseinanderzusetzen. Insgesamt stehen 3000 Veranstaltungen auf dem Programm, informierte Glück und forderte alle Interessierten auf, diese Chance zu nutzen.

Auch interessant

Meistgelesen

Ballenpresse fängt Feuer
Ballenpresse fängt Feuer
Mit Picknickkorb zum Kloster
Mit Picknickkorb zum Kloster
Kran durchbricht Fenster und schüttet Beton in Wohnung
Kran durchbricht Fenster und schüttet Beton in Wohnung
Grundschüler ernten und kochen gemeinsam
Grundschüler ernten und kochen gemeinsam

Kommentare