Überlebende Abba Naor und Karl Rom beim Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes am Todesmarsch-Mahnmal - Lesung aus Frankl's Buch: Mir hat man Frau ...

Seit 15 Jahren laden der Arbeitskreis Mahnmal und der Landkreis Mitbürgerinnen und Mitbürger zu Gedenk- und Schweigeminuten zum Todesmarsch ehemaliger Häftlinge aus den Außenlagern des KZ-Dachaus durch die Kreisstadt ein. Der KZ-Überlebende und Zeitzeuge Abba Naor zeigte sich bewegt und hörbar beeindruckt bei seiner Teilnahme 2010. „Obwohl wir damals, im April 1945, erst 16 und 17 Jahre alt waren, waren wir schon alte Leute.“ Abba Naor staunte darüber, dass zur Erinnerung 2010 soviel Leute kamen, mehr als früher. Und er bat alle um Kraft und Glauben, um eine bessere Welt zu schaffen. Mit ihm war auch der Überlebende Karl Rom zum Gedenken gekommen. Die Hauptgefreite Christine Jütte und der Stabsgefreite Falk Roth lasen Passagen aus dem Erinnerungsbuch

„ … trotzdem ja zu Leben sagen“ von Viktor Emil Frankl. Der Autor entstammte einer jüdischen Beamtenfamilie aus Wien, arbeitete als Neurologe und Psychiater, begründete die Logotherapie. Sein Vater starb im KZ Theresienstadt, seine Mutter wurde in Auschwitz ermordet, seine Frau starb im KZ Bergen-Belsen. Frankl selbst wurde am 27. April 1945 im Lager Kaufering VI (Türkheim), Außenlager des KZ Dachau, von der US-Army befreit. Die beiden jungen Bundeswehrangehörigen lasen aus Frankl’s Buch über die Schwierigkeiten, sich mit der neuen Freiheit zurechtzufinden - und sei es nur mit der einfachen Situation und Scheu, die junge Saat auf einem Feld niederzutreten: Da wurde der KZ-Leidenskamerad wild und schrie „Mir hat man Frau und Kind vergast. Und Du willst mir verbieten, dass ich ein paar Haferhalme zusammentrete. Ein paar tausend Haferkörner von einem unbekannten Bauern???“ Es sind aber auch Verbitterung und Enttäuschung mit der neuen Freiheit verbunden: „Wenn man heimkehrt und feststellen muß, dass andere mit nichts Besserem als Achselzucken oder Phrasen gegenübertreten, mit Redewendungen wie „Wir haben von nichts gewusst … Wir haben auch gelitten …“ Julia Zieglmeier, Sprecherin des AK Mahnmal, dankte in ihren einführenden Worten allen für ihr Kommen und der Stadt Fürstenfeldbruck insbesondere für den würdigen Rahmen durch die kurzfristige Sperrung der B2 und der Dachauer Straße. „Aus dem Gestern lernen - In der Gegenwart wirken - Die Zukunft gestalten“. Eine Leitaussage des Arbeitskreises Mahnmal, wenn es darum geht, „Rückgrat zu zeigen, wenn es die Versuchung gibt, nach 65 Jahren doch endlich den Mantel des Vergessens über die Schreckensherrschaft Nazi-Deutschlands zu breiten. Und entgegen zu wirken, wenn der Holocaust immer wieder geleugnet wird.“ Julia Zieglmeier wies auf die parallele Ausstellung „Erinnern. Gedenken. Versöhnen.“ im Kundenzentrum der Brucker Sparkasse hin. Monika Georgii (Klarinette) spielte einfühlsam die Hinführung zur stillen Gedenkminute. Alle politisch oder öffentlich Maßgeblichen aus Stadt und Landkreis waren neben den Mitgliedern des AK Mahnmal bei diesem bewegenden Anlaß zum „Tag der Opfer des Nationalsozialismus“ anwesend. Zum Brucker Gedenken konnte der Todesmarsch-Überlebende Uri Chanoch nicht kommen: Uri Chanoch gehörte 2010 zur Begleitung des israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres bei seinem Berlin-Besuch.

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