Ein Umzugsspediteur rief die Polizei

59-Jähriger aus dem Landkreis wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt

PantherMedia B182068020
+
Eine große Anzahl von Patronen wurde in der Wohnung des 59-Jährigen gefunden

Landkreis - Unter anderem eine halbautomatische Pistole und sehr viel Munition stellte eine Münchner Speditionsfirma im März vergangenen Jahres während einer Wohnungsräumung in einer der mitgenommenen Kisten fest und alarmierte daraufhin die Polizei. Nun, über ein Jahr später, wurde dem mutmaßlichem Besitzer, einem 59-jährige Mann aus dem östlichen Landkreis vor dem Fürstenfeldbrucker Amtsgericht, der Prozess gemacht. Ihm wird vorgeworfen gegen das Waffengesetz verstoßen zu haben.

Es dauerte seine Zeit, bis die Staatsanwältin die einzelnen Kaliber sowie Anzahl der Patronen vor dem Gericht verlesen hatte. Denn was dem 59-Jährigen vorgeworfen wurde, war nicht gerade wenig: So soll er über 1.500 Patronen – genauer 1.567 – sowie eine halbautomatische Kurzfeuerwaffen und ein sogenanntes Butter- flymesser besessen haben. Diese Dinge soll er in seiner Wohnung in einem Schrank aufbewahrt haben. An das Licht gekommen war das Ganze, nachdem dem 59-Jährigen wegen Eigenbedarf gekündigt wurde und eine Speditionsfirma die Sachen zwischenlagern sollte. Deren Mitarbeitern fiel dann eine Kiste mit Munition und Waffe auf, weswegen sie die Polizei alarmierten.

Angeklagter hat Waffenbesitzschein verloren

 Laut dem Angeklagten handelt es sich bei den gefunden Gegenständen um das Eigentum seines Vaters, der im Jahr 2005 verstarb. „Mein Vater hatte einige Kontakte zu ehemaligen Kriegskameraden“, erzählte er. Nachdem er mitbekam wie es seinem Vater immer schlechter ging, kümmerte er sich um diesen, war aber laut eigener Aussage ebenfalls viel mit seiner Arbeit und Gesundheit beschäftigt. So musste er bereits zahlreiche Operationen überstehen, unter anderem am Bauch oder an der Lunge. Auch im Gericht kam er nicht umhin, während der Vernehmung seine Medikamente einzunehmen. „Ich wusste nicht, was er alles noch aufbewahrt hatte“, erzählte er. Zwar wollte er die Wohnung aufräumen, sei jedoch nie dazu gekommen. Weiter schilderte er, dass sich die rund 54 Quadratmeter-Wohnung in einem fast schon verwahrlosten Zustand befunden hätte. „Es lagen überall alte Zeitungen und Bücher herum. Außerdem gab es Lebensmittelmotten“, so er weiter. „Ihr Vater ist 2005 gestorben, wir reden hier von 2020?“, hakte Richter Martin Ramsauer nach. Der Angeklagte fuhr fort, dass er früher dem Alkohol verfallen und erst seit November 2019 „trocken“ sei, weswegen er sich nicht um die Wohnung gekümmert hätte. Nachdem ihm diese dann gekündigt wurde, musste er für eine kurze Zeit in einer Obdachlosenunterkunft schlafen und konnte erst nach über einem Jahr eine bezahlbare Bleibe finden. Seit 2010 sei er arbeitslos und lebe von einer Erwerbsminderungsrente. Wie sich herausstellte, besaß der Angeklagte zwar zunächst eine Waffenbesitzerlaubnis, diese wurde ihm jedoch vom Landratsamt 2009 entzogen – nach einem Vorfall mit Alkohol. 

Angeklagter einschlägig vorbestraft

Laut eigener Aussage hatte er dabei „im Rausch“ einen Freund verteidigt und einen Angreifer zur Rede gestellt. Ein Auszug aus dem Bundeszentralregister bescheinigte schließlich: Der Angeklagte steht nicht zum ersten Mal vor Gericht. Insgesamt drei Mal wurde der Angeklagte – der bereits als Bauzeichner und Englischübersetzer arbeitete – verurteilt. Unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung, aber auch wegen des Besitzes von Schusswaffen im Jahr 2016.Für die Staatsanwaltschaft stand damit der Fall fest. Sie rechnete dem Angeklagten, abgesehen von seinem Eingeständnis, negativ an, dass er aus seiner früheren Verurteilung nichts gelernt habe. Auch sei die Patronen- anzahl von 1.567 „ziemlich viel“. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten ohne Bewährung. Die Verteidigung argumentierte mit dem persönlichen Zustand des Angeklagten: Alkoholkrank, arbeits- und zeitweise wohnungslos und forderte eine Strafe von einem Jahr und vier Monaten.

So hat der Richter entschieden

Schlussendlich verurteilte ihn der Vorsitzende zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Er kreidete dem Angeklagten vor allem an – ähnlich wie die Staatsanwaltschaft – aus seinem Fehler von 2016 nichts gelernt zu haben. „Sie haben den Fall nicht angezeigt“, sagte er. Daher sehe er keine Bewährung mehr für angemessen. 

Hamann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare