Unbegleitete Flüchtlinge bis 21 Jahre - Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Peter Falk, fordert einen Bericht zur Lage

Behandlung von Traumata bei Flüchtlingen

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Erstaufnahmeeinrichtung FFB am Fliegerhost.

Fürstenfeldbruck – Viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben in ihrem Heimatland oder auf der Flucht traumatische Erfahrungen gemacht. Dies stellt erhöhte Anforderungen an die pädagogische Betreuung dieser Zielgruppe. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Peter Falk, fordert im Namen seiner Fraktion von Landrat Thomas Karmasin zur nächsten Kreistags-Sitzung einen Bericht zur Lage der minderjährigen sowie volljährigen unbegleiteten Flüchtlinge bis zum 21. Lebensjahr im Brucker Landkreis.

 Insbesondere soll die Berichterstattung Auskunft geben über die Unterbringungs- und Wohnsituation, die Schul-, Bildungs- und Ausbildungssituation, die medizinische Versorgung einschließlich jugendpsychiatrischer Versorgung z. B. bei Traumatabewältigung, die geleistete Individualförderung, die notwendige Weiterführung von Maßnahmen nach Eintritt der Volljährigkeit, über weitere Ausstattungserfordernisse der Jugendhilfe sowie über die Abrechenbarkeit der Leistungen gegenüber dem Bezirk Oberbayern. Gerade bei jungen Menschen bestehen enorme Integrationschancen, die gefördert werden müssen, andererseits sind oftmals spezifische Fluchttraumata gegeben, die Herausforderungen an die Jugendhilfe darstellen. Daher sollte sich der Kreistag und nicht nur ein Ausschuss mit dem Thema auseinandersetzen, fordert Falk auch die Hinzuziehung der Vertretungen des Jugendamtes, des Kreisjugendringes, des Betreuungsgerichts im Hinblick auf Vormundschaften, der Schulen und Berufsschulen sowie der Vertretungen bzw. Leitungen der befassten Einrichtungen. 

 Sozialpädagogisches Handeln bewegt sich hier jedoch zwischen zwei Fronten: Auf der einen Seite stehen die Ansprüche der Sozialpädagogik: Vertrauen herzustellen, Integration zu fördern und Zukunftsperspektiven aufzubauen. Auf der anderen Seite stehen die Regelungen des Ausländer- und Asylrechts, die bei dieser Zielgruppe das Erreichen der genannten pädagogischen Ziele erschweren oder gar verhindern. Darüber hinaus sind Kenntnisse über Traumata und ihre Folgen bei jungen Flüchtlingen unter pädagogischen Fachkräften noch zu wenig bekannt und es fehlen sozialpädagogische Standards zur Betreuung dieser Zielgruppe.

Die Sprachbarriere ist eines der wichtigsten Hemmnisse für die frühzeitige Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen. Es gibt nicht genügend muttersprachliche qualifizierte Ärzte und Psychotherapeuten, die den Zugang zum Gesundheitswesen sicherstellen und den Bedarf decken könnten. Entscheidend für den Behandlungserfolg insbesondere in der Psychotherapie ist die Begleitung durch qualifizierte und geschulte Dolmetscher. Die Sprache ist ein wesentliches Therapiemittel – eine der Voraussetzungen für eine gelingende Psychotherapie ist sprachliche Verständigung.

Dennoch ist die Erstattung von Dolmetscherkosten keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Daher müssen Patienten und Behandler oft auf mitgebrachte Freunde oder Bekannte zurückgreifen, wenn professionelle Dolmetscher nicht zur Verfügung stehen. Manchmal – wenn die Familie schon länger da ist – übersetzen die Kinder. All dies sind sehr schlechte Lösungen. Vieles kann aus Scham nicht gesagt werden. Beispielsweise kann eine Frau, die vergewaltigt wurde, in Anwesenheit ihrer Familie nicht darüber sprechen, da niemand davon erfahren darf, auch nicht der Ehemann und schon gar nicht die Kinder.

 Sofern das Herbeiziehen eines Dolmetschers oder einer Dolmetscherin für eine Behandlung erforderlich ist, können die Kosten für Dolmetscherleistungen innerhalb der ersten 15 Monate des Aufenthaltes von Flüchtlingen in Deutschland, bzw. für Leistungsberechtigte nach AsylbLG, von den zuständigen Sozialbehörden übernommen werden. Die Beantragung ist jedoch sehr aufwendig und die Leistung wird – da sie im Ermessenspielraum der Sachbearbeiter der Sozialämter liegt – nicht immer oder nur nach langen Bearbeitungszeiten gewährt. Flüchtlinge, die berechtigt sind,  Leistungen der GKV zu beziehen, d.h. in der Regel nach 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland, haben jedoch keinen Anspruch auf Kostenübernahme von Dolmetscherleistungen nach dem AsylbLG. Die Übernahme der Kosten kann beim Sozialamt bzw. beim Jobcenter beantragt werden.

Dieter Metzler

Auf Anfrage des Kreisboten teilte das Landratsamt - Stand 21. März 2016 - die aktuellen Zahlen zur "Belegung der aktuellen Asylbewerberunterkünfte sowie der Dependance Fliegerhorst FFB" mit.

Belegung der aktuellen Asylbewerberunterkünfte im Landkreis sowie der Dependance Fliegerhorst FFB

 

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