Unser Mann in Neuseeland - Mit den Kiwis auf Du und Du

Aus Neuseeland berichtet KB-Mitarbeiter Günter Schäftlein. Sieben Wochen erkundet der Mittelstettener dort mit seiner Ehefrau als Gast befreundeter deutscher Einwanderer das faszinierende Land.

Dort versucht Schäftlein in diesen Tagen, die Kehrseite hiesiger Winterverhältnisse auf der Südseite der Erdkugel auszutesten: Bei unseren so genannten Antipoden oder auch "Gegenfüsslern". Er bestätigte glaubhaft, dass keiner der dort Angetroffenen jemals von der Erde heruntergefallen und im Weltall verschwunden ist - gegen alle Gesetze der Schwerkraft. Keith, Chihiro, Sayaka und Hayato Hughes sind eine ganz normale neuseeländische Familie im mittleren Teil der Nordinsel, da, wo auch die Maoris ausgeprägt leben. "Normal" heisst für NZ-Verhältnisse eine multi-nationale Verbindung. Keith, ein gemütlicher, gutes Essen schätzender Kiwi mit durchaus sportlichen Ambitionen (u.a. mehrere BMW-Motorraeder sowie Kayak/Rafting), seine Frau Chihiro eine umsichtige, vielseitig engagierte Japanerin. Mit letzterem Touristik-Sporting am Kaituna Falls und anderswo bestreitet die family ihren Lebensunerhalt. Ihre beiden Kinder wachsen natürlich zweisprachig auf. Rotorua ist bekannt durch den malerischen See gleichen Namens inmitten grüner Huegel und seine Gondola (Kabinenbahn), leider ohne jede Ski-Nutzung, dafür aber mit einer Ganzjahresrodelbahn ausgestattet. Die Kleinstadt ist Ausgangspunkt für Unternehmungen jeglicher Art. Von den gelegentlich auftretenden Schwefeldämpfen aus Erdlöchern in Stadtnähe sollte man sich nicht verdriessen lassen; schliesslich befindet man sich im "Vulcanland" mit vielen thermischen Wässerchen, die auch stark zur Energieversorgung beitragen. Auch im unmittelbaren Stadtrandgebiet das kulturelle Maori-Zentrum Whakawerawera mit dem vielgelobten Geysir Pohutu. Neuseeland ist ein Land üppiger Vegetation. Bäume und Büsche bleiben ganzjährig grün, wenn sie nicht gerade aus Europa "eingewandert" sind. Bäume wachsen hier mit der zweieinhalbfachen Geschwindigkeit, verglichen mit Deutschland. "Forestry" (Waldwirtschaft) ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor und Exportartikel, speziell an den Osten und Südosten Asiens. Das macht sich in der jetzigen, globalen Rezessionsphase mit einem Minus von 12 Prozent bemerkbar - noch schlimmer erwischte es allerdings die neuseeländische Aluminiumerzeugung mit minus 20 Prozent. Fährt man durch die Umgebung von Rotorua, wird die Einsamkeit mit jeder Quadratmeile größer, wachsen Wald, Wasser und die Abgeschiedenheit auch ohne den nahen Urewera Nationalpark zu einer der positivsten Erfahrungen dieser Erde zusammen. Manches überträgt sich aus diesem Zusammenklang auch auf das menschliche Miteinander: Nicht die penible Ordnung im Haushalt ist das Mass aller Dinge, sondern die befreiende Unordnung, die alle Spielräume offen lässt. Kinder werden damit hervorragend fertig, weil sie zu gerne Regeln für noch mehr Phantasie öffnen wollen. Die musikliebende, klavierspielende Sayaka, 14, im Hause Hughes kann wie ihr viellesender Bruder Hayato,10, derzeit noch den Rest von sechs Wochen Sommerferien bis Ende Januar geniessen. Ansonsten gibt es Schulferien nur nach geschlossenen, dreimonatigen Unterrichtsblöcken, sieht man von einigen zusätzlichen Ferientagen zu Ostern einmal ab. Neuseeland ist in vielem dem englischsprachigen Europa ähnlich: Also im Allgemeinen mit sehr wenig Deutschsprachigem im Angebot, dafür aber mit der Empfehlung "Speak English!" präsent. Das beginnt schon bei den Speisekarten und setzt sich mit nichtvorhandenen deutschsprachigen Presseerzeugnissen fort. Wie anders Neuseeland ist, merkt man schon frühmorgens bei den Vogelstimmen. Veranstalten die unsrigen zu Hause zur gegebenen Zeit wahre Orchesterleistungen, vernimmt man hier nur einzelne Solisten ...

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