Kritik an der Quote

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Auf dem Podium nahmen Platz: Grubmüller und Lahmann-Monsour (beide Caritas), Liu und Epp (beide Landratsamt), Landrat Karmasin, Pfarrer Heiß und Bürgermeister Nefele (v. links).

Oberweikertshofen – Wer zu spät in die Waldgaststätte kam, der musste stehen. So riesig war das Interesse an der Informationsveranstaltung zum Thema „Asyl in Egenhofen“, zu der die Gemeinde eingeladen hatte. Bürgermeister Josef Nefele und Landrat Thomas Karmasin stellten sich über zwei Stunden lang in einer teilweise emotional geführten Diskussion den Fragen der knapp 400 Zuhörer.

Die Gemeinde Egenhofen – das sind 25 kleinere Ortsteile mit rund 3.400 Einwohnern – steht vor der Herausforderung, Wohnraum oder Grundstücke zur Errichtung von Wohncontainern für voraussichtlich im Oktober/November ankommende 87 Flüchtlinge bereitzustellen. Die Anzahl ergibt sich nach einem Verteilerschlüssel, den die 23 Bürgermeister des Landkreises in Zusammenarbeit mit dem Landrat erarbeitet haben, um eine gleichmäßige Beanspruchung der Kommunen im Sinne eines echten Miteinanders zu erreichen. Der Egenhofener Gemeinderat hatte einstimmig beschlossen, die Asylbewerber zu möglichst gleichen Teilen im Gemeindegebiet unterzubringen. 

Die festgelegte Quote kritisierte Rupert Schräfl aus Egenhofen, da sie seiner Ansicht zu Lasten der einwohnerschwachen Kommunen gehe, wie er am Beispiel von Germering mit 40.000 Einwohnern und 440 Flüchtlingen vorrechnete. Für Egenhofen mit einem Zehntel der Einwohner wären demnach 30 bis 40 Flüchtlinge zu verkraften, nicht mehr. Ebenso sollten die Bedenken, „die wir hier auf dem Land haben, ernst genommen werden“. Nachdem sechs Flüchtlinge schon in einer Privatwohnung leben, erwiderte Karmasin: „Ich verstehe ihre Sorgen, aber wir müssen damit fertig werden. Bringen wir mal weitere 30 unter, dann setzen wir uns wieder zusammen.“ 

„Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein“, warf der in Egenhofen wohnende Christoph Abele in erster Linie „denen da oben“, Fehler in der großen Asylpolitik vor, womit er die hohe Politik meinte. Auf eine Diskussion über die globale Flüchtlingspolitik ließen sich die Podiumsgäste allerdings nicht ein. Da bis jetzt kein Ansprechpartner in der Gemeinde vorhanden ist, beabsichtigt Bürgermeister Nefele, eine Sprechstunde im Rathaus einzurichten, um sich die Sorgen der Bürger vor Ort anzuhören. Gabi Kistler beanstandete die lange Dauer des Asylverfahrens. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge benötigt sieben Monate, und bei einer Ablehnung kann es zwei Jahre dauern. Das hält auch der Brucker Landrat für viel zu lange. 

Anerkannte Flüchtlinge haben die Möglichkeit, ihre Familien nachzuholen. „Wir wohnen in einem reichen Land, Millionen sind auf der Flucht“, begann eine Bürgerin ihren Wortbeitrag, den sie allerdings nicht zu Ende bringen konnte, da diese Argumentation vielen nicht passte. „Ich bin überrascht von der negativen Stimmung hier“, meldete sich Anton Kiser aus Unterschweinbach zu Wort. „Wenn einer von euch auf der Flucht wäre, wäre er froh, wenn ihm geholfen würde. Wir müssen doch in der Lage sein, 80 Menschen, die unsere Hilfe benötigen, Unterstützung gewähren zu können.“ 

Einen breiten Raum nahm die Diskussion über die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in der Dorfgaststätte Postmeister ein. Über der Wirtschaft sollen zwölf Jugendliche im Alter zwischen Zwölf und 14 Jahren eine Bleibe finden. Einige Bürgerinnen und Bürger befürchten, dass es Probleme mit den Minderjährigen geben könnte und sich kein neuer Pächter für die Dorfwirtschaft finden lassen würde. Dazu bestehe keine Veranlassung, beruhigte Karmasin, denn die Jugendlichen würden rund um die Uhr betreut. Begrüßt wurde vom Landrat der Aufruf von Alex Thurner, der vorschlug, dass sich die Vereine in die Integration mit einbringen sollten. „Wir haben alle ein Interesse daran, dass es vor Ort gut klappt.“ Und über gegebenenfalls finanzielle Unterstützung könne man reden, so Karmasin. 

Johann Müller aus Aufkirchen appellierte an alle, denjenigen, die einen Grund oder eine Unterkunft zur Verfügung stellen, nicht gleich am nächsten Tag an den Pranger zu stellen. Am Ende zeigten sich Bürgermeister Nefele und Landrat Karmasin mit dem Verlauf des Abends zufrieden. „Genau dafür machen wir solch eine Veranstaltung. Die Bürger sollen ihre Bedenken loswerden und ihr Herz ausschütten.

Dieter Metzler

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